Lokalsport : Ein Bodenständiger sagt ade

Der krönende Abschluss blieb ihm verwehrt. Noch einmal hätte Manfred Schwarz mit der weiblichen U16 der TG Neuss nur allzu gerne um die Deutsche Basketball-Meisterschaft gespielt - so wie 1999, als er mit der B-Jugend als Westdeutscher Champion im Endspiel gegen den SV Halle mit 54:43 triumphierte. "Das war der Höhepunkt."

Doch seine Mädels beendeten die Saison in der NRW-Liga lediglich auf Platz vier, und so verabschiedet sich der Coach nach zwölf Jahren bei der Turngemeinde ohne Titel. Der ETB Schwarz-Weiß Essen ist sein neuer Arbeitgeber, dort übernimmt er die in der Regionalliga spielenden Damen sowie die weibliche U14 (NRW-Liga).

Den Kontakt hatte übrigens der auch schon in Neuss tätige Trainer Mike Carlson (jetzt Jugend-Koordinator beim ETB) hergestellt. Der Absprung sei ihm nicht leicht gefallen, sagt Schwarz, "denn ich bin ein eher bodenständiger Typ".

Seine bisherigen Stationen beweisen das: "Ich war als Spieler und Trainer mehr als 30 Jahre in Oberkassel und jetzt zwölf Jahre in Neuss." Nur beim Homberger TV, dessen Oberliga-Basketballerinnen er in diesem Jahr auf Platz drei führte, hielt er es nur eine Saison aus.

Da hatte sein Abschied auf Raten bei der TG bereits begonnen. Im vergangenen Jahr gab er dort nach dem freiwilligen Abstieg in die Oberliga die Erstvertretung ab. Die hatte er immerhin von der Landesliga bis in die Regionalliga geführt. Als Vizemeister und im darauf folgenden Jahr als Tabellendritter klopfte er mit seiner fast ausschließlich aus Eigengewächsen bestehenden Truppe sogar zwei Mal ans Tor zur Zweiten Bundesliga.

"Aber zunächst fehlten uns die Spielerinnen, dann einfach nur das nötige Geld." Im Nachhinein, sinniert Schwarz, wäre es besser gewesen, den Sprung zu wagen, "dann wäre vielleicht Einiges anders gekommen". Denn mitten in diese Hochzeit hinein platzte der Wechsel von Sabrina Manteuffel nach Opladen. Dass ihr in den kommenden Jahren mit Catarina Skrobek (Opladen) und Svenja Heister (Oberhausen) noch zwei weitere Jugend-Nationalspielerinnen folgten, nagte an Schwarz, der sich zunehmend um die Früchte seiner Arbeit gebracht sah.

"Für manche war offenbar selbst das Beste nicht mehr genug." Für ihn sei die TG immer ein Familienbetrieb gewesen. "Ich war ja hier nicht nur Trainer." Noch in den Osterferien verbrachte er mit der U16 und drei Spielerinnen aus Homberg eine Woche im Sportzentrum in Worriken/Belgien.

Doch trotz aller Mühen - im vergangenen Jahr gab er 150 Unterrichtsstunden an fast allen Neusser Schulen, bot in den Weihnachts- und Osterferien zudem Trainingscamps an - gelang es ihm zuletzt immer weniger, dem Verein talentierten Nachwuchs in ausreichendem Maße zuzuführen.

"Vielleicht habe ich auch einfach nicht mehr die Kraft oder die Geduld, noch mal von vorne anzufangen." Und natürlich hat er auch gemerkt, "dass einige Leute mit meiner Art einfach nicht mehr klargekommen sind. Dabei war ich früher noch 'ne Spur härter."

Ganz abreißen lassen möchte er den Kontakt zur TG indes nicht. Nachdem er in der vergangenen Saison noch die Landesliga-Damen sowie die U16 und die U14 (beide NRW-Liga) trainiert hatte, würde er nun gerne die U18 (NRW-Liga) übernehmen, "wenn wir dafür genug Spielerinnen bekommen". Er sei ja nicht aus der Welt. "Dass ich jetzt in Essen bin, heißt ja nicht, dass ich nicht eines Tages zurückkehre."

(NGZ)