Korschenbroich : Ehepaar muss Zaun abreißen

2002 kauften Barbara und Volker Liebing ein Grundstück an der Pescher Straße. Jetzt entschied ein Gericht, dass ihr Zaun zu nah an der Triet steht und abgerissen werden muss. Jahrelang hatte der Kreis ihn nicht beanstandet.

Das Urteil des Verwaltungsgerichts ist eindeutig. Barbara und Volker Liebing aus Pesch müssen einen Zaun auf ihrem Grundstück abreißen, da er zu dicht an der Triet stehe. Nachvollziehen kann das Ehepaar den Richterspruch nicht. "Wir fühlen uns ungerecht behandelt. Auch unsere Nachbarn haben schon seit Jahren Zäune an der Böschung stehen. Manche Pfosten stehen sogar im Wasser", sagt Barbara Liebing. Besonders ärgerlich für das Ehepaar: Durch ein einfaches Versetzen des Zauns nach hinten müsste es auf über 200 Quadratmeter des Grundstücks verzichten.

"Alle Vorschläge ignoriert"

Vor zehn Jahren kauften die Liebings das Grundstück an der Pescher Straße. Sie renovierten es, legten den Garten neu an und bepflanzten den Bachrand. "2003 erhielten wir ein Schreiben vom Kreis, in dem auch der Zaun beanstandet worden ist. Nach einigen Telefonaten sagte man uns, dass die Sache erledigt sei", erinnert sich Liebing. Im vergangenen Jahr forderte der Kreis das Ehepaar erneut auf, den Zaun abzureißen.

"Unser Grundstück reicht bis zur Mitte des Bachs", betont die 40 Jahre alte Korschenbroicherin. "Und die Stadt hat beim Verkauf auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet. Warum, wenn die Fläche jetzt so wichtig für den Erhalt des Baches ist?"

Eine weitere Hiobsbotschaft ereilte die Liebings im vergangenen Jahr: Ungefähr die Hälfte ihres Grundstücks (600 Quadratmeter) ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Der Verkäufer hatte dies verschwiegen. "Kreis und Gericht haben alle unsere Vorschläge ignoriert oder verworfen", kritisiert Barbara Liebing. Unter anderem schlugen die Liebings vor, die Kosten für die Pflege des Böschungsbereichs zu übernehmen, falls der Zaun stehenbleiben dürfe. "Worin besteht der Sinn, die Fläche jetzt den Brennnesseln und Ratten zu überlassen?", kritisiert die 40-Jährige.

Ulrich Schmitz, der stellvertretende Leiter des Umweltamtes beim Rhein-Kreis, versichert, dass inzwischen auch die übrigen Anwohner angeschrieben worden seien. "Ein Zaun darf grundsätzlich nicht näher als drei Meter an der Böschung und in einem Landschaftsschutzgebiet errichtet werden", erklärt Schmitz.

"Nur so kann das Gewässer in Ordnung gehalten und für die Tierwelt ein durchgängiger Lebensbereich garantiert werden." Keine Lösung sei es, die Pflege des Grünstreifens den Eigentümern zu übertragen. "Es ist wichtig", unterstreicht Schmitz, "dass der Bach einheitlich gepflegt wird. Wenn verschiedene Betriebe die Pflege übernehmen würden, wäre schnell der Überblick verloren."

Barbara Liebing hofft noch auf ein Umdenken beim Rhein-Kreis Neuss. "Ich möchte nicht, dass alle Nachbarn ihre Zäune abreißen müssen, sondern dass wir sie alle stehenlassen dürfen", betont sie.

(NGZ/rl)