Volleyball : Dynamische Sitzenbleiber

Auch wenn die BSG Grevenbroich beim Debüt auf nationaler Ebene erwartungsgemäß nichts zu bestellen hatte, sein Ziel erreichte der Ausrichter der Deutschen Meisterschaft im Sitzvolleyball. Nämlich diesen schnellen Sport im Rhein-Kreis bekanntzumachen. Der Titel ging an Bayer Leverkusen.

Dominik Albrecht macht sich lang. Sehr lang sogar. Fast spielerisch leicht blockt der 2,10 Meter große Nationalspieler des Deutschen Abonnementmeisters TSV Bayer 04 Leverkusen den harten Aufschlag des Niederländers Tom Poortman. Größe zählt, ganz besonders im Sitzvolleyball.

Eines fällt dem Gast bei der am Wochenende zum ersten Mal in Grevenbroich ausgetragenen Deutschen Meisterschaft sofort auf. Das kölsche Motto "Arsch huh, Zäng ussenander" (Arsch hoch, Zähne auseinander) gilt im Sitzvolleyball nur zum Teil.

Der Flachs blühte bei den Aktiven. Man kennt sich halt in der Szene, was angesichts von deutschlandweit kaum mehr als zehn am Ligaspielbetrieb teilnehmenden Teams nicht weiter verwundert. Doch der Hintern muss, anders als beim in Deutschland wesentlich populäreren Sitzball, immer und zu jeder Zeit auf dem Boden bleiben. Sitzriesen, also Menschen mit längerem Oberkörper und kürzeren Beinen, sind darum klar im Vorteil.

Bei offiziellen internationalen Vergleichen müssen zwar mindestens fünf der pro Mannschaft sechs eingesetzten Spieler eine Behinderung nachweisen können, doch grundsätzlich steht der Sport auch Nichtbehinderten offen.

Die Behinderten-Sportgemeinschaft Grevenbroich (BSG), die mit den "Tiger Shorts" erfolgreich in der Sitzball-Oberliga mitmischt, strebt darum eine enge Zusammenarbeit mit dem VSC 88 Grevenbroich an. Der war am Wochenende auch in die Organisation der Meisterschaft eingebunden. "Wir werden zukünftig sogar zusammen trainieren", kündigt BSG-Vorsitzender Horst Baum an und fügt grinsend hinzu: "Das macht Sinn, schließlich wollen wir ja auch die Gesunden integrieren."

Die deutsche Nationalmannschaft, die sich Anfang März in Kairo für die Paralympics, die Olympischen Spiele für körperlich behinderte Sportler qualifiziert hatte, ist auf internationaler Bühne ein absolutes Schwergewicht, holte 2011 in Rotterdam Bronze bei der Europameisterschaft. Im einem Testspiel fertigte die zu gut 80 Prozent aus Spielern des TSV Bayer 04 Leverkusen bestehende Truppe um Jürgen Schrapp zuletzt den Volleyball-Zweitligisten VC Eintracht Mendig mit 5:0 ab. "Das zeigt, dass Nichtbehinderte im Sitzvolleyball keine Vorteile haben", sagt Bundestrainer Rudi Sonnenbichler.

In der Schlossstadt steckt der in den Niederlanden aus dem Sitzball entwickelte Sport dagegen noch in den Kinderschuhen. Für das eigens für die DM zusammengestellte Team der BSG um Willi Romany blieb nur der letzte Platz.

(NGZ)