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Jüchen: Durchgangsverkehr nervt die Jüchener

Jüchen : Durchgangsverkehr nervt die Jüchener

Autobahnen und Landstraßen, Lastwagen und Motorräder: Dies sind einige Beispiele für Lärm, der die Jüchener stört. Im Rahmen des Lärmaktionsplans wurden jetzt Bürgermeinungen gesammelt. Der Entwurf wird Anfang Juli beraten.

Stefan Weyerstrass, Gemeinde-Mitarbeiter im Amt für Verkehrsflächen und Umwelt, hat seit 24. Mai einiges zu tun. Solange konnten die Jüchener melden, wo sie Lärm stört und woher er kommt. "Rund 40 Stellungnahmen haben wir erhalten", so Rathaus-Sprecher Norbert Wolf. Als Lärmquellen wurden Straßen — von der Autobahn 46 über die B 59 bis hin zur Landstraße 116 — genannt.

Hintergrund dieser Befragung: Die Gemeindeverwaltung arbeitet zurzeit am ersten Lärmaktionsplan, der am 4. Juli im Planungsausschuss vorgestellt wird und der bis 18. Juli fertig sein muss. Die Gemeindeverwaltung folgt einer Vorgabe des Landes NRW, das mit den Lärmaktionsplänen eine Umgebungslärmrichtlinie der Europäischen Union umsetzt.

Die Vorschläge der Jüchener, wie der Verkehr leiser durch und um Jüchen rollen kann, sind dabei laut Norbert Wolf vielfältig. Dazu gehören etwa neue Lärmschutzwände an der A 46, der Einbau von lärmreduzierenden Fahrbahnbelag ("Flüster-Asphalt") oder Fahrbahnschwellen und neue Verkehrsinseln. Weitere Vorschläge: eine Verkehrsüberwachung, temporäre Fahrverbote für bestimmte Lärmverursacher oder Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Teilstrecken.

Beispiel Gierath: Hier beschweren sich Anwohner über den Lärm von Motorradfahrern, der nach ihrer Einschätzung stark zugenommen hat, seit der Motorradausstatter Polo an der B 59 eröffnet hat. Ihre Beschwerdebriefe an Bürgermeister Harald Zillikens, an die Kreispolizeibehörde, an das Straßenverkehrsamt oder an das NRW-Verkehrsministerium führten bisher nicht zum Erfolg. SPD-Fraktionschef Holger Tesmann hatte für Gierath etwa weitere Verkehrskontrollen durch die Polizei angeregt.

Die Ortsgruppe Jüchen des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) hat sich bereits 2010 mit dem Lärmaktionsplan Jüchen beschäftigt. Ihre zentrale Forderung: "Um die Lärmbelastung möglichst niedrig halten, sollten die Maßnahmen eher reichlicher als geizig geplant werden." Als Beispiele nennen sie durchgängige Lärmschutzwände, Flüsterasphalt und ein nächtliches Tempolimit für die A 46 sowie Lärmschutzwände und -wälle, schallschluckende Gleisanlagen und Gleisschmierung für Jüchen und Hochneukirch.

Umgehungsstraßen würden kaum helfen: "In den meisten Fällen wird die Lärmbelastung nur verlagert — es kommt zur Aufteilung der Belastung, indem sich für einen Siedlungsbereich die Belastung etwas verringert, für einen anderen, vormals lärmfreien Landstrich eine völlig neue Lärmbelastung entsteht."

Das grundsätzliche Problem: "Für die Umsetzung der Maßnahmen ist nicht die Gemeinde Jüchen, sondern sind die Straßenbaulastträger verantwortlich", erläutert Norbert Wolf.

(NGZ/rl)