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VfL Gummersbach gegen TSV Dormagen: Duell der Sorgenkinder

VfL Gummersbach gegen TSV Dormagen : Duell der Sorgenkinder

Auch der VfL Gummersbach hat mit Finanzproblemen zu kämpfen. Im Gegensatz zum TSV Dormagen hat sich die Unsicherheit nicht auf die sportlichen Leistungen niedergeschlagen. Am Dienstagabend stehen sich beide gegenüber.

Mit welchem Bus der VfL Gummersbach am Dienstagabend anreist, ist nicht bekannt. Gerd Wirths, der auch die Nationalmannschaft chauffiert, hatte dem Handball-Bundesligisten kürzlich die Zusammenarbeit aufgekündigt, angeblich auch wegen zu spät bezahlter Rechnungen. So weit ist es beim TSV Dormagen noch nicht. Doch anders als beim Altmeister aus dem Oberbergischen, der mit dem 27:27 gegen die Rhein-Neckar Löwen am Sonntagabend im fünften Meisterschaftsspiel in Folge ungeschlagen blieb, scheint sich die unsichere finanzielle Lage bei den Dormagenern negativ auf das sportliche Leistungsvermögen auszuwirken: Die 26:28-Niederlage am Freitagabend beim TSV Hannover-Burgdorf bedeutete jedenfalls einen klaren Rückschritt gegenüber den zuvor gezeigten Vorstellungen.

Wenn sich am Dienstag (Anpfiff um 20.15 Uhr im TSV-Sportcenter) die beiden wirtschaftlichen Sorgenkinder der Liga im direkten Duell gegenüberstehen, fordert Kai Wandschneider eine Rückbesinnung auf alte Tugenden. Der Handball-Lehrer, der am Freitag noch verständnisvoll reagierte ("Hier sind doch noch bis zwei Stunden vor dem Spiel Vertragsgespräche geführt worden"), will volle Konzentration auf das sportliche Geschehen sehen: "Meines Wissens sind alle Gespräche geführt. Wer meint, er könne mit der Situation nicht umgehen, soll es sagen, dann darf er sich auf die Tribüne setzen. Aber von denen, die spielen, verlange ich alles."

Und das nicht nur in kämpferischer Hinsicht. "Kampf allein genügt in dieser Liga nicht, man braucht auch eine gewisse Qualität", hat Wandschneider aus der Partie am Freitag abgeleitet. Qualität, die die Gäste offensichtlich besitzen: "Die sind psychisch unheimlich stark", sagt Wandschneider über die Gummersbacher. Da hatte er die Begegnung am Sonntag ("die DVD kriege ich heute Abend") noch gar nicht gesehen. In der brachten die Schützlinge von Trainer Sead Hasanefendic das Kunststück fertig, aus einem 12:18-Rückstand (35.) eine 20:18-Führung zu machen. Am Ende wuchtete der hünenhafte Kreisläufer Robert Gunnarsson das Spielgerät zehn Sekunden vor dem Schlusspfiff zum letzten Gleichstand über die Linie.

Das Anspiel kam von jenem Akteur, der sich nach dem Weggang von Momir Ilic zum THW Kiel zum überragenden Mann auf Gummersbacher Seite entwickelt hat: Dem vor einem Jahr aus Kiel gekommenen Viktor Szilagyi. Er stand einst ebenso in Dormagen unter Vertrag wie Linksaußen Adrian Wagner. Der dritte im Bunde, Linkshänder Adrian Pfahl, wird wegen eines Risses des Syndesmosebandes nur als Zuschauer an seine alte Wirkungsstätte zurückkehren. "Wir müssen dort sehr konzentriert auftreten. Weil die Jungs noch das schwere Löwen-Spiel in den Knochen haben, wird das ein schweres Stück Arbeit", fürchtet VfL geschäftsführer Francois Xavier Houlet (übrigens Patenonkel von Kentin Mahé). "Wir können dort nicht locker aufspielen, so groß ist der Unterschied zwischen beiden Mannschaften nicht", sagt Trainer Hasanefendic wohl auch eingedenk des 28:28-Remis aus dem Vorjahr.

Wandschneider muss auf den grippekranken Vitali Feshchanka verzichten. Als zweiter Torhüter wird Marketing-Manager Joachim Kurth auf der Bank Platz nehmen. Der Trainer sieht's nur halb tragisch: "Nach seiner starken Leistung von Hannover hätte Jens Vortmann ohnehin angefangen." Freilich: Zuhause hat der aus Berlin gekommene Neu-Dormagener bislang noch nicht überzeugt. "Vielleicht platzt bei ihm der Knoten", hofft Wandschneider. Denn ein Erfolgserlebnis könnte Sorgenkind Nummer eins gut gebrauchen.

(RP)