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Dressurreiterin Romy Allard und ihr Pferd sind ein eingespieltes Team

Dressursport : Sissi und Romy – einfach ein Traumpaar

Romy Allard aus Zons gehört zum Besten, was der deutsche, vom Erfolg verwöhnte Dressursport im Nachwuchsbereich zu bieten hat. Doch die 19-Jährige weiß, dass Erfolge nur im Zusammenspiel mit ihrer vierbeinigen Partnerin Summer Rose möglich sind.

Es gibt Menschen, die finden ein Leben in der zweiten Reihe attraktiv. Romy Allard gehört definitiv nicht dazu. In ihr Debüt bei den Deutschen Meisterschaften der „Jungen Reiter“ in Darmstadt-Kranichstein ging sie darum mit Karacho. „Ich wollte angreifen, die Konkurrenz aufmischen.“ Am Ende belegte sie Rang vier, unter anderem geschlagen von Vize-Europameisterin Luca Sophia Collin. Enttäuscht? „Nein“, sagt die 19-Jährige, die mit Niesen Hausverwaltungen e.K. in Düsseldorf als Partner vor kurzem ihr duales Studium der Immobilienwirtschaft aufgenommen hat. „Klar, Platz vier ist immer ein bisschen undankbar. Aber ich ärgere mich da gar nicht. Ich hatte nichts zu verlieren.“

Ihre Zeit wird schon noch kommen. Sie wie 2018, als sie mit 16 Jahren Silber (Mannschaft) und Bronze (Einzel) bei den U18-Europameisterschaften im französischen Fontainebleau holte, Deutsche Meisterin bei den Juniorinnen wurde und Platz eins der Weltrangliste (U18) eroberte. Das bescherte ihr die Aufnahme in den Nachwuchskader 1 (U18/Junioren) des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR). „Ein Top-Jahr“, erinnert sich die Zonserin. So ganz schlecht lief es für sie freilich auch in der Folge nicht. Noch kurz vor der ewig langen Corona-Pause ab Herbst 2020 brachte sie den zehnten Sieg für das Goldene Reitabzeichen aufs Konto. Das wird ihr am Samstag im Rahmen des vom Förderkreis Dressur Neuss ausgerichteten Turniers auf Gut Altwahlscheid in Uedesheim angesteckt.

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Ein Erfolg im Team, sagt sie: Trainer Steffen Frahm, die Familie, allen voran Mutter Marion, die auf jedem Turnier dabei ist, und natürlich ihre Rappstute Summer Rose. „Sissi“, geadelt mit dem Kürzel OLD, das der Verein zur Förderung des Oldenburger Pferdesports nur an ausgewählte Pferde vergibt, ist ihre große (Sport-)Liebe seit nunmehr sieben Jahren. „Mit einem anderen Pferd wäre das alles nicht möglich gewesen. Sie kämpft immer für mich, hat mich noch nie im Stich gelassen.“ Denn auch ihre zwölfjährige Partnerin liebt den großen Auftritt. „Je mehr Zuschauer auf einem Turnier sind, desto besser läuft sie. Dann richtet sie sich auf, macht sich groß.“ Darum ist es für Romy Allard absolut undenkbar, etwas gegen den Willen ihrer „Königlichen Hoheit“ zu erzwingen. „Wenn ich merke, dass sie gesundheitliche Probleme oder keinen Spaß mehr hat, würde ich sie in Ruhe lassen. Sie ist ein Lebewesen und kein Gerät.“ Doch dieser Zeitpunkt dürfte noch in weiter Ferne liegen. „Sissi ist noch nicht am Limit. Sie geht jeden Tag mit Power ins Training.“

Das ist auch gut so, denn Romy Allard hat in ihrem Lieblingssport noch eine ganze Menge vor. Gerade läuft der für Weltklasse-Sport bekannte CHIO Aachen. Da wäre sie sehr gerne irgendwann mal dabei. Einen Vorgeschmack bieten die Aachen Dressage Youngstars, ein internationales Nachwuchs-Dressurturnier, das vom 25. bis 28. November zum vierten Mal ausgetragen werden soll. Die Dressurwettbewerbe finden auf dem traditionsreichen Turniergelände in der Soers statt. Die Sportler kämpfen in 13 Prüfungen um rund 9600 Euro Preisgeld. Auch die Europameisterschaften im nächsten Jahr könnten für sie ein lohnendes Ziel sein, wenngleich sich die 19-Jährige nicht unnötig unter Druck setzen will. Schließlich sind die deutschen Dressurreiterinnen weltweit führend, erst kürzlich eindrucksvoll belegt bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio: Gold und Silber durch Jessica von Bredow-Werndl und Isabell Werth im Einzel- sowie Gold im Mannschaftswettbewerb.

Für Deutschland bei Olympia um Edelmetall zu kämpfen, das wäre selbstverständlich auch für Romy Allard das höchste der Gefühle. „Davon träumt doch jeder Reiter.“ Paris 2024 dürfte etwas knapp werden, aber Los Angeles 2028 könnte tatsächlich klappen. Die gute „Sissi“ wäre dann 19 und damit genauso alt wie der im Juli 2020 im für Pferde biblischen Alter von 26 Jahren auf Gut Neuhaus verstorbene Hello Max, mit dem der Grevenbroicher Gilbert Tillmann 2013 sensationell das Deutsche Springderby in Hamburg gewonnen hatte.