Kunstturnen Dormagenerin blickt schon Richtung Olympia

Dormagen · Nach der historischen Bronzemedaille mit Deutschland bei der Heim-EM hat die Dormagener Spitzenturnerin Sarah Voss zunächst halblang gemacht, um eine Wadenverletzung auszukurieren. Nun werden die Weichen für 2023 gestellt.

Der Sprung ist eine der Stärken von Sarah Voss. Derzeit befindet sich die Spitzenturnerin aus Dormagen mitten in der Saisonvorbereitung.

Der Sprung ist eine der Stärken von Sarah Voss. Derzeit befindet sich die Spitzenturnerin aus Dormagen mitten in der Saisonvorbereitung.

Foto: dpa/Christophe Gateau

Ihre Mannschaftskameradinnen vom TZ DSHS Köln wollte Sarah Voss nicht im Stich lassen. Deswegen half die Spitzenturnerin aus Dormagen in der zweiten Jahreshälfte 2022 noch sehr dosiert mit, den zweiten Platz in der Bundesliga-Endabrechnung zu holen. Ansonsten war es in Sachen Wettkämpfe sehr still geworden um die 23-Jährige nach dem historischen dritten Platz mit der deutschen Mannschaft bei der Heim-EM in München. Ihr Fokus lag darauf, eine hartnäckige Wadenverletzung auszukurieren. Um auf Nummer sich zu gehen, ließ sie sogar die WM in Liverpool sausen. Mit Blick auf Paris ist das vorolympische Jahr 2023 viel zu wichtig, um irgendetwas zu riskieren.

„Die Wade fühlt sich wieder gut an, da kann ich mich nur bei einem tollen Ärzteteam und tollen Physiotherapeuten bedanken“, erklärt Sarah Voss, sagt aber auch einschränkend: „Es muss sich noch zeigen, wie die Wade unter Stress reagiert. In einem so fordernden Jahr wie 2023 bin ich aufmerksamer denn je und achte auf jede Rückmeldung von meinem Körper.“ Die Zeit ohne großen Wettkampfstress hat die 23-Jährige genutzt, um in Sachen Kraft und Ausdauer an den Grundlagen für die neue Saison zu arbeiten, zudem hat sie an Details ihrer Übungen gefeilt und im Fernstudium (Betriebswirtschaft und Management) einige Klausuren abgehakt, um sich für die neue Saison Freiräume zu schaffen.

Aktuell geht es darum, zusammen mit den Trainern die Weichen für 2023 zu stellen, also zu entscheiden, welche Wettkämpfe auf dem Weg zum Saisonhöhepunkt bei den Weltmeisterschaften im Herbst in Antwerpen sinnvoll sind. Ab Ende Februar gibt es jedenfalls einige Möglichkeiten, sich ins Getümmel zu stürzen. Los geht’s in Cottbus, dann zieht die Weltcup-Karawane weiter nach Doha (Katar) und Baku (Aserbaidschan), ehe der Deutsche Turner-Bund (DTB) vom 17. bis zum 19. März die weltbesten Aktiven zum traditionellen DTB-Pokal nach Stuttgart bittet. Für die Deutschen ein absoluter Pflichttermin, weil es dort um die Qualifikation für die Europameisterschaften im April in Antalya (Türkei) geht. „Ich denke, ich werde nur in Stuttgart starten. Mit Blick auf dieses Jahr kann jede Minute Regeneration wichtig sein. Bei den Weltcups sollen aber auch jüngere Turnerinnen mal die Chance bekommen, Wettkampferfahrung auf internationalem Niveau zu sammeln, was dem deutschen Team zugutekommt“, erklärt Sarah Voss. Das letzte Wort über die Saisonplanung ist aber noch nicht gesprochen. Mitte Februar steht in Frankfurt ein Trainingslager auf dem Programm, das mit einem Test abschließt. Die Ergebnisse sollen dann dabei helfen, zu entscheiden, welche der deutschen Topturnerinnen wo an den Start gehen.

Wobei das Thema Olympia bei den Europameisterschaften in Antalya erstmals ganz besonders in den Fokus rückt. Denn dort gilt es, als Mannschaft unter die ersten Zwölf zu kommen, um den Sprung zu den Weltmeisterschaften zu schaffen. Das sollte unter normalen Umständen kein Problem sein, doch bei der WM wächst der Druck dann noch mal. Denn auch dort müssten Voss und Co. mit dem Team unter den Top Zwölf landen, um Deutschland einen Startplatz für die Olympischen Spiele 2024 in Paris zu sichern. Das perfide daran ist, wie in anderen Sportarten auch, dass die Qualifikation mit der Mannschaft nicht gleichzeitig einen Olympia-Auftritt für die diejenigen bedeutet, die sie unter Dach und Fach gebracht haben. „Das steht auf einem anderen Blatt, dafür wird es später noch interne Qualifikationen geben“, sagt Sarah Voss. Klar ist, nach ihrer durchwachsenen Olympia-Premiere 2021 in Tokio will sie in Paris unbedingt wieder mit von der Partie sein. Ihre hartnäckige Wadenverletzung hat die Dormagenerin vorsichtiger werden lassen. „Gesundheitsmanagement ist das A und O, um gut durch so eine stressige Saison zu kommen.“

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