Dormagener Säbelfechter reisen mit Sorgen zur WM nach Budapest

Fechten : Dormagener Goldjungs bereiten Sorgen

Am Montag beginnt in Budapest die Fecht-WM. Statt voller Euphorie nach dem Gewinn des EM-Titels reisen die Säbelfechter des TSV Bayer Dormagen mit Sorgen zur vor-entscheidenden Olympia-Qualifikation – Benedikt Wagner hat seit dem Triumph von Düsseldorf nicht mehr trainiert.

Eigentlich ist Vilmos Szabo immer für einen lockeren Spruch gut. Doch drei Tage vor Beginn der Fecht-Weltmeisterschaften, die vom 15. bis 23. Juli in Budapest ausgetragen werden, wirkt der Bundestrainer der deutschen Säbelfechter eher nachdenklich. Kein Wunder, schließlich reisen seine „Goldjungs von Düsseldorf“ mit beträchtlichen Sorgen in die ungarische Hauptstadt.

Die größte gilt Benedikt „Peter“ Wagner: Der 29-Jährige, der im EM-Finale gegen Ungarn die entscheidenden Treffer setzte, hat seit dem Triumph in der Düsseldorfer Messehalle 8b nicht mehr trainiert. Die Bauchmuskelzerrung, die er sich dabei zuzog, ist zwar inzwischen abgeklungen, nicht aber die Kniebeschwerden. Ein letzter Test am heutigen Freitag soll Klarheit schaffen, ob der Einzel-Europameister von 2016 überhaupt im Einzelwettbewerb antreten kann, der am Montag mit der Vorrunde startet und am Donnerstag fortgesetzt wird.

Durchaus möglich, dass Wagner sich Schonung auferlegt. Denn viel wichtiger aus deutscher Sicht ist der Teamwettbewerb. Und bis zu dem – die Vorrunde steht am kommenden Samstag (20.), die Endrunde der besten Acht bis zum Finale am Tag darauf im Zeitplan – ist noch etwas Zeit. „Da brauchen wir ihn,“ sagt Vilmos Szabo unmissverständlich. Schließlich ist „Peter“ nicht nur wegen seiner Treffer, sondern auch wegen seiner Emotionalität für die Mannschaft unverzichtbar, die ohnehin seit einem halben Jahr auf den am Knie operierten Richard Hübers verzichten muss.

Und für die Mannschaft geht es in Budapest nicht „bloß“ um eine WM-Medaille. Sondern vor allem um wichtige Punkte für die Olympia-Qualifikation. „Düsseldorf war ein wichtiger Schritt, aber eine WM ist noch wichtiger,“ sagt Vilmos Szabo, „denn hier zählen die Punkte doppelt.“ Das Ziel des Bundestrainers ist deshalb klar gesteckt: „Unter die besten Acht zu kommen ist das Minimum, sonst wird es eng.“ Schließlich stehen nach den Weltmeisterschaften im Qualifikations-Zeitraum für Tokio 2020 nur noch vier Weltcup-Turniere mit Teamwettbewerb auf dem Programm.

Immerhin: Unter den besten Acht platzierten sich die deutschen Säbelfechter stets bei einer Weltmeisterschaft im vergangenen Jahrzehnt. Mit einer Ausnahme – dem Debakel bei der Heim-WM 2017 in Leipzig, als sie in der Runde der besten 16 mit 44:45 an Frankreich scheiterten und Neunte wurden. Vor sechs Jahren, als Budapest schon einmal Schauplatz der WM war, reichte es zu Platz fünf.

Doch seither ist die Weltspitze enger zusammen gerückt, haben Länder wie die USA, Frankreich und der Iran zu den „Großen“ (Südkorea, Russland, Ungarn, Italien) aufgeschlossen. Seit 2010 gelang es allerdings nur einem Team, in deren Phalanx als Titelträger (4 x Russland, 2 x Südkorea, 1 x Italien) einzubrechen – den Deutschen mit Nicolas Limbach, Max Hartung, Benedikt Wagner und Matyas Szabo vor fünf Jahren im russischen Kazan.

Wird Wagner rechtzeitig fit, sind aus diesem Quartett in Budapest noch drei dabei (plus der Wehrbacher Björn Hübner-Fehrer). Max Hartung (29), der in Düsseldorf trotz dick bandagiertem Fuß Einzel-Bronze und Mannschafts-Gold holte, komme „langsam wieder in Form“, sagt Vilmos Szabo mit dem ihm eigenen Understatement. Und auch sein Sohn Matyas Szabo, mit 27 Jahren der jüngste im Aufgebot, sei gut drauf, versichert der Bundestrainer.

Der mit seinen Schützlingen – zur „Dormagener“ Delegation gehören noch die Säbelfechterinnen Anna Limbach und Lea Krüger, die Trainer Pierre Guichot, Imre Bujdoso und Gergely Bokor sowie Physiotherapeut Daniel Hummen – am Samstag in die ungarische Hauptstadt fliegt. Wo der 54-Jährige einen „Heimvorteil“ besitzt: Obwohl im rumänischen Brasov geboren, spricht der 1993 nach Dormagen gekommene Vilmos Szabo fließend Ungarisch – seine Familie gehört der ungarisch-sprechenden Minderheit in Rumänien an.

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