2. Handball-Bundesliga Dormagen verschläft Anfangsphase in Minden völlig

Dormagen · Nachdem die Dormagener am vergangenen Montag dank der Vinnhorster Niederlage in Großwallstadt den endgültigen Klassenverbleib auf der „Couch“ geschafft hatten, wollten sie eigentlich noch mal selbst punkten. Doch der erste Versuch ging am Freitagabend wegen eines Gruselstarts daneben, der zweite folgt nächsten Samstag daheim gegen Dresden.

Jan Schmidt traf in Minden siebenmal.

Jan Schmidt traf in Minden siebenmal.

Foto: Heinz J. Zaunbrecher

TSV-Trainer Matthias Flohr hatte im Vorfeld angekündigt, in den beiden letzten Partien der Saison noch mehr auf jüngere Spieler zu setzen, die bislang noch nicht ganz so viel Spielpraxis sammeln konnten. Verbunden mit der Ankündigung, dass darunter allerdings nicht das Streben nach weiteren Punkten leiden sollte. Das ging am Freitagabend im Auswärtsspiel bei GWD Minden allerdings überhaupt nicht auf. In einer völlig verschlafenen Anfangsphase handelten sich die Dormagener einen derart hohen Rückstand ein, dass der trotz einer Leistungssteigerung vor allem in der zweiten Hälfte nicht mehr komplett aufzuholen war. Unter dem Strich stand eine letztlich verdiente 29:32 (12:19)-Niederlage.

In den ersten zwölf Minuten lief wirklich gar nichts zusammen bei den Gästen. Hinten fand die Abwehr im Zusammenspiel mit dem Torhüter keine Mittel gegen effektive Mindener, vorne reihten sich Fehlwürfe und technische Fehler aneinander. Beim Zwischenstand vom 0:7 (9.) hatte Matthias Flohr genug gesehen und nahm seine erste Auszeit. Seine taktischen Anweisungen und Wechsel schloss er mit deutlichen Worten ab: „Hey Männer, spielt Handball. So viel Sachen wie wir Scheiße machen, so viel kann man gar nicht sagen.“ Danach fiel zwar zunächst noch das 0:8, doch als dann Jan Schmidt in der 12. Minuten mit dem 1:8 der erste Dormagener Treffer gelang, fand der TSV nach und nach in die Partie. Insbesondere das Kreisläuferspiel und über Außen klappte es offensiv besser. Weil sich auch die Deckung stabilisierte, war es plötzlich ein Spiel auf Augenhöhe, doch die Hypothek der Anfangsphase war zu groß, bis zur Pause blieb es bei sieben Toren Rückstand.

In der Pause fand Matthias Flohr dann aber offenbar die richtigen Worte und mit einer Umstellung auf eine 3:2:1-Deckung auch die richtige taktische Herangehensweise. Plötzlich wirkten die Gäste viel wacher und drückten auch mehr aufs Tempo. Nach dem 16:21 durch Sören Steinhaus sah sich GWD-Coach Aaron Zierke zu einer Auszeit gezwungen und wurde richtig laut. Mit mäßigem Erfolg, denn die Quote der eigene Fehler blieb hoch. Weil die aber von den Dormagenern nicht genutzt werden konnten, auch weil GWD-Keeper Malte Semisch ein paar starke Paraden auspackte, wuchs der Rückstand doch wieder bis auf 20:28 (48.) an.

Es spricht für die junge Dormagener Mannschaft, dass sie sich aber auch da nicht aufgab, sondern weiter offensiv verteidigte und den Gegner zu Fehlern zwang. Als Peter Strosack in der 55. Minute auf 25:29 stellte, bot sich dem TSV trotz einer Auszeit der Gastgeber tatsächlich noch mal die Chance, entscheidend zu verkürzen. Doch weil Alexander Senden und Frederik Sondermann mit völlig freien Würfen an dem kurz zuvor eingewechselten Yahav Shamir scheiterten, blieben die verunsicherten Mindener vier Tore vorn. Erst nach einer Roten Karte für Max Staar konnte Jan Reimer den folgenden Siebenmeter zum 26:29 nutzen (57.).

Und auch danach war noch etwas möglich: Aber nach dem 27:30 (58.) durch Alexander Senden und einer Parade von Louis Oberosler warf Youngster Florian Boehnert aus dem Halbfeld statt ins leere Tor an den Pfosten, so dass das 31:27 im Gegenzug durch Carles Asensio Cambra die Vorentscheidung war. Dass die Dormagener Aufholjagd nicht spurlos an den Mindenern vorbeigegangen war, ließ sich auch an deren Trainer Aaron Zierke erkennen. Denn nach dem 28:31 durch Frederik Sondermann nahm er wenige Sekunden vor Schluss trotz des gelaufenen Spiels eine Auszeit, die den Mindenern gar nicht mehr zustand. Weil der Vorsprung aber zu groß war, hatte das keine Konsequenzen mehr. Dormagen muss nun hoffen, dass weitere Punkte im letzten Saisonspiel daheim gegen den HC Elbflorenz hinzukommen.

Die TSV-Torschützen: Schmidt (7), Reimer (5/3), Steinhaus (3), Senden (3), Strosack (2), Böckenholt (2), Sondermann (2), Träger (2), Reuland (1), Schroven (1), Boehnert (1)