2. Handball-Bundesliga Dormagen zittert sich in Rostock zum Sieg

Dormagen · Nach der ersten Hälfte sahen die Dormagener gegen schwacher Rostocker schon wie der sichere Sieger aus. Doch nach der Pause lief beim TSV nicht mehr viel zusammen. Am Ende reichte es aber noch knapp zu einem enorm wichtigen Sieg.

 Lucas Refhus, hier noch in einem Jugendspiel, war in Rostock Dormagens bester Schütze.

Lucas Refhus, hier noch in einem Jugendspiel, war in Rostock Dormagens bester Schütze.

Foto: Heinz J. Zaunbrecher

Beim HC Empor Rostock hat der TSV Bayer Dormagen am Freitagabend einen ganz wichtigen Sieg eingefahren. Durch das 24:22 (15:9) haben die Dormagener den Abstand auf die auf einem Abstiegsplatz stehenden Rostocker auf acht Punkte (ohne die zwei Zähler aus dem Sieg vom Saisonauftakt gegen Zaporozhye) ausgebaut und einen weiteren Schritt Richtung gesichertes Mittelfeld gemacht. Allerdings war es bis dahin ein ganz schweres Stück Arbeit: In einer Partie auf insgesamt eher schwachem Niveau hatte der TSV in der ersten Hälfte deutliche Vorteile, brach aber nach der Pause ein und hätte den Sieg fast noch aus den Händen gegeben.

„In der zweiten Halbzeit hat sich bei uns ein großer Kräfteverschleiß bemerkbar gemacht. Da können wir von Glück sagen, dass wir in dieser schweren Phase Martin Juzbasic im Tor hatten“, meinte TSV-Coach Matthias Flohr nach der Partie. Die personelle Situation bei den Dormagenern hatte sich im Vergleich zum Rückspiel gegen Zaporozhye am vergangenen Samstag zwar entspannt, doch der lange verletzte André Meuser kam in seiner alten Heimat im ersten Durchgang nur zu einem Kurzeinsatz und Alexander Senden wurde weiter geschont. Den WM-Rückkehrern Patrick und Ian Hüter gestand Matthias Flohr noch Eingewöhnungszeit zu, sie standen erst mit zunehmender Spielzeit immer häufiger auf der Platte. So mussten vom Start weg die jungen Spieler Verantwortung übernehmen und sie machten ihre Sache gut. Die schon fest zum Zweitligakader gehörenden Lucas Rehfus und Sören Steinhaus standen in der Startformation, Kreisläufer Jan-Christian Schmidt aus der A-Jugend kam schon vor der Pause ab an und zur Entlastung rein, sein Altersgenosse Florian Böhnert bekam nach dem Seitenwechsel im Rückraum sogar in einer entscheidenden Phase beachtliche Spielanteile.

Da hätte die Partie allerdings schon vorentschieden sein können. Denn dank eines wie entfesselt aufspielenden Lucas Rehfus kam der TSV sehr gut in die Partie, erzielte immer wieder schöne Tore aus dem Rückraum, hielt das Tempo hoch und nutzte auf Basis einer ebenso aggressiven wie konsequenten Abwehrarbeit die zahlreichen technischen Fehler der Gastgeber zielgerichtet aus, um sich immer weiter abzusetzen. Typisch für das Spiel der Gastgeber vor der Pause: Nachdem Sören Steinhaus den Ball bei nur noch einem Pass zum 10:6 in den Winkel gesetzt hatte (17.), nahm der HC eine Auszeit, um sich zu fangen. Doch direkt in der ersten Aktion ließen die Rostocker den Ball fallen und ermöglichten es den Gästen so, zunächst durch Joshua Reuland per Siebenmeter auf 11:6 zu erhöhen. In der 30. Minute war es dann André Meuser vorbehalten, dem TSV einen Sechs-Tore-Vorsprung zur Pause zu bescheren.

Das roch stark nach einer Vorentscheidung, doch dann verloren die Dormagener völlig den Faden. Plötzlich waren sie es, die technische Fehler in Reihe produzierten und im Angriff keine Mittel gegen eine zugegebenermaßen deutlich wachere HC-Abwehr mehr fanden. So dauerte er bis in die 39. Minute, ehe Lucas Rehfus zum 16:11 traf und damit das erste TSV-Tor nach dem Seitenwechsel erzielte. So zäh ging es weiter, was die Rostocker gänzlich ohne ihr Stilmittel des siebten Feldspielers dazu nutzten, um Tor um Tor aufzuholen. Zum Glück für die Dormagener hatte ihr Trainer das richtige Näschen und beorderte in Hälfte zwei für Christian Simonsen Martin Juzbasic zwischen die Pfosten. Der sammelte in den 30 Minuten sieben Paraden, war in entscheidenden Momenten zur Stelle und raubte insbesondere Linksaußen Jesper Schmidt die Nerven. Dennoch schien das Momentum aufseiten der Gastgeber, als zunächst TSV-Abwehrchef Patrick Hüter nach einem Gesichtstreffer gegen Philipp Asmussen die Rote Karte sah, wenig später Rechtsaußen Janos Steidtmann in der 57. Minute zum 21:21 ausglich und dann auch noch Sören Steinhaus angeschlagen vom Feld humpelte. Auch als im Anschluss Jan Reimer den TSV nervenstark von Rechtsaußen wieder mit 22:21 (58.) in Führung brachte, stand das Spiel noch auf der Kippe, zumal Jakub Sterba, der offensiv im rechten Rückraum agierte, kurz darauf zwei Minuten vom Feld musste. Doch dann war es eine von Juzbasics Parade, die dem TSV wieder die Tür öffnete. Bei 59:13 Minuten nahm Matthias Flohr eine Auszeit, nach der Ian Hüter auf Halbrechts unwiderstehlich Richtung Tor zog und das entscheidende 23:21 erzielte. Rostock ging bei 59:34 Minuten noch mal in die Auszeit und warf im Anschluss durch Marc Pechstein tatsächlich noch das 22:23, doch gegen die anschließende Manndeckung der Rostocker behielten die Dormagener kühlen Kopf und spielten Youngster Jan-Christian Schmidt frei, dem es vorbehalten war, das finale 24:22 zu markieren. „Wir nehmen den Sieg natürlich gerne mit, wohlwissend, dass wir uns im Angriff deutlich steigern müssen“, meinte TSV-Coach Matthias Flohr. Schon am Dienstag steht daheim das Nachholspiel gegen den TV Großwallstadt an.

TSV-Tore: Rehfus (7), Steinhaus (4), Reimer (3), Reuland (3/2), P. Hüter (2), I. Hüter (2), Meuser (1), Sterba (1), J. Schmidt (1),

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