Handball Jan Reimer aus Dormagen unverhofft ein Erstliga-Spieler

Dormagen · Beim TSV Bayer Dormagen war Jan Reimer ziemlich weit weg von seinem Traum, mal im Handball-Oberhaus aufzulaufen. Nun macht es aber ein Zweitspielrecht beim BHC möglich.

 Dormagens Rechtsaußen Jan Reimer kann momentan per Zweitspielrecht Erstliga-Luft beim Bergischen HC sammeln.

Dormagens Rechtsaußen Jan Reimer kann momentan per Zweitspielrecht Erstliga-Luft beim Bergischen HC sammeln.

Foto: Heinz J. Zaunbrecher

Als der Handball-Rekordmeister THW Kiel vorigen Sonntag vor dem Heimspiel gegen den Bergischen HC verkündete, dass er den Vertrag mit dem kroatischen Nationalspieler Domagoj Duvnjak bis zum 30. Juni 2025 verlängert hat, sorgte das unter den 10.000 Zuschauern in der Ostseehalle für einen ohrenbetäubenden Jubel. „Das ist schon eine wahnsinnige Atmosphäre. Dort aufzulaufen, ist etwas ganz Besonderes“, sagt Jan Reimer, der noch vor kurzem von so einer Kulisse nicht zu träumen gewagt hätte. Als Spieler der Zweitligisten TSV Bayer Dormagen spielt er am Höhenberg vor rund 1000 Zuschauern, je nach Gegner können es auswärts maximal um die 2000 werden. Ein Zweitspielrecht für den benachbarten Erstligisten macht es jetzt möglich, dass Jan Reimer ganz unverhofft in die große Welt des Handballs hineinschnuppern darf.

Und wie so oft im Sport fußt das Glück des einen Spielers auf dem Pech eines anderen. In diesem Fall dem Verletzungspech des schwedischen Rechtsaußen Isak Persson (23), der sich am 20. November einen Fingerbruch zuzog. Und weil schnell feststand, dass er 2023 nicht mehr würde auflaufen können, musste sich der BHC kurzfristig nach einer Alternative umschauen, die Yannick Fraatz (24) auf Rechtsaußen unterstützt. Dass dann schnell Jan Reimer in den Fokus geriet, hatte gleich mehrere Gründe. Zum einen kennen BHC-Coach Jamal Naji und sein Assistent Peer Pütz das TSV-Eigengewächs sehr gut aus ihrer Zeit als Jugendtrainer am Höhenberg. Zudem setzte Pütz stark auf Reimer, nachdem er Anfang 2021 nach der Entlassung von Dusko Bilanovic die Zweitligatruppe übernahm und sie noch zum Klassenverbleib geführt hatte. Außerdem war unter anderem der BHC in Gestalt von Geschäftsführer Jörg Föste zu Hilfe geeilt, nachdem die kurz zuvor in große finanzielle Nöte geratenen Dormagener einen Notruf abgesetzt hatten. Im Zuge dieser (inzwischen erfolgreichen) Rettungsaktion hatten beide Vereine die Absicht erklärt, auf mehreren Ebenen zusammenzuarbeiten und sich auszutauschen. Wie zu hören ist, bahnt sich sogar eine Kooperation nach dem Muster Füchse Berlin und 1. VfL Potsdam an, bei der künftig auch Perspektivspieler vom BHC in Dormagen „geparkt“ werden könnten. Für Reimer sprach auch, dass er mit 22 Jahren noch die Bedingung für ein Zweitspielrecht (maximal 23 Jahre) erfüllt und beim TSV hinter Routinier Peter Strosack auf Rechtsaußen ohnehin die Nummer zwei war.

„Das hat von allen Seiten einfach sehr gut gepasst“, sagt Jan Reimer, der nicht lange zögerte, als Jamal Naji ihm den Vorschlag unterbreitete, bei den Bergischen Löwen anzuheuern. Und bereut hat er den Schritt bislang noch keine Sekunde. Große Eingewöhnungsprobleme gab es jedenfalls nicht. Schließlich sind ihm nicht nur die Trainer vertraut, auch Mitspieler wie Eloy Morante Maldondado und Lukas Stutzke kennt er noch aus deren Zeit in Dormagen. Und mit Kreisläufer Aron Seesing spielte er noch vorige Saison beim TSV zusammen. „Alle haben mich sehr gut aufgenommen“, erklärt Reimer, der aber genau weiß, dass es nicht darum geht, dass der BHC eine Wohlfühloase für ihn ist. In jedem Training werde extrem konzentriert und fokussiert gearbeitet, wobei auch ein Führungsspieler wie Linus Arnesson deutlich sage, wo es langgeht. „Er erwartet von jedem 100 Prozent. Damit habe ich so nicht gerechnet, aber ich finde es gut“, sagt Reimer, der sowohl von dem hohen Niveau seiner Mitspieler als auch der Ersten Liga insgesamt begeistert ist. Das erste Mal im Kader war er beim Heimspiel gegen Leipzig (31:31), die ersten Einsatzminuten bekam er in Kiel (30:39).

Dass er dort gleich mit seinen beiden ersten Wurfversuchen scheiterte, verdeutlichte ihm eindrucksvoll die besondere Qualität von Erstliga-Torhütern. Da konnten ihn auch seine beiden späteren Treffer nicht trösten. „Wegen des Resultats und der eigenen Leistung war die Freude hinterher nicht so groß“, sagt Reimer. Seinen nächsten Einsatz könnte er am Sonntag im Heimspiel gegen Stuttgart bekommen. Und weil Dormagen erst tags darauf zu Hause gegen Minden spielt, steht er auch für diese Partie zur Verfügung.

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