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Domagen in der Partie gegen Eintracht Hagen mit Substanzverlust

2. Handball-Bundesliga : Ausfälle gehen beim TSV an die Substanz

Wie schon gegen Gummersbach gingen Dormagens Zweitliga-Handballern ohne Spielmacher Ian Hüter gegen Hagen nach der Pause die Kräfte aus. Auch Jakub Sterba fiel noch aus. Am Ende stand die erste Heimniederlage der Saison.

Als bei der nach Zweitliga-Handballspielen obligatorischen Talkrunde im TSV-Bayer-Sportcenter eine Pause zu überbrücken war, bis die Trainer der heimischen Dormagener und der Gäste aus Hagen so weit waren, schaute TSV-Pressesprecher Detlev Zenk in die Runde. Als er dort Benjamin Richter entdeckte, der vorige Saison noch großen Anteil am starken Abschneiden der Dormagener hatte, bat er ihn spontan ans Mikrofon, um seine Meinung zur 25:30 (16:16)-Niederlage abzufragen. Könnten die TSV-Verantwortlichen den variabel einsetzbaren, ehemaligen Backup von Mittelmann Ian Hüter, jetzt beim Drittligisten Leichlingen, ebenso leicht für eine Aushilfsaktion gewinnen, würde ihnen das in der aktuellen Situation sehr helfen.

Denn inzwischen ist die Personalnot so groß, dass selbst unbändiger Einsatz und taktische Kniffe von Trainer Dusko Bilanovic den Substanzverlust nicht mehr kaschieren können. Schon seit Saisonbeginn schlagen sich die Dormagener mit massiven Personalproblemen auf der linken Seite herum. Neben Linksaußen Joshua Reuland, der schon in der Vorsaison einen Kreuzbandriss erlitten hatte, zogen sich auch der für ihn verpflichtete Jaka Zurga sowie die Halblinken Alexander Senden, Ante Grbavac und Lucas Rehfus teils langwierige Verletzungen zu. Dennoch schafften es die Dormagener, in den ersten vier Punktspielen (zwei Heimsiege) und in der Pokalpartie gegen den Erstligisten Lemgo auf Augenhöhe zu agieren, doch mit der Verletzung von Spielmacher Ian Hüter im Abschlusstraining vor der Partie beim VfL Gummersbach war der Bogen dann offenbar überzogen. Zwar kehrte Shooter Ante Grbavac im Mittelrheinderby zurück, so dass Patry Biernacki auf seine Lieblingsposition in der Mitte wechseln konnte, doch nach einer guten Leistung in Hälfte eins in der Schwalbe-Arena brach der TSV nach der Pause ein und kam am Ende gegen den Tabellenführer mit 18:28 unter die Räder.

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Ganz so schlimm kam es zwar gegen Hagen nicht, obwohl sich im Abschlusstraining auch noch Rechtsaußen Jakub Sterba eine Bänderverletzung zugezogen hatte. Doch gegen den in der Breite ähnlich stark besetzten Aufsteiger wie Gummersbach war bei den Dormagenern in der zweiten Spielhälfte ein eklatanter Leistungsabfall zu verzeichnen. Weil vor der Pause beide Abwehrreihen noch viel zuließen, fielen viele Tore aus dem Rückraum. Im Zusammenspiel mit Partryk Biernacki sorgten vor allem André Meuser auf Halbrechts mit sechs Toren, aber auch Ante Grbavac mit vier Treffern dafür, dass Dormagen trotz eines 6:9-Rückstandes (13.) dranblieb und mit einem 16:16 in die Halbzeit ging. Großen Anteil daran hatte auch Keeper Ole Christian Simonsen, der Martin Juzbasic in der elften Minute ablöste, und dann sein bislang bestes Spiel im Bayer-Trikot absolvierte.

Bis er in der 44. Minute wieder vom Feld musste, konnte Simonsen zwar mit weiteren Paraden dafür sorgen, dass der Rückstand gleich zu Beginn der zweiten Hälfte nicht zu groß wurde, doch seine Vorderleute gerieten wie gegen Gummersbach völlig aus der Spur. Während Hagen in der Abwehr deutlich konzentrierter zur Werke ging und den bis dahin so treffsicheren André Meuser (nur noch ein weiteres Tor) durch aggressives und frühes Stören aus dem Spiel nahm, spielte dem Aufsteiger auch in die Karten, dass Biernacki plötzlich Fehler in Reihe produzierte und auch bei Ante Grbavac im zweiten Spiel nach seiner Sprunggelenksverletzung die Luft raus war (auch nur noch ein Tor). In der 45. Minute konnte Biernacki mit dem 21:22 letztmals auf ein Tor Rückstand verkürzen, danach zogen die Gäste unaufhaltsam davon.

„Von meinen Stammspielern erwarte ich schon, dass sie mehr Druck auf die Abwehr ausüben und sich auch ohne Ball besser bewegen. Auf der linken Seite hatten wir große Probleme“, meinte Dusko Bilanovic. Das galt auch umgekehrt gegen die Königsposition der Gäste, für die Pouya Norouzinezhad in der Schlussphase nach Belieben traf. TSV-Keeper Martin Juzbasic bekam keine Hand mehr an den Ball, aber auch weil gegen den Halblinken die Abwehr nicht funktionierte. Auch dort machte sich der Ausfall von Ian Hüter stark bemerkbar. „Da zeigt sich noch mal deutlich, was Ian leistet und wie wichtig er für uns ist“, betonte Bilanovic. In der Hinsicht könnte allerdings auch ein Benjamin Richter nicht helfen, denn Abwehrarbeit gehört nun mal nicht zu seinen Stärken.