Erstes Bundesliga-Spitzenspiel für TSV seit fünf Jahren: Doch Favorit sind die routinierten Gäste

Erstes Bundesliga-Spitzenspiel für TSV seit fünf Jahren: Doch Favorit sind die routinierten Gäste

Von Volker Koch

Von Volker Koch

Vierter gegen Erster: Die Partie TSV Bayer Dormagen gegen MSG Melsungen/Böddiger am Freitag ab 20 Uhr im Bayer-Sportcenter besitzt echten Spitzenspielcharakter. Entsprechend ist der Andrang: Über 1200 Karten sind schon verkauft. So frei wie hier gegen Tuspo Obernburg dürfte Nils Meyer heute Abend im Spitzenspiel gegen die MSG Melsungen/Böddiger nur selten zum Zuge kommen. Denn die Gäste verfügen über eine der besten Abwehrreihen der Zweiten Liga Süd. -->

Handball-Spitzenspiele hat es lange nicht mehr gegeben im Schatten des Bayer-Kreuzes. In der Ersten Liga dümpelte der TSV Bayer Dormagen ab der Saison 1994/95 (6.) in der Abstiegszone herum. In der Regionalliga-Spielzeit 2001/2002 war er zu überlegen. Und im Vorjahr, nach dem Wiederaufstieg in die Zweite Liga, blieb die Mannschaft hinter den Erwartungen eines einstelligen Tabellenplatzes zurück.

Man muss deshalb schon bis zur Spielzeit 1998/99 zurückgehen, als sich der TSV einen packenden Zweikampf mit dem TV Willstätt um den (Wieder-)Aufstieg in die Erste Liga lieferte. Freitag Abend - Anwurf 20 Uhr im TSV-Bayer-Sportcenter, die Tageskasse öffnet bereits um 17.30 Uhr - ist es endlich wieder soweit: Bayer als Vierter mit 10:2 Punkten erwartet die MSG Melsungen/Böddiger, die als Tabellenführer mit 11:1 Zählern allein noch ungeschlagen ist in der Zweiten Liga Süd.

Ein echtes Spitzenspiel also, das sehen auch die Fans: Mehr als 1200 Karten (inklusive Dauerkarten) waren am Donnerstag schon verkauft. Weil das TSV-Bayer-Sportcenter aber mindestens noch einmal so vielen Zuschauern Platz bietet, öffnet die Abendkasse heute bereits um 17.30 Uhr. Es lohnt sich, steht doch der Vergleich "junge Wilde" gegen Routiniers auf dem Programm. Denn die Routine ist das große Plus der Nordhessen, die im dritten Jahr von Hrvoje Horvat trainiert werden.

Bis auf den vor einem Jahr aus Lemgo gekommenen Spielmacher Alexander Koke (24), den vor dieser Saison aus Gummersbach gewechselten Rechtsaußen Sead Kurtagic (wird in einer Woche 25) und den Halblinken Christian Löffler (25) sind die Leistungsträger alle älter als dreißig Jahre: Torhüter Harald Birk (30), die Linkshänder Predag Kontic (33) und Vladimir Suma, zu dieser Saison aus Solingen gekommen (32), die Kreisläufer Harald Beilschmied, der am Dienstag bereits 35 Jahre alt wird, und Markus Pregler (31) sowie Linksaußen Andre Sperl (33) - ein Schnitt, der, nebenbei bemerkt, die Frage nach der Perspektive des Teams aufwirft.

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Doch das soll nicht die Sorge der Dormagener sein. Die haben nämlich ohnehin zwei: Martin Baekhoej fehlte die ganze Woche wegen einer starken Erkältung im Training. Und ob Tobias Plaz nach seinem Muskelfaserriss wieder einsatzfähig ist, entscheidet sich wohl erst kurzfristig.

Vor allem ein Fehlen Baekhoejs (oder ein zu erwartender Kräfteschwund bei dem Dänen) würde Dormagens Abwehr empfindlich treffen, denn: "Zu ihm habe ich keine adäquate Alternative", sagt Trainer Kai Wandschneider. Der deshalb auch die Gäste als favorisiert einstuft: "Die sind nämlich auf jeder Position gleich zweifach stark besetzt. Außerdem sind sie viel routinierter als wir. Und in der Abwehrformation ist im Schnitt jeder Spieler zehn Zentimeter größer und zehn Kilo schwerer als unsere."

Diesem Ungleichgewicht wollen die Dormagener die Tugenden entgegensetzen, die ihnen zuletzt fünf Siege in Folge bescherten: Eine aggressive 3-2-1-Deckung - die Gäste bevorzugen übrigens das gleiche System - und viel Disziplin im Angriff: "Wir müssen so diszipliniert spielen wie in Düsseldorf", darin sind sich Wandschneider und sein Linkshänder Michael Kopeinigg einig.

Der spielte vor seinem Wechsel ins Bayer-Trikot vier Jahre lang in dem der Gäste, was bei dem österreichischen Nationalspieler leicht in eine Übermotivation ausarten könnte - zumal ihn Horvat in der vergangenen Saison weitgehend unberücksichtigt ließ. "Dass ich nicht gespielt habe, lag nicht an meiner Leistung", versichert Kopeinigg.

Dass Übermotivation, vor allem gegen die ehemalige Mannschaft, nicht immer förderlich sein muss, zeigte zuletzt das Beispiel von Oliver Schulz gegen Tuspo Obernburg. Das weiß auch Wandschneider. Um so mehr hofft er, mit Tobias Plaz seinen dritten Linkshänder am Freitag zumindest als Alternative auf der Bank zu haben. Und er hofft auf den Trend: "Wir haben einen Lauf, den wollen wir nutzen."

(NGZ)
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