Elephants Grevenbroich überragendes Team in Regionalliga: "Diese Saison wird keiner vergessen"

Elephants Grevenbroich überragendes Team in Regionalliga: "Diese Saison wird keiner vergessen"

Nur damit es auch ja keiner vergisst. "Vor zwei Jahren", erinnert Raphael Wilder, "da stand der Verein in der Zweiten Regionalliga auf Platz drei, heute ist er die Nummer eins im Westdeutschen Basketball-Verband". Aus dem Trainer der Elephants Grevenbroich, frischgebackener Meister der Regionalliga und Aufsteiger in die Zweite Bundesliga, spricht der pure Stolz - auf einen Basketball-Verein, der besonders in dieser Saison wahrlich Beeindruckendes geleistet hat. Das Meisterteam der Elephants Grevenbroich in der Regionalliga, oben von links: Anton Dornhof, Sven Klesper, Martin Trefzger, John Bynum und Trainer Raphael Wilder. Unten von links: Mathias Gierth, Matthias Wojdyla, Sergej Dornhof, Whitney Harris, Haldun Özaslan und Elmar Reder. Es fehlen: Jens Ziehmann und Timor Anlasik. NGZ-Foto: H. Jazyk

Nur damit es auch ja keiner vergisst. "Vor zwei Jahren", erinnert Raphael Wilder, "da stand der Verein in der Zweiten Regionalliga auf Platz drei, heute ist er die Nummer eins im Westdeutschen Basketball-Verband". Aus dem Trainer der Elephants Grevenbroich, frischgebackener Meister der Regionalliga und Aufsteiger in die Zweite Bundesliga, spricht der pure Stolz - auf einen Basketball-Verein, der besonders in dieser Saison wahrlich Beeindruckendes geleistet hat. Das Meisterteam der Elephants Grevenbroich in der Regionalliga, oben von links: Anton Dornhof, Sven Klesper, Martin Trefzger, John Bynum und Trainer Raphael Wilder. Unten von links: Mathias Gierth, Matthias Wojdyla, Sergej Dornhof, Whitney Harris, Haldun Özaslan und Elmar Reder. Es fehlen: Jens Ziehmann und Timor Anlasik. NGZ-Foto: H. Jazyk

In seiner zweiten Spielzeit im WBV-Oberhaus war das Team eine Klasse für sich, musste sich bislang nur zwei Mal geschlagen geben und holte sich am vergangenen Wochenende, zwei Runden vor Saisonschluss, durch einen 81:77-Erfolg in Wetter den Titel. "Nicht mit Glück", das ist Wilder wichtig.

Die forschen Elephants verbreiteten in der Liga vor allem mit ihrer knallharten Verteidigung, "damit haben wir fast alle Mannschaften demoralisiert" (Wilder), Angst und Schrecken. Zwar lief's auch vorne prächtig - im Durchschnitt schlichen die Konkurrenten mit Niederlagen von mehr als 20 Punkten vom Feld -, doch für Wilder besitzt nach wie vor der alte Spruch aus dem Mutterland des Basketballs Gültigkeit: "Offense wins games, defense wins championships", der Angriff gewinnt Spiele, die Verteidigung Meisterschaften.

Dazu verfügte der Meister nicht nur über die mit Abstand beste Bank - weniger eingesetzte Akteure wie Haldun Özaslan, Elmar Reder oder Anton Dornhof gehörten in fast jeder anderen Mannschaft sicher zur Startformation -, sondern beschäftigt auf den Schlüsselpositionen auch zwei Ausländer der Extraklasse. Wilder: "John Bynum ist der beste Aufbauspieler der Liga, Whitney Harris der beste Center."

Trotzdem hätte es der Coach nie und nimmer für möglich gehalten, "dass wir so einen Durchmarsch machen". Immerhin fiel mit Sven Klesper (Ermüdungsbruch im Fuß) eine Korsettstange gleich für Monate aus, hatten auch Bynum, Harris und Trefzger mit Verletzungen zu kämpfen. Doch die Elephants, angetrieben vom wohl besten Publikum der Liga, verzagten nie, steckten selbst die Niederlagen gegen Krefeld und Dortmund locker weg.

Im Gedächtnis haften bleiben aber in erster Linie zwei Spiele: Der 96:95-Sieg im Rückspiel bei den mit vier Amerikanern und einem Niederländer angetretenen Krefeld Panthers (Wilder: "Da wusste ich, dass wir den Aufstieg schaffen würden.") und der entscheidende 81:77-Erfolg bei der TGH Wetter, als Grevenbroich eine schon verloren geglaubte Partie (30:48- Rückstand zur Pause) noch herumdrehte.

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Wilder: "An diese Saison werden wir uns noch lange, lange erinnern. Keiner von uns wird noch mal ein solches Jahr mitmachen - jedenfalls nicht in einer so bedeutenden Liga." Denn auf den Aufsteiger wartet ein echtes Abenteuer. "In der 2. Liga sind wir ein Nobody, und so werden wir auch behandelt werden", weiß Wilder und stellt gleich mal klar: "Wenn es der Verein schafft, den Aufstieg zu realisieren, werden wir eine ganz kleine Rolle spielen. Unser Ziel kann nur der Nichtabstieg sein, wer etwas anderes sagt, dem spreche ich die Kompetenz ab."

Ungläubigen empfiehlt er einen Blick auf die letzten Ergebnisse: Der Tabellenzweite aus Schwelm fertigte das Schlusslicht UBC Münster mit 112:64 ab, der Dritte BSG Bremerhaven den Neunten TV Rhöndorf mit 84:57. Die Festtage im "Elephants-Dome" in Gustorf könnten rar gesät sein. ETB SW Essen zum Beispiel, ebenso wie Wolfenbüttel, Braunschweig oder Münster ein potentieller Kontrahent im Abstiegskampf, hat gerade mal fünf Partien gewonnen, "davon nur eine zu Hause", hat Wilder ermittelt.

ART Düsseldorf, Neuwerk und Iserlohn, die Aufsteiger der vergangenen Saison sind mittlerweile außer Reichweite der Elephants. Iserlohn etwa verstärkte sich mit drei ehemaligen Bundesliga-Profis und leistet sich mit dem erfahrenen Chris Rojik, so Wilder, "einen sehr teuren Ausländer. Allein für diese Vier brauchst du einen höheren Etat als den unseren".

Spitzenteams wie Bremerhaven verplanten pro Spielzeit weit über 500.000 Euro. Summen, von denen die Verantwortlichen in der Schloss-Stadt nur träumen können. Die wären schon froh, könnten sie ihre aktuelle Mannschaft zusammenhalten, zum einen, weil für spektakuläre Neuverpflichtungen ohnehin das Geld fehlt, zum anderen weil sich das Publikum auch im Bundesliga-Unterhaus mit seinen Elephants identifizieren soll.

Finanzielle Drahtseilakte sind nicht drin. Wilder: "Der Gesamtverein geht vor, dessen Wohl darf man auf keinen Fall gefährden." Zu befürchten ist, dass sich der Aufsteiger personell zunächst eher verschlechtern wird. Konkrete Gespräche habe es zwar noch keine gegeben, sagt Wilder, aber da in der 2. Liga nur ein Nicht-EU-Ausländer pro Mannschaft erlaubt ist, geht er davon aus, "dass ich mich im Mai entweder für John Bynum oder Whitney Harris entscheiden muss".

Die Aussichten, Harris mit einer doppelten Staatsbürgerschaft auszustatten (ist im Basketball möglich) beurteilt er zurückhaltend. "Das ist allein seine Sache und ist, soweit ich weiß, auch frühestens in einem Jahr möglich." Unabhängig davon steht für ihn fest: "Wir werden viel, viel Lehrgeld bezahlen müssen. Und für den Klassenerhalt gibt es keine Garantie."

(NGZ)
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