Sportlerehrung der Stadt Neuss Ein Abend der klaren Worte

Neuss · Der ausgezeichnete Schwimmtrainer des NSV nahm kein Blatt vor den Mund. Würde des Stadtbad geschlossen, „wäre das eine Katastrophe“.

Bürgermeister Reiner Breuer (l.) und der Sportausschuss-Vorsitzende Jörg Geerlings (r.) nehmen die als „Mannschaft des Jahres“ ausgezeichneten Ringer des KSK Konkordia Neuss in die Mitte.

Bürgermeister Reiner Breuer (l.) und der Sportausschuss-Vorsitzende Jörg Geerlings (r.) nehmen die als „Mannschaft des Jahres“ ausgezeichneten Ringer des KSK Konkordia Neuss in die Mitte.

Foto: Andreas Woitschützke

Francisco Frederico ist kein Lautsprecher. Wer es nicht besser weiß, könnte den „in würdiger Anerkennung seiner Verdienste“ mit der Sportehrengabe der Stadt Neuss ausgezeichneten Trainer des Neusser Schwimmvereins sogar als ein wenig spröde empfinden. Doch der erste Eindruck täuscht. Der Portugiese lässt lieber Taten sprechen. Unter seiner Regie hat sich der in der Quiruinusstadt etablierte Landesleistungsstützpunkt in den vergangenen zehn Jahren zu einem der erfolgreichsten Standorte in Nordrhein-Westfalen entwickelt. Alleine im abgelaufenen Jahr gewannen seine Schützlinge 16 Medaillen bei Deutschen Meisterschaften. Höhepunkt seiner segensreichen Arbeit war sicherlich der Titelgewinn von Tobias van Aggelen über 200m-Freistil bei der Kurzbahn-DM in Wuppertal.

Für ihn freilich nur eine Etappe auf dem Weg nach ganz oben. „Er ist sehr ehrgeizig“, bestätigt NSV-Vorsitzender Siegfried Willecke. Und der 38-Jährige weiß seine Meinung zu vertreten. Die vom Haushaltsdefizit getriebene Diskussion um eine Schließung des Neusser Stadtbads macht in traurig. „Das wäre eine Katastrophe!“ Bürgermeister Reiner Breuer sprach in diesem Zusammenhang immerhin von seinem Ziel, „in Neuss kein Bad zu schließen, ohne auch ein adäquates Angebot zu haben.“ Sparen mit Augenmaß sei die Devise, sagt er. Fürs Erste wäre Frederico, dem es während des coronabedingten Lockdowns gelungen war, seine Schwimmer und Schwimmerinnen bei der Stange zu halten, schon zufrieden, „wenn die Wassertemperatur wieder etwas erhöht werden könnte – vor allem bei den Kleinen werden wir sonst in fünf, sechs Jahren ein Problem haben.“

Bürgermeister Reiner Breuer überreicht einen Blumenstrauß an Francisco und Daniela Frederico, neugierig beäugt von ihren Söhnen Philipp (l.) und Thomas.    

Bürgermeister Reiner Breuer überreicht einen Blumenstrauß an Francisco und Daniela Frederico, neugierig beäugt von ihren Söhnen Philipp (l.) und Thomas.    

Foto: Andreas Woitschützke

Leicht in Not geraten können hätte auf der kleinen Bühne der in den UCI Kinokomplex integrierten Hafenbar auch Deni Nakaev. Der U20-Weltmeister musste nämlich im Gespräch mit dem als Laudator fungierenden Vorsitzenden des Sportausschusses, Jörg Geerlings, auf viele seiner Teamkollegen aus dem Meisterteam des KSK Konkordia Neuss verzichten. Die mit ihm nach der Rückkehr ins deutsche Oberhaus zu Recht als „Mannschaft des Jahres“ ausgezeichneten Top-Ringer Ayub Musaev (Belgien), Simone Piroddu (Italien), Vasile Diacon (Moldawien), Magomedmurad Gadzhiev (Dagestan) sowie Arslanbek und Mairbek Salimov (Polen) bereiten sich nämlich in ihren Heimatländern auf die anstehenden Einzelmeisterschaften vor.

Für Nakaev, der gemeinsam mit den Bellscheidt-Brüdern sowie dem noch jüngeren Ivan Seibel – auch dank der herausragenden Arbeit des Trainerteams um Oleg Dubov – für die Zukunft des Vereins aus der Nordstadt steht, indes kein Grund zum Kleinmut. Trotz zum Teil „verlockender Angebote“ der oftmals zahlungskräftigeren Erstliga-Konkurrenz, sieht er seine Zukunft grundsätzlich in Neuss. Aber seine Ambitionen mit dem KSK sind hoch: „In der nächsten Saison der Klassenerhalt, dann die Playoffs und irgendwann mal Deutscher Meister.“

Ilka Voges hat es mit der von ihr seit 2009 trainierten Synchroneiskunstlauf-Formation des Neusser Schlittschuh-Klubs immerhin zur nationalen Vizemeisterschaft gebracht. „Trotzdem kennt unseren Sport in Deutschland so gut wie keiner“, stellt sie nüchtern fest. Das könnte sich ändern: Die nächsten Deutschen SYS-Meisterschaften finden vom 10. bis 12. Februar im Rahmen des ISU Synchron-Wettbewerbs „Cup of Neuss“ in der Südparkhalle statt. Für die sei vielen Jahren als sympathische und ausgesprochen leistungsstarke Botschafter für die Special-Olympics-Bewegung tätigen „Handicaps“ des TC GW Neuss, des Neusser Tennisclubs Stadtwald und der Gemeinnützigen Werkstätten Neuss (GWN) werden bei ihrem Highlight, den Weltspielen für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung vom 17. bis 25. Juni in Berlin, nicht vertreten sein. Für Achim Schell, Inklusionsbeauftragter des Stadtsportverbandes Neuss, gibt es indes kein „lohnenderes Arbeitsfeld. Noch sind wir nicht ganz angekommen, aber wir befinden uns auf dem Weg in die Mitte der Vereine.“

Seine Mitte längst gefunden haben dürfte Zauberkünstler David Lavé, der im Ehrungsmarathon gemeinsam mit Moderator Marc Pesch für kurzweilige Unterhaltung sorgte.

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