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Lokalsport: Die Sieger im "toten Rennen" treffen sich in Neuss

Lokalsport : Die Sieger im "toten Rennen" treffen sich in Neuss

Einst traten Peter Brauer und Christian von der Recke gegeneinander an, jetzt wollen sie mit Birthday Guest gewinnen.

Während in vielen Sportarten über die Weihnachtsfeiertage der Wettbewerbsbetrieb ruht, geht es im Galopp-und Trabrennsport selbst am Heiligabend unverdrossen weiter um Sieg und Platz.

Das allerdings nicht in Deutschland, sondern im Nachbarland Frankreich, wo heute ab 10.45 Uhr in Deauville zwölf Rennen gestartet werden und auch am ersten Weihnachtstag acht Rennen geplant sind. Weil die Rennpreise dort erheblich höher sind als in Deutschland, laufen dort 16 Pferde aus deutschen Rennställen. Im Grunde fehlen diese Pferde den beiden deutschen Winter-Veranstaltern in Neuss und Dortmund. Das trifft allerdings auch für die Rennen in der Sommersaison zu mit stark steigender Tendenz.

Beim Renntag am zweiten Weihnachtstag ab 14 Uhr in Neuss liegen die Rennpreise für die Sieger zwischen 1000 bis 2600 Euro. In Deauville sind das die Prämien für die hinteren Plätze. Allerdings sind diese Rennen deutlich schwerer zu gewinnen als solche am 26. Dezember in Neuss. Weite Anreisen sind auch an diesem Tag üblich. Allein aus dem Saarland kommt ein gutes Dutzend Pferde angereist, der Trainer Uwe Schwinn aus Beckingen hat fünf Pferde im Aufgebot.

Die Menschen in diesem Sport sind extrem leidensfähig. Es geht ihnen vordringlich um den Erfolg und so war es nicht einmal erstaunlich, dass in den frühen 90er Jahren ein Pferdetransporter von den Silvester-Rennen in Neuss nach Leipzig auf einem Parkplatz in der Nähe der Wartburg anhielt und die Begleiter der Pferde dort den Jahreswechsel erlebten. Das wichtigste waren Erfolge bei den Rennen in Neuss gewesen.

Für den Sieg gibt es auch im Galopprennsport keinen Ersatz. Manchmal, wenn auch selten, sind es nur halbe Siege. Im Fachjargon wird dann von einem "toten Rennen" gesprochen, wenn auch die Vergrößerung der Zielfotos keinen Sieger erkennen lässt. Ein solcher Fall hat sich am 19. Juli 1978 im Preis vom Südpark in Neuss ereignet. Vor 34 Jahren standen die damals 24-jährigen Amateur-Reiter Peter Brauer und Christian von der Recke bei der Siegerehrung, weil von der Recke im Sattel der Stute Liara nie aufgab und dem schon sicher enteilten Standard mit Peter Brauer auf der Ziellinie den alleinigen Sieg noch entriss. Peter Brauer und vor allem den Standard-Trainer Theo Grieper hat das unfassbar geärgert.

Beim Weihnachtsrenntag in Neuss treffen sich die Reiter von 1978 in völlig anderen Rollen wieder. Peter Brauer ist der Besitzer des dreijährigen Hengstes Birthday Guest, den Andrasch Starke reitet und den Christian von der Recke trainiert. Die Herren sind Mitte fünfzig und dem Galopprennsport nach dem Preis vom Südpark 1978 stets verbunden geblieben. Christian von der Recke als hocherfolgreicher Trainer und Brauer jahrelang als omnipräsenter Pressesprecher des Dachverbandes und großer Meetings-Veranstalter. Aktuell betreibt er mit der ehemaligen Röttgener Gestütsleiterin Beatrix Mülhens-Klemm eine weltweit agierende Vollblut-Agentur. Brauer: "Das zählt alles nicht. Wir wollen in Neuss gewinnen."

(kgoe)