Spurt in den Mai: Die Radfahrer stören nicht einmal

Spurt in den Mai : Die Radfahrer stören nicht einmal

Der "Spurt in den Mai" ist mehr als nur Sportereignis, das Radrennen im Sportforum Büttgen ist zum gesellschaftlichen Treffpunkt geworden - wobei die Fahrer um die Sieger Theo Reinhardt und Leif Lampater keineswegs nur Staffage sind.

Wenn der Weltmeister gewinnt, haben eigentlich alle alles richtig gemacht. Wobei Andreas Beikirch, der selbst 15 Mal den "Spurt in den Mai" gewonnen hat und seit dem Ende seiner Laufbahn vor zehn Jahren die Ex-Kollegen und deren Nachfolger für das Traditionsrennen im Sportforum an der Olympiastraße verpflichtet, Wert auf die Feststellung legt: "Das hat nichts mit Stallregie zu tun. Der Beste gewinnt eben."

Und der Beste, das war an diesem Vorabend zum 1. Mai eindeutig Theo Reinhardt. Dem Weltmeister im Zweier-Mannschaftsfahren - sein Partner Leif Lampater hatte seinen ersten von nun drei Siegen in Büttgen 2006 an der Seite von Andreas Beikirch gefeiert - hatte die alles andere als schwache Konkurrenz nichts Adäquates entgegen zu setzen: "Der Weltmeister war einfach schneller", nahm der entthronte Titelverteidiger Nils Schomber die Niederlage sportlich.

Dabei hatten der Neusser und sein Teamkollege Henning Bommel als die eine Hälfte des deutschen Bahnvierers die "Große Jagd", den letzten von fünf Wettbewerben im Omnium der Asse, mit einem schnellen Rundengewinn eröffnet. Doch die Konkurrenz, angeführt vom Duo Reinhardt/Lampater, zog (zu) schnell nach. Und der Mann im eigens für diesen Anlass angefertigten Regenbogentrikot hielt das Tempo so hoch, dass keinem mehr ein Rundengewinn gelang.

Dieser Taktik fielen als erste die niederländischen Sechstage-Spezialisten Nick Stöpler und Melvin van Zijl zum Opfer, die den Wettbewerb bis dahin dominiert hatten. Und am Ende legten Lampater (35) und der acht Jahre jüngere Reinhardt mal eben eine halbe Runde zwischen sich und den von Schomber/Bommel angeführten Rest des Feldes. "Das hat Spaß gemacht, auch wenn die Konkurrenz hart war", resümierte der siegreiche Weltmeister seinen ersten Auftritt auf dem 250 Meter langen Holzoval, der nicht sein letzter bleiben soll: "Nächstes Jahr komme ich gerne wieder."

Friedhelm Kirchhartz hofft, dass Theo Reinhardt nicht der einzige ist, der das Sportforum an der Olympiastraße mit solchen Gedanken verlassen hat. "Mit dem Publikumszuspruch sind wir sehr zufrieden", stellte der Gesamtleiter der beiden Büttgener Radsporttage fest und hatte dabei sowohl den Innenraum als auch die beiden Tribünen im Blick, von denen die auf der Zielseite sehr gut gefüllt war. Um "auch die andere voll zu bekommen, müssen wir noch ein paar Anstrengungen unternehmen", sagt Kirchhartz und denkt dabei vor allem an die Schützenzüge aus seinem Heimatdorf.

Der Umsatz an der Kasse jedenfalls war gut, der am Getränkestand noch besser, wo sich Radsport-Abteilungsleiter Lars Witte Sorgen machte, "ob das Bier noch reicht." Das hatte auch etwas damit zu tun, dass der "Spurt in den Mai" nicht nur Weltklasse-Sport (für Insider) bietet, sondern längst zum gesellschaftlichen Treffpunkt geworden ist: von Fußball-Weltmeister Berti Vogts über die Radsport-Legenden Markus Fothen und Günther Schumacher, der nach dem Verkauf seines Fahrradgeschäftes sichtlich den Ruhestand genießt, bis zu Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz und der Kaarster Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus. Die schwelgt immer noch in Erinnerungen an die letztjährige Durchfahrt der Tour de France: "Die ist nicht zu toppen, aber das hier kommt dem schon sehr nahe."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Berti Vogts beim Spurt in den Mai

(NGZ)
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