Jüchen : Die Meistersäule von Gierath

Hans-Jürgen Weinacht ist Fan des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund. Nachdem sich die Westfalen die Deutsche Meisterschaft gesichert haben, schenkte ihm seine Frau eine selbst getöpferte Meisterstele für den Garten.

Sie ist 1,90 Meter hoch, es steht "Deutscher Meister 2011" darauf und einem Schalke-Fan muss ihr Anblick in der Seele wehtun: die Borussia-Dortmund-Meisterstele im Vorgarten von Hans-Jürgen Weinacht. Getöpfert wurde sie von Weinachts' Frau Karoline (46). Ihr Gatte ist seit seiner Jugend glühender Fußballfan — und Anhänger von Borussia Dortmund. Als der Verein am vergangenen Wochenende den Gewinn der Deutschen Meisterschaft perfekt machte, war Weinacht mit Sohn Johannes (22) im Stadion. Bei seiner Rückkehr stand die Stele im Garten. Als Geschenk und Überraschung seiner Frau.

Damit trug sie einen großen Teil dazu bei, dass es für Hans-Jürgen Weinacht ein unvergesslicher Samstag bleibt. "Alleine bei diesem Spiel im Stadion zu sein, war schon großartig. Gänsehaut-Atmosphäre", sagt der Gierather. Erst eine Stunde nach Abpfiff entschieden sich sein Sohn und er zur Heimreise, und das auch nur weil dort der Königsehrenabend des Bürgerschützenvereins anstand. Beim Weg zum Festzelt fiel vielen Schützen die Stele im Garten auf. "Vor allem die Gladbacher haben natürlich den ein oder anderen Spruch losgelassen. Für sie halte ich ja zur falschen Borussia", sagt Hans-Jürgen Weinacht. Doch er lässt keinen Zweifel daran, dass er das natürlich ganz anders sieht.

Mit den Gladbach-Fans aus seinem "Jungmarinezug '74" hat er dennoch eine Vereinbarung getroffen: Sollten die Gladbacher den Klassenerhalt schaffen, dann wird es eine gemeinsame Party geben. "Wir feiern dann Liga-Verbleib und Meisterschaft zusammen", sagt Weinacht. Dennoch ist es so eine Sache, warum er, der in Gierath aufwuchs, zum Dortmund-Fan wurde. "Ich hätte es mir einfach machen können. Der Bökelberg war ja in der Nähe." Aber so funktioniert das beim Fußball nicht.

Der britische Bestsellerautor Nick Hornby hat in seinem Fußball-Roman "Fever Pitch" einst die These aufgestellt, dass sich ein Fan niemals einen Verein aussucht, sondern sich der Verein wie ein Blitz die Liebe des Fans sichert. "Wo die Liebe hinfällt", sagt Hans-Jürgen Weinacht. So ist das beim Fußball.

An den Tag, an dem sein Herz von Borussia Dortmund erobert wurde, erinnert er sich noch genau. "Es war während der Europapokalspiele 1965. Da hat mich die Leidenschaft gepackt", sagt der Fachhochschuldozent für Versicherungs-, Beitrags- und Rentenrecht. Kürzlich hat er ein Idol seiner Jugend getroffen: Dieter "Hoppy" Kurrat, der von 1956 bis 1974 für Borussia Dortmund spielte und heute eine Gaststätte in Holzwickede betreibt.

(NGZ)