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Lokalsport: Die Kilometerfresser vom Ruderverein

Lokalsport : Die Kilometerfresser vom Ruderverein

Neusser Ruderer stellten im vergangenen Jahr mit 229.920 Kilometern neuen Rekord auf. Joachim Goetz bleibt Vorsitzender des NRV.

Der Mond, der heute Nacht in seiner vollen Pracht am Himmel steht, ist zu diesem Zeitpunkt genau 359.015 Kilometer von Neuss entfernt. Eine Distanz, für die die Aktiven des Neusser Rudervereins gerade mal anderthalb Jahre brauchen würden.

Foto: NHV

Denn im vergangenen Jahr legten sie genau 229.920 Kilometer auf deutschen und internationalen Gewässern zurück. Damit "haben wir in unserer Vereinsgeschichte einen neuen Rekord aufgestellt," sagt Joachim Goetz. Er steht seit 1996 an der Spitze NRV, der mit 613 Mitgliedern der größte Ruderverein in Nordrhein-Westfalen und einer der mitgliederstärksten im Deutschen Ruderverband ist. Von Amtsmüdigkeit ist bei dem 64-Jährigen nichts zu spüren - auf der Mitgliederversammlung am Freitagabend, der 104. seit der Vereinsgründung im Jahre 1914, stellte er sich erneut zur Wiederwahl und wurde - wenig überraschend - für weitere zwei Jahre in seinem Amt bestätigt.

Foto: NHV

Goetz führt einen im Leistungs- und Breitensport gleichermaßen aktiven Verein. "Im Leistungssport haben wir mit 37 Aktiven in Haupt-, Jugend- und Kinderklasse eine recht große Trainingsmannschaft", sagt der Vorsitzende, "deren Erfolge sich sehen lassen können." Dem will Cheftrainer Christian Stoffels nicht widersprechen: "Trotz des Ausfalls mehrerer Leistungsträger" - allen voran Olympiahoffnung Alexandra Höffgen, die wegen eines Bandscheibenvorfalls eine mehrmonatige Pause einlegen musste - "war die Regattasaison 2017 ausgesprochen erfolgreich." Immerhin brachten seine Schützlinge von 36 Regatten 82 Klassensiege mit.

Auch ihre (Trainings-) Kilometer flossen in das Gesamtergebnis des NRV ein. Mit den 229.920 Kilometern wurde der bisherige Rekord aus dem Jahre 2016 noch einmal um 16.900 Kilometer übertroffen - schon mit der bisherigen Bestmarke waren die Neusser die Nummer eins in Deutschland. "Zumindest im Sommerhalbjahr wird bei uns praktisch an jedem Wochentag gerudert, sei es auf dem Rhein, im Neusser Hafen oder auf dem Sandhofsee", sagt Ruderwart Helmut Hoppe, "eine solche Vielfalt von Rudermöglichkeiten hat kaum ein anderer Ruderverein vorzuweisen." Mit zum Rekordergebnis trägt auch bei, "dass viele neue Mitglieder mit sehr großem Einsatz das Rudern begonnen haben und jetzt schon über 1000 oder 2000 Kilometer rudern", sagt Hoppe.

Über dieses Stadium ist Paul Peiffer längst hinaus. Der 77-Jährige gehört dem NRV seit 1955 an. Und er ist einer der fleißigsten Wanderruderer in einer fleißigen Abteilung. Das brachte ihm jetzt den "Äquatorpreis" des Deutschen Ruderverbandes ein. Mit dem werden Ruderer ausgezeichnet, die auf ihren genauestens dokumentierten Fahrten 40.077 Kilometer und mehr zurückgelegt haben - was exakt der Länge des Äquators entspricht. Bei Paul Peiffer waren es 42.450 - nicht gerechnet die Kilometer, die er vor und nach dem Rudern mit dem Fahrrad vom Dreikönigenviertel zum Bootshaus an der Grimlinghauserbrücke und zurück fährt.

Paul Peiffer ist der 13. Äquatorpreisträger aus den Reihen des Neusser RV. Der seit Jahren in Christoph Stephan Deutschlands "Kilometerfresser" Nummer eins in seinen Reihen hat. Der 66-Jährige ist inzwischen bei rund 600.000 Kilometern angelangt, allein im vergangenen Jahr legte er 17.306 Kilometer im Boot zurück und hatte damit ebenso wie die zweifache Äquator-Preisträgerin Heide Barth (7.754 Kilometer in 2017) großen Anteil an den insgesamt 96.440 Wanderkilometern der Neusser.

Die auch in diesem Jahr einiges vorhaben. So soll im Sommer die Donau zwischen Ingolstadt und Wien unter den Kiel genommen werden. Und gemeinsam mit dem RC Witten und dem Bochumer RV ist im Juli eine Wanderfahrt auf der Themse geplant, bei der auch der berühmten Henley-Regatta ein Besuch abgestattet werden soll. Und gäbe es eine Wasserstraße zum Mond, die Neusser wären bestimmt auch dabei.

(NGZ)