Handball : Die große Florian-Kehrmann-Show

750 Zuschauer im Büttgener Sportforum kamen voll auf ihre Kosten beim Gastspiel des TBV Lemgo. Der Handball-Bundesligist zog beim 60:19-Sieg über die HG Kaarst-Büttgen alle Register seines Könnens. Florian Kehrmann genoss sein "Heimspiel" in vollen Zügen und ging am Ende sogar ins Tor

Marlies Kehrmann brachte die sechzig Minuten in ihrer unnachahmlichen Art auf den Punkt: "Die spielen halt ein bisschen schneller als unsere Jungs." Das "bisschen schneller" bescherte dem TBV Lemgo einen rekordverdächtigen 60:19-Sieg (Halbzeit 29:7) über die HG Kaarst-Büttgen.

Und es bescherte den 750 Zuschauern im Sportforum an der Olympiastraße einen unterhaltsamen Abend, nicht nur, als kurz vor der Halbzeitpause Gunnar Dietrich einen seiner insgesamt vier Treffer für die Gäste per Handstandüberschlag erzielte. "War doch ein schönes Spiel mit einer prima Kulisse. Das hat doch gezeigt, dass Bundesligahandball bei uns im Rhein-Kreis Neuss eine gute Heimat hat", befand Jürgen Steinmetz, Allgemeiner Vertreter des Landrats, und sprach damit den meisten Zuschauern aus dem Herzen.

Wie gut ihnen die zwar einseitige, deshalb aber nie langweilige Demonstration handballerischen Könnens durch den letztjährigen Tabellensiebten der "stärksten Liga der Welt" gefallen hatte, zeigten die letzten beiden Spielminuten: Da spendeten alle 750 den Akteuren beider Teams stehend Beifall.

Den sich die knapp vierzig eingesetzten Spieler redlich verdient hatten: Die Lemgoer, weil sie gemäß der Devise ihres Trainers Dirk Beuchler ("das Wichtigste heute Abend ist der Spaß") kein bisschen arrogant auftraten. Und die Büttgener, die sich mit ein paar Ehemaligen (Alex und Thorsten Spoo vom Drittliga-Aufsteiger Adler Königshof, Philip Schneider vom Oberligisten Neusser HV) verstärkt hatten, weil sie trotz der auch körperlichen Übermacht der Gäste nie aufsteckten und in der zweiten Halbzeit noch ein paar Treffer mehr erzielten als im ersten Durchgang.

Das lag keineswegs daran, dass in der Schlussphase Florian Kehrmann die Position zwischen den Lemgoer Torpfosten einnahm, bevor sich der Weltmeister von 2007 ganz dem Autogrammeschreiben hingab. "Solche Spiele sind das einzige, was in der Saisonvorbereitung Spaß macht", meinte der 35-Jährige, der von 1983 bis 1994 das Trikot der HG Kaarst-Büttgen getragen hatte.

Fünf Tore, vornehmlich per Gegenstoß, steuerte der Linkshänder zu den sechzig Lemgoer Treffern bei. "Gegen Büttgen reicht die Schnelligkeit immer noch", flachste Kehrmann, der "in meinem Alter nicht mehr langfristig denkt. Ich plane nur noch von Saison zu Saison." Marlies Kehrmann bescherte er auf jeden Fall die kürzeste Anreise zu einem Auftritt ihres Sohnesin den vergangenen 18 Jahren. Nicht nur deshalb "hat der Flo alles möglich gemacht, damit wir heute hier sind", wusste Dirk Beuchler.

Inmitten des Trubels und der guten Laune kam jedoch auch Wehmut auf: Herbert Ahlert, "der zusammen mit seinem Freund Florian Kehrmann diesen Abend organisiert hat, wurde inmitten der Vorbereitungen aus dem Leben gerissen. Wir sind alle immer noch tief betroffen", sagte Franz-Josef Kallen. Der Präsident des VfR Büttgen bedauerte, "dass der Motor unseres Jubiläumsjahres diesen Abend nicht mehr erlebt hat". Beide Mannschaften trugen Trauerflor — und spielten doch mit Spaß.

(NGZ)