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Die Folgen des Corona-Virus für den Sport im Rhein-Kreis

Sport allgemein : Absagenflut und viele Fragezeichen

Voraussagen darüber zu treffen, was aus dem sportlichen Programm des Wochenendes (und der nächsten Wochen) tatsächlich stattfinden wird, ist derzeit nahezu unmöglich. Während einige Sportverbände oder Ligen den Wettkampfbetrieb eingestellt haben, warten andere ab oder verweisen auf die Entscheidungen örtlicher Behörden. Der Versuch eines Überblicks.

Hamza Touba wird ab Samstag um seine Olympia-Fahrkarte kämpfen. Der Boxer im Trikot der SG Kaarst hat das Glück, dass das europäische Qualifikationsturnier vom 14. bis 22. März in der Copper Box Arena in London ausgetragen wird – und in Großbritannien bisher (Stand Donnerstagnachmittag) noch keine Sportveranstaltungen wegen des neuartigen Corona-Virus abgesagt oder verlegt wurden.

In Deutschland und anderen europäischen Ländern sieht das anders aus. Die Ringer und Ringerinnen, unter ihnen Nina Hemmer und Laura Mertens vom AC Ückerath, müssen sich gedulden. Das europäische Qualifikationsturnier vom 19. bis 22 März in Budapest wurde ebenso verschoben wie das weltweite „Last Chance“-Turnier vom 30. April bis 3. Mai in Sofia. Wann sie nachgeholt werden, weiß keiner. Nachgeholt werden sollen sie aber auf jeden Fall: „Der Prozess zur Bestimmung unserer Olympia-Teilnehmer wird auf den Ringermatten stattfinden, aber wir müssen geduldig und wachsam bleiben, während die weltweite Gemeinschaft diese Pandemie bekämpft,“ sagt Nenad Lalovic, Präsident der United World Wrestling Association, des Weltverbandes der Ringer.

Andere Verbände gehen noch konsequenter vor. Der Vorstand des Deutschen Boxsport-Verbands (DBV) hat am Donnerstag einstimmig entschieden „ab sofort bis voraussichtlich zum 29. Juni den Sportbetrieb einzustellen,“ so DBV-Präsident Erich Dreke. Der Deutsche Fechterbund (DeFB) hatte bereits Anfang der Woche alle nationalen Ranglistenturniere und Meisterschaften abgesagt.

Dessen ungeachtet gab er am Dienstag das 38 Namen umfassende Aufgebot für die Kadetten und Junioren-Weltmeisterschaften bekannt, zu dem auch drei Säbelfechterinnen und drei Säbelfechter des TSV Bayer Dormagen gehören. Das Problem: Die WM soll vom 3. bis 11. April in Salt Lake City stattfinden, das aufgrund des aktuell mit einer Dauer von zunächst 30 Tagen verhängten Einreiseverbots in die USA für Teilnehmer aus europäischen Ländern nicht zu erreichen sein wird.

Wie es in Sachen WM weitergeht, steht noch nicht fest. Fest steht hingegen, dass alle Fechter, Trainer, Betreuer, Offizielle und Unterstützer ab sofort einen vom Fecht-Weltverband (FIE) „aktuell entwickelten Fragebogen zu Covic-19 ausgefüllt und ausgedruckt bei Wettkämpfen mit sich führen“ müssen.

Fest steht auch, dass am Wochenende nur sehr eingeschränkt Handball gespielt wird. Die Handball-Bundesliga hat „mit sofortiger Wirkung“ den Spielbetrieb in Erster und Zweiter Bundesliga ausgesetzt. Diese Regelung gilt „vorerst bis mindestens einschließlich 22. April diesen Jahres,“ heißt es in der Erklärung der HBL. „Ziel ist es, den Spielbetrieb am 23. April wieder aufzunehmen, um die ausgesetzte Saison nach Möglichkeit beenden zu können.“ Andere Verbände hatten zuvor die Saison in ihren höchsten Spielklassen für beendet erklärt oder ebenfalls ausgesetzt. Im Basketball legt die Erste Liga der Männer eine Spielpause ein, im Damenbereich wird die Saison in Erster und Zweiter Liga mit sofortiger Wirkung eingestellt. Im Volleyball soll die Bundesliga ihre letzten fünf Spieltage ohne Zuschauer austragen, in Zweiter Liga, Dritter Liga und Regionalliga wird der Spielbetrieb eingestellt. Und im Eishockey hat nach der DEL auch der Eishockey-Verband NRW die Saison beendet.

In der 2. Handball-Bundesliga wird der Spielbetrieb für insgesamt fünf Spieltage ausgesetzt. „Die Fortsetzung der laufenden Zweitliga-Meisterschaft soll möglichst ab dem 22. April stattfinden. Die ausgefallenen Spieltage 25 bis 29 der laufenden Saison werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Auch hier ist die Beendigung der Saison bis dato geplant,“ heißt es in der Erklärung der HBL.

Der Handballverband Mittelrhein (HVM) hat von der Oberliga an abwärts die nächsten vier Spieltage abgesagt, sie sollen „an den letzten Spieltag, frühestens am Wochenende 26./26. April angehängt“ werden. „Es ist uns bewusst, dass dies sportliche Verzerrungen nach sich ziehen könnte. Der HVM wird dies eingehend prüfen und zeitnah eine Entscheidung treffen, wie damit umzugehen ist,“ heißt es in einer Erklärung des Verbandes. Der Jugendspielbetrieb im Mittelrhein (zu dem der TSV Bayer Dormagen gehört) wird mit sofortiger Wirkung eingestellt.

Der Handballverband Niederrhein (HVN) zog am Donnerstagabend nach. „Der Handballverband Niederrhein setzt mit sofortiger Wirkung den Spielbetrieb aus! Es werden ab sofort keine Spiele mehr im Spielbetrieb des HVN durchgeführt. Auch werden die Auswahlmaßnahmen und die Trainerlehrgänge ausgesetzt. Wie lange diese Entscheidung bestehen bleibt, ist aktuell nicht geklärt. Für den Fall, dass die Spielzeit nicht ordentlich zu Ende gespielt werden kann, möchten wir darauf hinweisen, dass bezüglich. Auf- und Abstieg in den kommenden Tagen nochmal separat gesprochen wird,“ schreibt der Verband auf seiner Internetseite.

. Der Fußballverband Niederrhein (FVN) teilte bisher auf seiner Internetseite neben Ratschlägen zu Verhaltensweisen nur mit: „Der Fußballverband Niederrhein (FVN) bittet um einen umsichtigen und sensiblen Umgang mit der aktuellen Situation um den Coronavirus.“

Keinen Anlass zu Spielabsagen oder -verlegungen sieht die Skaterhockey-Bundesliga. Dort heißt es: „Dennoch ergeben sich auch aus der aktuellsten Risikobewertung des Robert Koch Instittuts zu Covid-19 vom 9. März keine Hinweise, dass Spiele im Inline-Skaterhockey nicht wie angesetzt stattfinden können, da die relevanten Teilnehmerzahlen in der Regel nicht erreicht werden. Konkret existiert keine Handlungsempfehlung, die pauschale Eingriffe von Verbandsseite in Form von Spielabsagen oder anderen Maßnahmen (Spiele vor leeren Rängen) nahelegen würde.“

Doch diese Einschätzung der ISHD stammt von Mittwoch – und kann wie so vieles bis heute schon wieder überholt sein.