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Deutsches Sportabzeichen im Rhein-Kreis nur wenig beliebt

Sport allgemein : Wo die Sportabzeichen-Muffel wohnen

Der Rhein-Kreis landet im Sportabzeichen-Wettbewerb des Landes stets weit hinten. Werner Moritz ärgert das.

Gäbe es hierzulande mehr Menschen wie Werner Moritz, der Rhein-Kreis würde besser abschneiden im Sportabzeichen-Wettbewerb des Landessportbundes NRW (LSB). Denn der 79-Jährige hat seit 1959 Jahr für Jahr die Prüfung zum Deutschen Sportabzeichen abgelegt. Und weil er sie jedes Mal bestanden hat, hat der Neukirchener inzwischen 62 Anstecknadeln gesammelt.

Die Anstecknadeln sind die eine Sache. Die andere ist das „Sportabzeichen als lebensbegleitende sportliche Aktivität,“ wie es LSB-Präsident Stefan Klett formuliert. Womit er bei Werner Moritz offene Türen einrennt: „Wenn man fürs Sportabzeichen trainiert, bleibt man in jedem Alter fit – und das auf vielfältige Weise,“ sagt der 79-Jährige. „Die für das Sportabzeichen benötigten Leistungen orientieren sich an den motorischen Grundfähigkeiten Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination“, heißt es dazu auf der Internetseite des LSB.

Kämpfer fürs Sportabzeichen: Werner Moritz. Foto: Linda Hammer/Hammer, Linda (lh)

Weil das so ist, ärgert sich Werner Moritz, der ein ehrenamtlich engagierter (unter anderem fast drei Jahrzehnte Leichtathletik-Abteilungsleiter der SG Neukirchen-Hülchrath) und politisch denkender Mensch ist (seit 2009 sitzt er für die CDU im Kreistag), darüber, dass im Rhein-Kreis nur wenige Menschen seinem Beispiel folgen. Und ihn stört, dass es wenig Initiativen gibt, das zu ändern: „Ich finde, ein Kreis, der sich zu Recht seiner Sportförderung und seiner sportlichen Erfolge rühmt, müsste auch  mehr für den Breitensport tun.“

Nachholbedarf gäbe es in dieser Hinsicht genug, zumindest, was das Deutsche Sportabzeichen anbelangt. In unschöner Regelmäßigkeit landet der Rhein-Kreis respektive der Kreissportbund im landesweiten Ranking dort, wo Sportler eigentlich nur ungerne landen: unter „ferner liefen“. Im vergangenen Jahr reichte es gerade mal zu Platz 21 unter 27 Kreissportbünden, die in die Wertung kamen. Verantwortlich dafür war die Zahl von 5370 Sportabzeichen, die 2019 im Rhein-Kreis verliehen wurden. Das macht in Relation zur Einwohnerzahl (451.007 am 31. Dezember 2018) eine Quote von mickrigen 1,19 Prozent. Spitzenreiter in der Statistik sind die Kreise Coesfeld (3,73 Prozent), Gütersloh (3,19 Prozent) und Borken (3,10 Prozent), die es auf eine Quote jenseits der drei Prozent bringen – was bei den separat gewerteten Stadtsportbünden allein Krefeld mit 3,32 Prozent gelang. In absoluten Zahlen liest sich das so: In den Kreisen Gütersloh (11.623) und Borken (11.485) haben mehr als doppelt so viele Menschen das Sportabzeichen erworben als im Rhein-Kreis. Und in Krefeld, das genau halb so viele Einwohner hat, machten fast 2000 Menschen mehr beim Sportabzeichen mit als im Rhein-Kreis.

Das größte Brachland zwischen Rhein und Erft scheint in den Schulen zu liegen: Unter den 594 Bildungseinrichtungen, die sich am landesweiten Sportabzeichenwettbewerb der Schulen beteiligten, ist nicht eine einzige (!) Schule aus dem Rhein-Kreis vertreten. Dabei „lebt“ das Sportabzeichen vornehmlich vom Nachwuchs: Von den 214.878 Abzeichen, die im vergangenen Jahr in NRW verliehen wurden, gingen nur 51.092 an Erwachsene.

Auch in den einzelnen Städten gibt es hierzulande Nachholbedarf.  In absoluten Zahlen ist Neuss mit 1202 Abzeichen zwar Spitzenreiter, doch das sind nur 0,78 Prozent der Einwohner, was die Kreisstadt zum Schlusslicht im Rhein-Kreis macht (schlechter ist nur Meerbusch) – und auf Platz 281 der insgesamt 373 Städte und Gemeinden bringt. Nur mal zum Vergleich: In Ostbevern haben im vergangenen Jahr 1328 Menschen das Sportabzeichen erworben, das sind 126 mehr als in Neuss. Dabei hat die Gemeinde im Münsterland nur 11.000 Einwohner. Prozentualer Tabellenführer im Kreis ist Rommerskirchen mit 2,83 Prozent (Platz 63) vor Korschenbroich (2,11, Platz 113) und Grevenbroich (1,83, Platz 141).

Wie stiefmütterlich das Thema im Rhein-Kreis behandelt wird, zeigt ein Blick auf die Internetseite des Kreissportbundes (www.ksbneuss.de): Dort wird unter dem Menüpunkt Sportabzeichen immer noch der Aktionstag im Grevenbroicher Schloss-Stadion angekündigt – der vom 8. September 2019 wohlgemerkt.

Einen solchen wird es in diesem Jahr wegen der Corona-Krise keinen geben. Der LSB hat den Schülerwettbewerb komplett gestrichen, der für Erwachsene ist „auf unbestimmte Zeit verschoben.“ In Neuss laufen Training und Prüfungen „seit dem 2. Juni in reduzierter Form,“ heißt es auf der Seite des Stadtsportverbandes. Für Grevenbroich gilt ähnliches: „Wir bieten wieder Vorbereitung und Prüfungen an, aber es kommen nur sehr wenige Teilnehmer,“ sagt Werner Moritz. Was ihn freilich nicht daran gehindert hat, die Bedingungen erneut zu erfüllen – schließlich soll die 1959 begonnene Serie noch weiter Bestand haben.