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Deutsche Meisterschaft im Modernen Fünfkampf in Neuss

Moderner Fünfkampf : Neuss hat eine große Fünfkampf-Tradition

Die „Finals“ hätten kaum einen besseren Austragungsort für die Deutschen Meisterschaften im Modernen Fünfkampf finden können, schließlich besitzt Neuss eine große Tradition in dieser Sportart – und in Elmar Frings und Walter Esser zwei Olympia-Teilnehmer, zu denen sich Janine Kohlmann hinzu gesellen könnte.

Der Olympiakader des Deutschen Verbandes für Modernen Fünfkampf (DVMF) besteht auf weiblicher Seite aus zwei Athletinnen. Eine davon kommt aus Neuss, auch wenn sie seit Herbst 2012 für den OSC Potsdam startet. Damals wechselte Janine Kohlmann nicht nur der besseren Trainingsbedingungen wegen vom Neusser Schwimmverein an den Bundesleistungsstützpunkt, sondern auch, um bei der Landespolizei Brandenburg eine Ausbildung zu beginnen.

Inzwischen ist die 29-Jährige Polizei-Kommissarin – und auf dem Weg zu ihrer ersten Olympia-Teilnahme, wenn in einem knappen halben Jahr die XXXII. Sommerspiele in Tokio beginnen. Disziplinkollegin Annika Schleu (TSV Spandau) hat ihr Ticket schon gebucht, Kohlmanns Chancen stehen nicht schlecht, nachdem sie im vergangenen Jahr mit der deutschen Mannschaft WM-Dritte und EM-Vierte wurde.

 Die besten deutschen Fünfkämpferinnen: Rebecca Schleu, die aus Neuss stammende Janine Kohlmann und Rebecca Langrehr (v.l.).
Die besten deutschen Fünfkämpferinnen: Rebecca Schleu, die aus Neuss stammende Janine Kohlmann und Rebecca Langrehr (v.l.). Foto: DVMF

Die „Road to Tokyo“ führt die 29-Jährige auch in ihre Heimatstadt. Denn vom 5. bis 7. Juni werden im Rahmen der „Finals“ die nationalen Titelkämpfe im Modernen Fünfkampf in Neuss ausgetragen (die NGZ berichtete). Zumindest ein Teil davon: Schwimmen im Stadtbad, Fechten in der Stadionhalle. Zum Reiten geht es auf Gut Neuhaus, vor die Tore von Grevenbroich-Neukirchen, dort, wo Derbysieger Gilbert Tillmann sein Zuhause hat. Der abschließende „Combined“-Wettbewerb, eine Kombination aus Laufen und Schießen ähnlich wie beim Biathlon (siehe Info-Kasten) wird in Aachen ausgetragen – weil sich der Verband und die die „Finals“ auch mit Blick auf eine mögliche Olympiabewerbung stark unterstützende NRW-Staatskanzlei wegen des gleichzeitig stattfindenden CHIO dort eine größere Resonanz bei Medien (vor allem des Fernsehens) und Publikum erhoffen.

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Wenn sie sich damit mal nicht vertun. Denn in Aachen ist Moderner Fünfkampf Neuland – in Neuss besitzt der Vielseitigkeitswettbewerb, der aus dem griechischen Pentathlon entstand und seit 1912 zum olympischen Programm gehört, eine lange und große Tradition. Die ist nicht nur, aber ganz eng mit einem Namen verbunden: dem des 2002 im Alter von 63 Jahren verstorbenen Elmar Frings. Der am 26. März 1939 in Neuss geborene ist sportlich vielleicht der größte Sohn, den die Quirinusstadt bislang hervorgebracht hat (die Holzheimer Kanu-Olympiasiegerinnen Annemarie Zimmermann und Roswitha Esser wurden dank kommunaler Neugliederung ja erst nach dem Ende ihrer Karriere „eingemeindet“).

Elmar Frings hat das Kunststück fertig gebracht, in einer so trainingsintensiven Sportart wie dem Modernen Fünfkampf mehr als ein Jahrzehnt an der nationalen Spitze zu stehen. 1968, 1970 und 1971 wurde er Deutscher Meister, 1964, als die Olympischen Spiele schon einmal in Tokio ausgetragen wurden (und Zimmermann/Esser ihr erstes Gold gewannen), belegte er im Einzel Platz 23 und wurde Sechster mit der Mannschaft. 1968 in Mexiko war er wieder dabei (17. Einzel, 13. Team), ein Jahr später wurde er WM-Sechster. Und 1972, bei den Spielen in München, war er gleichzeitig Bundestrainer und Ersatzmann, falls sich einer seiner Schützlinge verletzt hätte.

Zu diesen Schützlingen zählte der andere große Fünfkämpfer aus den Reihen des Neusser Schwimmvereins: Walter Esser, der am 21. Februar 75 Jahre alt wird, war bei Olympia im Einzel sogar noch erfolgreicher als sein Mentor: In München belegte er Rang 20 (6. mit der Mannschaft), vier Jahre später in Montreal – auch da mit Elmar Frings als Bundestrainer – Rang 14 (11. mit der Mannschaft). Und noch weitere Olympische Spiele, seine fünften, durfte Elmar Frings erleben: 2000 in Sydney als Delegationsleiter der deutschen Fünfkämpfer.

Als er zwei Jahre später seinen größten Kampf, den gegen den Krebs, verlor, sagte Siegfried Willecke, damals wie heute Vorsitzender des Neusser Schwimmvereins: „Sein Tod reißt eine kaum zu schließende Lücke.“ Dennoch hat der NSV das Kapitel Moderner Fünfkampf danach keineswegs zu den Akten genommen. Neuss ist seit Jahren Landesleistungsstützpunkt, der von Frank Adam, zu seinen aktiven Zeiten Achter der Junioren-Weltmeisterschaften 1987, Vierter der Militär-WM 1990 und mehrmals Deutscher Vizemeister, geleitet wird. Im Vorjahr war der NSV Ausrichter der Deutschen Meisterschaften der Altersgruppe U 15, in diesem Jahr richtet er am 4. und 5. April die nationalen Titelkämpfe der Altersgruppe U 17 aus.

Da sind die Deutschen Meisterschaften im Rahmen der „Finals“ das berühmte Tüpfelchen auf dem i, auch wenn die Medaillen andernorts vergeben werden. 1996 fanden sie schon ein Mal in Neuss statt. Die Titel gewannen Markus Bohnert und Kim Raisner – Anfang Juni führt der Weg nach Tokio die 47 Jahre alte Berlinerin als Bundestrainerin der Frauen wieder nach Neuss.