Deutsche Mannschaftsmeisterschaften der Ringerinnen in Dormagen

Ringen : Gastgeber sieht sich nicht als Favorit

Das Team NRW gewann drei Mal in Folge die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Ringerinnen, doch ausgerechnet bei den vom AC Ückerath ausgerichteten Titelkämpfen im Dormagener Bayer-Sportcenter droht die Serie zu reißen.

Eigentlich führt an den Ringerinnen aus Nordrhein-Westfalen kein Weg vorbei, wenn die Landesverbände des Deutschen Ringerbundes den nationalen Mannschaftsmeister der Frauen ermitteln. Neun Mal zwischen 2007 und 2017 holte sich das Team NRW den Titel, nur in den Jahren 2013 und 2014 ging es leer aus.

Am Samstag könnte das erneut der Fall sein. Ausgerechnet dann, wenn die Meisterschaften im eigenen Lande, genauer gesagt im Dormagener Bayer-Sportcenter am Höhenberg ausgetragen werden. Ausgerichtet vom AC Ückerath, dem Pionierverein des Frauenringens in Deutschland, der seit jeher das größte Kontingent im nordrhein-westfälischen Aufgebot stellt.

Heinz Schmitz, im Februar 1982 Mann der ersten Stunde, als der ACÜ eine Frauenabteilung gründete und immer noch als Landestrainer aktiv, klingt jedenfalls nicht so richtig optimistisch, wenn er auf das Unternehmen Titelverteidigung angesprochen wird: „Leider können wir nicht in Bestbesetzung antreten,“ nennt er als hauptsächliche Begründung für sein Understatement. „Schuld“ daran ist auf der einen Seite Ex-Weltmeisterin Aline Focken, die erst am Donnerstagabend von ihrer Urlaubs- und Hochzeitsreise zurückkehrt – die 27-Jährige heiratete im Sommer ihren Disziplinkollegen Jan Rotter und trägt seitdem den Doppelnamen Rotter-Focken. Heinz Schmitz nimmt der Krefelderin, die inzwischen ihren Hauptwohnsitz im Schwarzwalddorf Urloffen hat, das nicht krumm: „Sie hat die Reise schon lange geplant, lange bevor der Termin für die Meisterschaften feststand.“

“Schuld“ daran, dass er statt gewohnter NRW-Dominanz einen Vierkampf mit den Landesverbänden aus Württemberg, Hessen und Südbaden erwartet, ist aber auch ein genereller Trend: „Abgesehen von unseren Kaderringerinen ist das Team, das wir am Samstag aufbieten können, recht jung und unerfahren,“ sagt der Landestrainer. Mit von der Partie sind auf jeden Fall Militär-Weltmeisterin Nina Hemmer, die ebenfalls zum Perspektivkader des Deutschen Ringerbundes gehörende Laura Mertens und die zum Olympiakader der Niederlande zählende, für den AC Ückerath startberechtigte Jessica Blaczka. Los geht’s unter der Schirmherrschaft des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet bereits am Freitagabend mit Waage und Auslosung. Da nach der Absage der Pfalz nur sieben Landesverbände gemeldet haben – neben NRW noch Bayern, Berlin, Hessen, Saarland, Südbaden und Württemberg – wird es eine Dreier- und eine Vierergruppe geben, deren Zusammensetzung ausgelost wird. In den Gruppen wird dann nach dem System „Jeder gegen jeden“ gekämpft, wobei jedes Team aus neun Ringerinnen besteht, die in den Gewichtsklassen bis 40, 42, 46, 50, 53, 57, 62, 68 und 76 Kilogramm gegeneinander antreten.

Typisch für die Sportart: Wie es nach den Gruppenkämpfen weitergeht, legen die Teamleiter erst am Freitagabend genau fest. Heinz Schmitz erwartet das Finale gegen 16 Uhr – und hofft allen Unkenrufen zum Trotz natürlich drauf, dass seine Schützlinge dann dabei sind. Damit ist der lange Ringertag – die Titelkämpfe beginnen mit dem Einmarsch der Teilnehmerinnen am Samstag um 9.30 Uhr – im Sportcenter aber noch nicht vorbei. Um 19.30 Uhr erwartet das Männerteam des AC Ückerath an gleicher Stelle den KSV Oberhausen zum Platzierungskampf der Bezirksliga. Und da keines der beiden Teams im Falle eines Sieges einer Aufstiegspflicht nachkommen muss, sollte dieser Kampf auch nicht bereits an der Waage entschieden werden.

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