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Reitsport: Der Weg zur EM-Medaille kostete Nerven

Reitsport : Der Weg zur EM-Medaille kostete Nerven

Erst durfte Juliette Piotrowski nicht starten, dann gewann die Kaarsterin Silber bei der Dressur-EM.

"Wahnsinn, ich kann es noch gar nicht fassen, das ist einfach unglaublich." Mit Tränen in den Augen stand Dressurtrainerin Claudia Haller am Donnerstagabend am Rande des Dressurvierecks im französischen Compiègne, wo die Europameisterschaften der Jungen Reiter in der Dressur ausgetragen werden.

Und schaute ihrer Tochter Juliette Piotrowski zu, wie diese mit der deutschen Equipe der U21-Reiter einen Platz auf dem Siegertreppchen erklomm. Die 19-Jährige sicherte sich mit ihren Teamkolleginnen Florine Kienbaum (Lohmar), Vivienne Niemann und Charlott-Maria Schürmann EM-Mannschaftssilber. Und bewies dabei Nerven aus Stahl.

Denn der Weg zur Medaille war ein nervenaufreibender für Juliette. Mit ihren beiden Pferden Flick-Flack und Sir Diamond nominiert, konnte Piotrowski Anfang der Woche nur mit einem vierbeinigen Partner nach Frankreich reisen. Flick-Flack verletzte sich, also ging es mit Ersatzpferd Sir Diamond, dem erst achtjährigen Oldenburger Rapphengst, nach Compiègne. Dort aber erhielt das Paar, das von Claudia Haller trainiert wird, zunächst keine Startgenehmigung. Denn das Reglement sah den 1. Juli als letzten Austauschtag vor, ein extrem früher Termin und damit ungewöhnlich. Piotrowskis Start war gefährdet. Erst, als alle Equipechefs – auch andere Nationen waren betroffen – intervenierten, gab der internationale Reitsportverband FEI noch grünes Licht. "Diese Aufregung hat sie erstaunlich gut weggesteckt", analysierte Haller. Denn ihre Tochter blieb nach außen hin im Viereck cool, sicherte sich am ersten Wettkampftag mit 73,079 Prozent die Spitzenposition. "Sie ist selbstbewusst und energisch geritten", sagte Haller.

Vor Piotrowski hatte bereits Florine Kienbaum auf Don Windsor Old 69,5 Prozentpunkte für ihre Mannschaft erritten. Damit lag das deutsche Quartett in Führung. Am zweiten Wettkampftag, galoppierten dann die weiteren beiden deutschen Reiterinnen Vivienne Niemann (Mannheim) auf Cipollini und Charlott-Maria Schürmann (Gehrde) auf Edward ins Viereck. Schürmann hielt mit 71,105 Prozent die Deutschen auf der Spitzenposition, doch der Abstand auf die Niederländer war auf ein Minimum geschrumpft. Niemann zeigte unter dem Druck, Gold zu sichern, Nerven, kam nur auf 67,864 Prozent. Und weil ausgerechnet die Schlussreiterin der Niederländer einen herausragenden Ritt (75,158) ablieferte, mussten sich Piotrowski und Co. am Ende geschlagen geben. Mit einem Gesamtdurchschnitt von 71,228 gewann die Equipe Silber hinter den Niederlanden (72,465) und vor Belgien (69,711).

"Nach drei Mal Teamgold in Folge und dem Verlauf des Wettbewerbs ist das natürlich in der ersten Minute schon ein bisschen frustrierend ", gab Juliette Piotrowski zu. Das fand auch das Trainerduo Oliver Oelrich und Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer zu Strohen. "Ein bisschen enttäuscht sind wir natürlich schon. Die Erwartungshaltung war nach den Sichtungen und Lehrgängen schon groß", sagte Oelrich. "Es waren halt überall kleine Dreher drin."

Doch nachdem der erste Schreck verdaut war, freute sich Juliette Piotrowski über ihre erste EM-Medaille. "Vielleicht kommt ja noch eine hinzu", blickt die 19-Jährige voraus. Denn heute und morgen werden noch zwei Titel vergeben: im Einzelwettbewerb und in der Kür.

(rosz)