Fußball : Der Weg der kleinen Schritte

Aufgefallen Der SV Hemmerden ist in Sachen Frauenfußball seit Jahren das Maß der Dinge im Rhein-Kreis Neuss. Peter Compes, Trainer des Abonnements-Kreismeisters, blickt jedoch auch über den eigenen Tellerrand hinaus.

Wenn das Hallenmasters der Frauen am 29. Januar zum ersten Mal im Rhein-Kreis Station macht, ist der SV Hemmerden nur Außenseiter. Den Ton am Niederrhein geben andere Vereine an: Der FCR 2001 Duisburg etwa, Deutscher Meister von 2000 und UEFA-Cup-Sieger 2009, oder die ebenfalls in der Bundesliga spielende SG Essen-Schönebeck. "Da spielen wir einfach nur mit", sagt Trainer Peter Compes bescheiden.

Vor der eigenen Haustür haben die Mädels von der Buscher Straße dagegen die Hosen an. Beleg dafür war am vergangenen Sonntag die in Gustorf ausgetragene Kreishallenmeisterschaft, bei der der Niederrheinligist wieder mal hoch überlegen zur Titelverteidigung marschiert war.

Und doch sieht Compes den Frauenfußball an Rhein und Erft auf dem immer noch langen Weg der kleinen Schritte wieder ein Stück vorangekommen. "Die Mannschaften entwickeln sich weiter", findet er. Einige Vereine benutzen dabei ungeniert den Branchenführer als Steigbügelhalter. Zum Beispiel der aufstrebende Bezirksligist 1. FC Grevenbroich-Süd, der neben Trainer Dirk Wistuba in Kapitänin Mareike Esser, Christina Reiff und Nicole Aretz versiertes Fachpersonal aus Hemmerden in seinen Reihen hat.

Damit kann Compes gut leben, wenngleich sich ihm nicht erschließen mag, was eine spielerisch ungemein potente Vollblutfußballerin wie Mareike Esser dazu bewegt hat, ihr Glück zwei Klassen tiefer zu suchen. "Zum Vergleich: Zwei Klassen tiefer bei den Frauen, das ist wie fünf Klassen tiefer bei den Männern." Ansonsten lehnt er Vergleiche mit den männlichen Kickern als wenig zielführend ab: "Das macht man in der Leichtathletik oder im Skisport ja auch nicht. Das sind zwei unterschiedliche Sportarten."

Und doch hat längst auch im weiblichen Bereich ein den Fortschritt hemmendes Kirchturmdenken Einzug gehalten. "Wenn ich sehe, dass zum Beispiel RW Elfgen und der TuS Grevenbroich mit ihren Mannschaften auf derselben Anlage spielen, weiß ich nicht, ob das die beste Lösung ist", kritisiert Compes, zumal viele Frauenteams personalmäßig gerade so über die Runden kämen. Viel besser haben es da Kolleginnen, die unterm Dach eines Herren-Erstligisten ein Zuhause gefunden haben.

"Als wir vor einigen Jahren gegen Borussia Mönchengladbach gespielt haben, wurde da auf Damenfußball überhaupt nichts gegeben, die mussten sich ihre Trikots noch selber kaufen", erinnert sich Compes: "Jetzt spielen die in der 2. Liga und beschäftigen Personal, das sich ausschließlich um diesen Bereich kümmert." Hemmerden peilt dagegen mit bescheidenen Mitteln die Rückkehr in die Regionalliga an.

(NGZ/rl)