Jüchen : Der Wasserturm ist gesprengt

Das Wahrzeichen von Alt-Holz steht nicht mehr, musste dem Tagebau weichen. Über 700 Zuschauer sahen die Sprengung des Wasserturms. Die "Laterne" konnte vermutlich nicht – wie viele Holzer hofften – erhalten werden.

Das Wahrzeichen von Alt-Holz steht nicht mehr, musste dem Tagebau weichen. Über 700 Zuschauer sahen die Sprengung des Wasserturms. Die "Laterne" konnte vermutlich nicht — wie viele Holzer hofften — erhalten werden.

Ein Donnern ertönt. Am Fuße des Turmes steigt Rauch auf. Er neigt sich zur Seite und fällt einfach um. Sofort wird er von einer Rauchwolke umschlossen, die für eine Minute die Sicht versperrt und den Geruch des Sprengstoffs zu den Zuschauern weht. Viele Anwesende blicken nach der Sprengung traurig auf die Trümmer.

Über 100 Jahre lang war der Holzer Wasserturm ein weithin sichtbares Wahrzeichen. Am Samstag, pünktlich um 16 Uhr wurde er gesprengt. Die 17 Kilogramm Gesteinssprengstoff, die in 104 Bohrlöchern installiert waren, taten wie geplant ihre Pflicht. "Der Wasserturm ist da hingefallen, wo er hinfallen sollte", sagte Jörn-Peter Urbanek, Sprengberechtigter vom Neusser Technischen Hilfswerk (THW), zufrieden. Der Bereich um den Turm war abgesperrt worden. Das Wahrzeichen musste im Rahmen der Umsiedlung für den Braunkohletagebau fallen. Er war das letzte Bauwerk von Alt-Holz. Die Umsiedlung der Wohnhäuser war bereits im November vergangenen Jahres abgeschlossen worden. Nur der Wasserturm war noch im Weg. Rund 520 Einwohner mussten das Dorf verlassen. Viele sind nach Neu-Holz gezogen.

Viele Bürger wollen die so genannte Laterne, eine Dachkonstruktion auf dem Hochbehälter, erhalten. Daher hatte RWE versucht die "gerichtete Niederlegung" so schonend wie möglich durchzuführen. Genützt hat das wahrscheinlich nichts. Die Kuppel mit der "Laterne" rollte nach dem Aufprall unerwartet weiter. "Die Laterne wurde dabei auf jeden Fall beschädigt", sagte RWE-Pressesprecher Manfred Lang. "Wie schwer, kann ich jedoch frühestens am Montag sagen."

"Schade drum. Ich hatte gehofft, dass sie erhalten bleibt", sagte Karl-Heinz Ehms. Der 65-Jährige war Besitzer einer Bäckerei in Holz. Nach der Sprengung ist er, wie viele Alt-Holzer, sichtbar gerührt. "Ich habe viel gesehen in meinem Leben, aber da könnten mir die Tränen kommen." Der Turm sei schließlich ein Symbol für Heimat gewesen. "Den hat man von weitem gesehen und wusste: Gleich bin ich Zuhause."

Die Sprengung setzt nun den Schlussstrich unter die Umsiedlung von Holz. In den nächsten Tagen werden die Trümmer weggeräumt, so dass der Braunkohleabbau zügig beginnen kann. Und so verabschiedet die 700 Zuschauer nach der Sprengung ein düsteres Bild: Hinter dem Wasserturm sind am Horizont nur noch graue Wolken und der Bagger an der nahen Tagebaukante zu sehen. Alt-Holz und sein Wasserturm sind jetzt Geschichte.

(NGZ)