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Lokalsport: Der VfR 06 Neuss prägte sein Leben

Lokalsport : Der VfR 06 Neuss prägte sein Leben

Hiltfrid Krekeler, der langjährige Präsident des Traditionsvereins, ist am Montag im Alter von 84 Jahren in Neuss verstorben.

Gut, dass der VfR 06 Neuss am 13. August 1967 in jenem legendären Spiel, über das heute noch viele sprechen, Fortuna Düsseldorf mit 5:4 besiegt hat. Gut, dass Jupp Kokesch und Willi Traut im vergangenen Sommer die Idee hatten, zu diesem Jubiläum die Neusser Fußballhelden vergangener Tage an einen Tisch zu bringen.

Denn so konnte Hiltfrid Krekeler noch einmal das Beisammensein mit langjährigen Weggefährten genießen. Es war der letzte öffentliche Auftritt eines Mannes, der in seiner Heimatstadt mal ganz im Zentrum des öffentlichen Interesses stand, der aber schon seit langem still und zurückgezogen in seinem Haus an der Promenadenstraße lebte - und das nicht allein der angegriffenen Gesundheit wegen. In der Nacht zu Montag ist Hiltfrid Krekeler im Alter von 84 Jahren in einem Neusser Krankenhaus gestorben.

"Er war nicht bloß unser Präsident, er war ein guter Freund, und das bis zuletzt", sagt Jupp Kokesch über den Mann, der von 1972 bis 1984 an der Spitze des Neusser Traditionsvereins stand. Die Nachricht von Krekelers Tod, die ihm dessen Ehefrau Heidi am Montag telefonisch übermittelte, habe ihn deshalb tief berührt, sagt der 71-Jährige, der selbst zu den Legenden des VfR 06 gehört, der eisenharter Vorstopper, Mannschaftskapitän und später Ehrenspielführer war. Und der als Vorsitzender das versuchte, woran sich bereits Hiltfrid Krekeler vergeblich versucht hatte: Den Niedergang des Neusser Traditionsklubs aufzuhalten, der einst in der Regionalliga, der damals zweithöchsten deutschen Spielklasse, beheimatet war und jetzt in der niedrigsten, der Kreisliga C, kickt.

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Als Hiltfrid Krekeler das Ruder übernahm, hatte dieser Niedergang bereits eingesetzt. 1972 war der VfR 06 Neuss gerade aus der Regionalliga abgestiegen, der er seit 1966 angehört hatte. Sportlich wäre das zu verkraften gewesen, wären in dieser Zeit an der Hammer Landstraße nicht jede Menge Schulden angehäuft worden. Krekeler versuchte, zu retten, was zu retten war, mit viel Herzblut und viel Engagement. So sah man ihn Woche für Woche selbst in der Stadt die Spieltagsplakate verteilen. Und wenn es etwas zu feiern gab - was immer seltener wurde an der Hammer Landstraße - hielt der Präsident keine Festtagsreden sondern stand oft genug hinter dem Würstchengrill.

Ob das zielführend war, Menschen und vor allem Sponsoren für den Verein zu interessieren und zu begeistern, sei dahingestellt. Menschlich war es auf jeden Fall. Und vielleicht war Hiltfrid Krekeler einfach zu menschlich für das Geschäft, zu dem der Fußball damals zu werden begann. Nach eigenen Angaben hat er in der Zeit seiner Präsidentschaft dem finanziell notleidenden Verein immer wieder mit Darlehen geholfen - Geld, das er nach eigener Aussage nie wieder gesehen hat, weil sich seine Nachfolger nicht an Rückzahlungszusagen hielten.

Krekeler ist kein Einzelfall in der langen und nicht immer ruhmreichen Geschichte des VfR 06. Doch keinen hat das so getroffen, so bis ins Mark verletzt wie den Architekten und Diplom-Ingenieur, der später im städtischen Bauamt tätig war. Obwohl da schon über 50 Jahre im Verein, trat er 1999 aus und gab auch seine Ehrenmitgliedschaft zurück. Damit verschwand Hiltfrid Krekeler endgültig aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit.

Der Kontakt zu den alten Weggefährten brach freilich nie ab. "Deshalb haben wir uns auch riesig gefreut, dass er es im August noch geschafft hat, zu unserem Jubiläumstreffen in den Drusushof zu kommen", sagt Jupp Kokesch. Gesundheitlich ging es dem am 3. Oktober 1933 Geborenen schon da schlecht, doch er freute sich über das Wiedersehen mit ehemaligen VfR-Größen wie Kokesch, Traut, Uli Kohn - dem Schützen des Siegtores gegen die Fortuna - Rolf Dohmen, Klaus Memmert oder Horst Hoeft.

Nachdem er die Todesnachricht verdaut hatte, hängte sich Jupp Kokesch auch gleich ans Telefon, um die früheren Mitstreiter zu informieren. "Auch wenn der Termin der Beisetzung noch nicht feststeht, denke ich, dass viele von ihnen kommen werden", sagt Kokesch. Dabei hatten sie im Frühjahr, als die Idee zum Jubiläums-Revival am 13. August reifte, noch gesagt: "Dann treffen wir uns wenigstens nicht immer nur auf Beerdigungen . . ."

(NGZ)