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Korschenbroich: Der vertrackte Weg zur Gebührenberechnung

Korschenbroich : Der vertrackte Weg zur Gebührenberechnung

Die Gebührenkalkulation der Stadt ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Bei genauer Betrachtung bleibt jedoch wenig Platz für Rätsel.

Kommunale Gebührenberechnungen lösen nicht nur bei Laien, sondern zuweilen auch bei – noch nicht ganz so erfahrenen – Kommunalpolitikern offene Verwunderung aus: Wer etwa denkt, Wassersparen lohnt sich, wird nicht selten eine handfeste Überraschung erleben. Sparen die Bürger beim Frischwasserverbrauch, ist dies bisweilen eine der Ursachen dafür, dass die Abwassergebühren im folgenden Jahr steigen – wie kürzlich in Korschenbroich geschehen.

Geradezu makaber anmutende Ergebnisse können sich bei den Friedhofsgebühren ergeben: Sterben "zu wenig" Menschen beziehungsweise weniger als in der ursprünglichen Bedarfsberechnung einkalkuliert, steigen die Gebühren. Auch das hat es in Korschenbroich schon gegeben. Für Georg Onkelbach, den Chef des insbesondere für die Friedhöfe zuständigen Eigenbetriebs Stadtpflege, ist all dies keine Geheimwissenschaft, sondern "ein rein mathematischer Vorgang". Onkelbach verweist darauf, dass es "in jedem Gebührenhaushalt einen hohen Anteil von Fixkosten gibt". Fallen einkalkulierte Einnahmen weg, "muss der Kostenblock anders verteilt werden", so Onkelbach.

Ein simples Beispiel: Wenn die Gebührenberechnung von 100 Bestattungen im Jahr ausgeht, tatsächlich aber "nur" 80 vorgenommen werden, wird in der Berechnung "ein Minus produziert". Dies schlägt bei der nächsten Berechnung in der Regel nicht voll durch. Vielmehr sind die Kommunen verpflichtet, den Fehlbetrag binnen vier Jahren auszugleichen.

Natürlich kann es auch in die andere Richtung gehen, wie Anja Jacob, die kaufmännische Leiterin der Stadtpflege und des Abwasserbetriebs, deutlich macht. Im Abwasserbereich hatte es 2011 eine Kostenüberdeckung, also mehr Einnahmen gegeben als ursprünglich geplant. "Der Betrag wurde in die Neukalkulation eingestellt. Das federt die Erhöhung der Abwassergebühren in diesem Jahr ab, kann sie aber nicht ganz auffangen", sagt Jacob. Die konkreten Berechnungen der – im Zweifel die Gebühren steigernden – Fixkosten sind unterschiedlich aufwendig: Beim Abwasser gibt es nur drei Gebührenpositionen, bei den Friedhöfen sind es gut 50.

Einen großen Block bilden in beiden Bereichen die kalkulatorischen Abschreibungen und Verzinsungen, bei den Friedhöfen sind es laut Georg Onkelbach "insbesondere die Personal- und Unterhaltungskosten", die gedeckt werden müssen. Die jahrelang anhaltende Friedhofsdiskussion in Korschenbroich ist inzwischen beendet. Die Gebühren bleiben 2013 konstant.

Was angesichts des sich allerorten durchsetzenden Wandels in der Friedhofskultur nicht dauerhaft so bleiben muss. Laut Anja Jacob hat auch Korschenbroich bei den Urnenbestattungen inzwischen die 50-Prozent-Marke erreicht.

(NGZ)