American Football : Der schweigsame Koloss

Als Team mit der zweitbesten Bilanz in der Amerikanischen Profi-Footballliga NFL (13:3-Siege) haben die New England Patriots am Wochenende in der ersten Play-off-Runde frei. Gelegenheit zur Entspannung für den von argen Rücken- und Knöchelschmerzen geplagten Kaarster Sebastian Vollmer.

Sebastian Vollmer ist eine imposante Erscheinung. Der 27-Jährige bringt bei einer Körpergröße von 2,03 Meter satte 143 sportliche Kilogramm auf die Waage. Auf so einen haben sie in der NFL, der Profi-Footballliga in den USA, nur gewartet. Auf seiner Position, Right Tackle, gehört der Kaarster in der dritten Saison zum allerbesten, was die Liga zu bieten hat. Sein Team sind die New England Patriots, ein heißer Kandidat auf den Titel.

Doch ob die Patrioten auf ihrem Weg ins Endspiel, den Super Bowl am 5. Februar in Indianapolis, auf ihre "German Wall", die deutsche Mauer zählen können, ist noch ungewiss. Denn der sanfte Koloss aus Deutschland, dessen Hauptaufgabe im Abschirmen des für die Spielregie zuständigen und nicht zu ersetzenden Quarterbacks Tom Brady besteht, geht am Stock.

Mit massiven Rückenproblemen, die ihn als junger Spieler am College in Houston nach einer Operation schon einmal für eine ganze Saison auf Eis gelegt hatten, verpasste er fünf der ersten sechs Partien. Dann verletzte er sich auch noch am Knöchel und setzte weitere vier Spiele aus. Erst am vergangenen Sonntag, im für die Tabelle bedeutungslosen Match gegen die Buffalo Bills (New England gewann mit 49:21), stand er wieder in der Startformation.

In der vorherigen Saison hatte der Kaarster noch alle 16 Begegnungen der regulären Saison als Starter mitgemacht — in dieser Spielzeit sind es nur sechs. Fragen nach seinem Gesundheitszustand sind dem von Fans und Teamkollegen "Seabass" (Seebarsch) gerufenen Offensiv-Spezialisten allerdings lästig. "Ich habe gespielt", gab er am Sonntag äußerst schmallippig zu Protokoll. Und Schluss! Bloß keine Emotionen zeigen — der Mann hat seine Lektion gelernt. Bei den Patriots verlässt nichts ungefiltert die Kabine.

Auch auf dem Feld ist Vollmer ein Musterknabe. "Er ist ohne Zweifel ein guter Spieler, einer unserer besten Spieler", lobt sein Coach Bill Belichick: "Er ist groß, physisch stark und macht auf dem Feld fast alles richtig. Er macht uns zu einem besseren Football-Team." Sicher, mit der Bilanz von 13:3-Siegen sind die Patriots das erfolgreichste Team in ihrer Conference (AFC) und dürften damit in den Play-offs bis zum Finale im heimischen Foxborough antreten. Doch das muss nicht unbedingt ein Vorteil sein. Im Vorjahr waren die "Pats" nach der Vorrunde mit 14:2-Siegen die beste Mannschaft der gesamten NFL, nur um anschließend im Viertelfinale daheim mit 21:28 an den verhassten New York Jets zu scheitern.

(NGZ/rl)