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Hockey: Der Schlusspfiff kam wie eine Erlösung

Hockey : Der Schlusspfiff kam wie eine Erlösung

Mit Sieg und Niederlage haben die Damen von SW Neuss die Hinrunde der Feldhockey-Bundesliga beendet – bei Temperaturen um null Grad.

Dieter Schlusspfiff kam wie eine Erlösung – und das nicht nur, weil Luisa Steindor und Theresa Laubenstein zwei Minuten zuvor mit der dritten Strafecke den HTC Schwarz-Weiß Neuss im letzten Hinrundenspiel der Feldhockey-Bundesliga gegen Aufsteiger Harvestehuder THC mit 1:0 in Führung gebracht und den Schwarz-Weißen damit drei enorm wichtige Punkte im Abstiegskampf gesichert hatten.

Sondern vor allem deshalb, weil sich danach alle irgendwo in einem warmen Eckchen verkriechen konnten: Die 22 Spielerinnen, ihre bedauernswerten Kolleginen auf der Auswechselbank und die knapp 60 Unentwegten, die sich Feldhockey auch bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt nicht entgehen lassen wollten.

Anderthalb Grad zeigte das Thermometer gestern Mittag um 12 Uhr, als die Schiedsrichterinnen Michelle Meister (Berlin) und Gabriele Schmitz (Köln) das Kellerduell an der Jahnstraße anpfiffen. Nicht mal der in 35 Jahren als Unparteiischer und Schiedsrichterbeobachter gestählte Hans-Werner Sartory konnte sich erinnern, jemals bei solchen Bedingungen auf dem Feld gestanden zu haben.

Dabei waren sie gestern noch erträglich im Vergleich zum Vortag, als die Neusserinnen im Schneetreiben mit 1:3 (Halbzeit 0:0) gegen den Tabellenzweiten Club an der Alster verloren hatten. Drei Mal ging während der siebzig denkwürdigen Minuten das Spielgerät zu Bruch. Nicht nur deshalb schimpfte Alster-Trainer Jens George: "Diese Temperaturen erhöhen die Verletzungsgefahr." Seine Schützlinge benötigten eine Halbzeit, um auf Betriebstemperatur zu kommen, ehe Christina Schütze per Siebenmeter (40.), Katharina Scholz mit Strafecke (48.) und Jenna Woolven (58.) die bis dahin stark haltende Neela Holthausen im HTC-Gehäuse bezwangen. Luisa Steindor gelang in der letzten Spielminute per Strafecke der Ehrentreffer.

Gestern traf die Nationalspielerin zwei Minuten früher, wobei das Spielgerät noch von Theresa Laubenstein abgefälscht wurde, und entschied so ein erschreckend schwaches Spiel ein wenig glücklich zugunsten der Gastgeberinnen. Worauf allerdings der Hamburger Trainer Manuel Altenburg seine Meinung gründete, "wir waren über 90 Prozent die bessere Mannschaft und haben das Spiel kontrolliert", wird sein Geheimnis bleiben müssen. Denn von einem "kontrollierten Spiel" konnte auf beiden Seiten keine Rede sein – die Pässe, die den Schläger der Mitspielerin verfehlten, übertrafen diejenigen, die beim Adressaten ankamen, jedenfalls beträchtlich. Einen Vorwurf wollte den Spielerinnen angesichts der Bedingungen deswegen niemand machen. "Wir waren aus dem Spiel heraus nicht konsequent genug, also musste eine Standardsituation her, die wir am Ende zum Glück noch genutzt haben. In zwei Wochen fragt keiner mehr, wie dieser Sieg zustande kam", bilanzierte HTC-Trainer Simon Starck treffend.

(NGZ)