Handball : Der Osten kommt mit Macht

Wie kein zweites Turnier in Europa bringt der Cup die besten Talente aus den ehemaligen Ostblockstaaten nach Deutschland. Mehr als 50 der insgesamt 200 Teams kommen aus dem Ausland – knapp 30 aus Osteuropa.

Wie kein zweites Turnier in Europa bringt der Cup die besten Talente aus den ehemaligen Ostblockstaaten nach Deutschland. Mehr als 50 der insgesamt 200 Teams kommen aus dem Ausland — knapp 30 aus Osteuropa.

An das Turnier vor zwei Jahren erinnert sich Kai Klause nur höchst ungern. Damals brach sich der Auswahlspieler des Neusser HV nämlich direkt im ersten Spiel nach nur zehn Sekunden den Arm. An seiner sportlichen Zielsetzung hat sich trotzdem rein gar nichts geändert: "Ich will mal in der Handball-Bundesliga spielen!"

Fürs Erste wäre der Torjäger freilich schon zufrieden, er würde am Sonntag mit der D-Jugend des NHV das Finale in der Hammfeldhalle erreichen. Das ist auch bei der 29. Auflage des dreitägigen Handball-Spektakels eine echte Herausforderung, denn das Niveau ist einmal mehr atemberaubend. Dafür sorgen allein schon die 29 Teams aus dem so leistungsstarken Osten Europas.

"Das kann in dieser Form kein Turnier in Deutschland bieten", stellt Chef-Organisator Wolfgang Spangenberger nicht ganz ohne Stolz fest. Die Talente von Eliteschulen im polnischen Gliwice (Gleiwitz) und ukrainischen Brovari (dort reiften unter anderem die Klitschko-Brüder zu erstklassigen Boxern heran) hatten am Rhein bereits in der Vergangenheit für Furore gesorgt. MKB Veszprém aus Ungarn ist nicht nur Fachleuten als Dauergast in der Champions League ein Begriff.

Der lange für den Neusser HV tätige Landestrainer Jörg Hermes (TV Aldekerk) zählt die Veranstaltung gemeinsam mit dem Bärencup in Ketsch und dem Sauerlandcup in Menden national zu den bedeutendsten Turnieren im weiblichen Bereich. "Die Vergleiche dort sind einzigartig."

Der für den wie immer höchst diffizilen Spielplan zuständige Jochen Kallenberg ("Die Teilnehmerliste ändert sich quasi stündlich.") hat zudem mit großer Freude festgestellt, "dass allmählich auch die deutschen Vereine unser Turnier entdecken". So bekommt es die bärenstarke B-Jugend des TSV Bayer Dormagen, die es in dieser Saison immerhin bis ins Halbfinale um die Westdeutsche Meisterschaft gebracht hat, nicht nur mit Celje, Dukla Prag, Brovari und Veszprém zu tun, sondern auch mit dem Erstliga-Nachwuchs des Europapokalsiegers VfL Gummersbach.

Die C-Jugend des TSV könnte im Finale als Westdeutscher Meister auf den SC Magdeburg treffen. Die von Ex-Weltmeister Pascal Mahé trainierten A-Junioren aus Dormagen müssen als Westdeutscher Vizemeister auf ihrem Weg zum Turniersieg womöglich die Jugend-Nationalmannschaft Moldawiens bezwingen. Die wäre um ein Haar gar nicht gekommen, denn in einem Telefonat mit der Botschaft in der Hauptstadt Chisinau hatte Wolfgang Spangenberger erfahren, dass für die Erteilung der benötigten Visa eine Reihe entscheidender Unterschriften fehlen würden. "Und das Konsulat wollte von mir bestätigt haben, dass ich eine Schule bin", so der Leiter der Realschule Holzheim schmunzelnd.

Übrigens: Der marode Bus der Gäste aus Chisinau, der dem NHV vor zwei Jahren viel Ärger bereitet hatte, kurvt weiter munter durch Moldawien. "Wohl immer noch mit dem Riss in der Windschutzscheibe", vermutet Spangenberger.

(NGZ)