Der Neusser Ringer Samuel Bellscheidt ist NGZ-Sportler des Monats Mai

NGZ-Sportler des Monats Mai: Samuel Bellscheidt : Die WM fest im Visier, Olympia im Kopf

Der Ringer des KSK Konkordia Neuss holt mit 18 Jahren Silber bei den Deutschen Meisterschaften der Männer.

„Natürlich ist es nie schön, im Finale zu verlieren. Immerhin weiß ich jetzt, dass ich nicht weit von der deutschen Spitze entfernt bin“, sagt Samuel Bellscheidt, von den Lesern zum „NGZ-Sportler des Monats Mai“ gewählt, über seinen bislang größten nationalen Erfolg in der Herrenklasse.

Der Vizemeister-Titel bei den Deutschen Meisterschaften kam etwas überraschend für den Ringer des KSK Konkordia Neuss. Nur zwei Wochen vorher war die Entscheidung gefallen, bei den Herren zu starten. Die Teilnahme war eigentlich als Formtest für den Nachwuchsringer gedacht, der in der Gewichtsklasse bis 67 Kilogramm antritt, doch schnell wurde mehr daraus. Für Bellscheidt, der im griechisch-römischen Stil ringt, wurde es nach einem Freilos erstmals gegen Lukas Buck (KG Baienfurt) ernst. Technisch überlegen ging der Kampf mit 9:0 an den Neusser. Im Halbfinale angelangt, machte sich der 18-Jährige gegen Pascal Hilkert (KSV Sulzbach) ans Werk. Bellscheidt zeigte erneut seine Klasse und siegte mit 3:1. Längst handelte es sich nicht mehr um einen reinen Formcheck – der KSK-Ringer konnte sich berechtigte Hoffnungen auf den Tagessieg machen.

In Titelverteidiger Witalis Lazovski (RSV Greiz) wartete allerdings ein schwerer Brocken auf den Neusser, der sich im Finale dann auch mit 0:4 geschlagen geben musste. Bellscheidt schaut indes nach vorne: „Die Niederlage ist nicht allzu tragisch.“ Auch KSK-Ehrenvorsitzender Hermann J. Kahlenberg gibt sich  optimistisch: „Samuel ist noch ein junger Ringer, das darf man nicht vergessen.“ Hinzu kommt, dass Bellscheidt auch noch in den nächsten Jahren bei den Junioren startberechtigt ist, so kam die Silbermedaille sogar verhältnismäßig früh für den Neusser. Weitere Erfolge wie EM-Silber und WM-Bronze bei den Kadetten sprechen für das Potential des Nachwuchstalents. Kahlenberg: „In Neuss hat er optimale Trainingsbedingungen. Aus einem Talent ist er bei uns zum Spitzenringer geworden.“ Auch auf nationaler Ebene ist Bellscheidt zu einer festen Größe herangereift. „Der Bundestrainer hält viel von ihm“, weiß Kahlenberg. Die Gründe sieht Kahlenberg in der Arbeitseinstellung des Ringers: „Er ist klar im Kopf und trainiert viel. Jeden Tag arbeitet er an seiner Physis und der Technik. Das ist ausschlaggebend.“ Trotz alledem wird es für den Bellscheidt eine große Herausforderung, dieses Erfolgserlebnis zu wiederholen. Denn die Leistungsdichte im Ringsport habe zugenommen, gerade auf internationaler Ebene, sagt Kahlenberg und warnt vor der „überlegenen Physis osteuropäischer Athleten.“ Fürs Erste schaut der 18-Jährige allerdings ohnehin auf einen andere Wettkampf: die Junioren-Weltmeisterschaften. Da wird Bellscheidt beweisen können, ob sich die ungezählten Trainingsstunden der vergangenen Jahre gelohnt haben. „Wir haben erfahrene Trainer, die ihn optimal vorbereiten werden. Die WM ist ein Saisonhöhepunkt, dann können wir auf Olympia schauen“, kündigt Kahlenberg an.

Bellscheidt zeigt sich derweil bescheidener,  räumt jedoch ein, dass auch seine Gedanken gelegentlich um den prestigeträchtigsten Wettkampf für alle Ringer kreisen: „Das ist ein Traum von mir, mal bei Olympia dabei zu sein.“ Kahlenberg ist sich hundertprozentig sicher, dass es der Nachwuchsringer schaffen kann: „Er ist bereit, sich zu quälen, das ist das Wichtigste.“

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