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Tennis: Der Neusser Nadal war nur ein Vorgeschmack

Tennis : Der Neusser Nadal war nur ein Vorgeschmack

Vor zehn Jahren lief ein junger Spanier für BW Neuss in der Bundesliga auf – mittlerweile ist er einer der größten Spieler der Tennis-Geschichte.

Vor zehn Jahren lief ein junger Spanier für BW Neuss in der Bundesliga auf — mittlerweile ist er einer der größten Spieler der Tennis-Geschichte.

Foto: D. Skaliks

Dieser spanische Bengel hatte etwas ganz Besonderes. Damals schon, in jenem Sommer 2003 in Neuss. Wie der gerade 17-Jährige mit entschlossener, fast grimmiger Miene die Stufen vom Klubhaus zum Platz hinabstapfte, die wilden Haare von einem Stirnband gebändigt, das gelbe Shirt viel zu groß. Wie er den weit älteren Gegner Giorgio Galimberti zermürbte, jeden Schlag lautstark untermalte, die Vorhand bereits so unnachahmlich spielte — mit links geschlagen, den Schläger im verrückten Winkel über die linke Schulter ausgeschwungen.

Foto: D. Skaliks

Zehn Jahre nach seinen beiden Einsätzen für Blau-Weiß Neuss ist Rafael Nadal längst ein Weltstar. Einer der Größten in der Geschichte des (Tennis-)Sports. Vor zwei Wochen hat der Mallorquiner zum achten Mal die French Open gewonnen, niemals zuvor war dies jemanden bei einem Grand-Slam-Turnier gelungen. In Roland Garros erlebte die Welt den typischen Nadal: Gnadenlos auf dem Court, ein Tennis-Krieger, abseits der Plätze aber zurückhaltend, fast schüchtern, höflich.

So war er schon 2002, als eine kleine BW-Delegation bei den Nadals im heimischen Manacor vorstellig wurde. Ein Bekannter aus dem Insel-Städtchen hatte dem früheren BW-Vorsitzenden Matthias Stechmann zuvor gesteckt, dass es im Ort ein Ausnahmetalent gebe. Stechmann holte den Neusser "Meistermacher" Elu Hansmann mit ins Boot, und nach einem langen Gespräch mit dem jungen Rafael und Onkel Toni, bis heute sein Trainer, hatten sie einen Vertrag über zwei Einsätze in der folgenden Bundesliga-Saison in der Tasche.

Am 20. Juli 2003 feierte Nadal vor 1500 Zuschauern an der Jahnstraße am ersten Spieltag gegen Bamberg sein Debüt. Seit der Unterschrift hatte er sich um 150 Weltranglistenplätze verbessert, stand als 56. auf dem Sprung in die Weltklasse. Allüren waren ihm fremd, beim Fußball-Spielchen im Abschlusstraining auf der BW-Anlage blühte der Real-Fan richtig auf. Gegen Bambergs Galimberti siegte Nadal 7:5, 6:2, Neuss war nach einem 7:2 Tabellenführer, feierte den Jungstar. Dieser lief nur noch einmal für Blau-Weiß auf, besiegte am sechsten Spieltag in Oberhausen Albert Montanes 7:6, 6:2.

Nadals makellose Bundesliga-Laufbahn endete schnell, sein eigentliches Tennis-Märchen sollte erst beginnen: 22 Monate später gewann "Rafa" zwei Monate nach seinem 19. Geburtstag erstmals die French Open. Das war schon einmal einem früheren Neusser gelungen, dem Brasilianer Gustavo Kuerten. Doch das ist eine andere wundersame Sportgeschichte.

(NGZ/ac)