Lokalsport: Der Kanu-Zirkus zu Gast auf der Erft

Lokalsport : Der Kanu-Zirkus zu Gast auf der Erft

Zum zwölften Erftslalom treffen sich über 250 Kanuten aus ganz Deutschland zum Paddeln an der Gnadentaler Mühle.

Wenn sich Deutschlands Kanuten zu einem Wettkampf treffen, dann gleicht das Geschehen rund um das wilde Wasser immer auch einem großen Rummel. Überall wuseln Kinder und Jugendliche umher, stehen Wagen, Zelte und Wohnmobile herum. "Hier ist immer so viel los, dass man erst einmal den Überblick behalten muss", sagt Rolf Pohlen lachend, während im Hintergrund Dutzende Kanus von A nach B getragen werden. Mit seiner Kanugemeinschaft Erft richtet Pohler die zwölfte Auflage des Erftslaloms aus. 250 Sportler plus Zuschauer, Kampfrichter, Organisatoren, Eltern und Betreuer verwandeln das Gelände an der Gnadentaler Mühle für ein Wochenende in einen Kanu-Zirkus.

Fokussiert: Liv Konrad schlängelt sich an der Torstange vorbei. Foto: wsc

Ungewöhnlich ist das für Pohler nicht: "Kanufahren ist nun mal ein Sport, der viel Ausrüstung und Organisation braucht und bei dem viele Menschen, oft ganze Familien, beteiligt sind. Dementsprechend kann es auf solchen Veranstaltungen schon ein bisschen chaotisch aussehen." Schließlich sind geeignete Stätten, an denen der Sport ausgeübt werden kann, sehr begrenzt, weshalb die Kanu-Szene froh ist über jeden Wettkampf. Die meisten Aktiven kommen aus Nordrhein-Westfalen, manche Gäste sind aber auch aus Augsburg oder Halle/Saale angereist. "Die verbinden den Erftslalom dann zum Beispiel mit einem Besuch bei Bekannten oder Verwandten", sagt Pohler.

"Zwischen den Osterferien und den Sommerferien ist die beste Zeit", findet Liv Konrad vom WSC Bayer Dormagen, "denn da ist eigentlich jedes Wochenende etwas." Die 15-Jährige, die zu den vielversprechendsten Nachwuchsfahrerinnen Deutschlands gehört, zählt wie aus der Pistole geschossen die diversen Rennen und Meisterschaften auf, die in jedem Frühling auf dem Plan stehen. "Eigentlich bleibt da privat kaum noch Zeit für irgendetwas anderes", meint sie. Klagend klingt das aber nicht, denn der Sport ist die große Leidenschaft der amtierenden Deutschen Juniorenmeisterin mit der Einer-Mannschaft im Kajak: "Mir macht es super viel Spaß, sonst würde ich es ja nicht machen."

Und weil sie dadurch auch außerhalb des eigenen Vereins Woche für Woche die gleichen Gesichter sieht, entstehenden zwangsläufig enge Verbindungen und Freundschaften. "Wir verbringen in der Saison so viel Zeit miteinander, dass wir fast schon wie eine Familie sind", findet Konrad. Die äußeren Bedingungen wirken zunächst perfekt, denn die Sonne scheint. "Und wenn das Wetter mitspielt und es warm ist, macht alles gleich dreimal so viel Spaß", sagt die WSC-Fahrerin.

Der Nachteil daran: Weil es zuletzt wenig regnete, ist die Erft relativ seicht und nicht so reißerisch, wie es die draufgängerischen Slalomkanuten gerne hätten. "Wir mögen es gerne schnell, deswegen wäre ein bisschen mehr Wasser gut gewesen", sagt Pohler, für den das Sportliche in Gnadental aber ohnehin nicht im Vordergrund steht: "Dieses Rennen soll vor allem Spaß machen. Deswegen ist uns auch das Drumherum so wichtig." Ansonsten sei der Wettkampf perfekt, wie Konrad findet: "Was hier halt wirklich gut ist, sind die zwei Sprecher an der Strecke. Die bringen eine richtige Atmosphäre in den Wettkampf." Darüber hinaus sei auch das kulinarische Angebot berüchtigt: "Nach jedem Rennen gibt es ja immer etwas zu Essen und hier bekommen wir diese tollen Obstbecher. Allein deswegen lohnt es sich schon."

Damit der Erftslalom mit seinen insgesamt 45 Rennen über die Bühne gehen kann, packen über 100 Sportler der Kanugemeinschaft kräftig an. Der 2000 ins Leben gerufene Zusammenschluss umfasst derzeit zwölf Vereine, darunter neben dem WSC auch den Neusser Kanu-Club und die Holzheimer SG. Für Herbst 2019 haben Pohler und Co. zudem ein ganz besonderes Event im Auge: "Dann veranstalten wir die German Masters, zu denen viele nationale Spitzenfahrer kommen". Auch dort soll der Spaß an erster Stelle stehen: "Das wird ein Party-Event, zu dem die Szene zusammenkommt." Denn wenn der Kanu-Zirkus durch Deutschland tourt, dann gibt es immer Action - auf und neben der Strecke.

(cpas)
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