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Der Kaarster Heiko Thoms wird neuer deutscher Botschafter in Brasilien

Tennis : Botschafter in Brasilia statt Weltmeister im Tennis

Der Kaarster Heiko Thoms wird neuer deutscher Botschafter in Brasilien. Vater Günther Thoms wurde mit BW Neuss zehn Mal Deutscher Tennismeister.

Damit, dass sein Sohn die Diplomatenlaufbahn eingeschlagen hat, hat sich Günther Thoms inzwischen arrangiert. „Eigentlich sollte er ja Weltmeister im Tennis werden,“ sagt der 80-Jährige mit einem Augenzwinkern. Was bei der Familiengeschichte durchaus nahe lag. Schließlich kann Günther Thoms nicht nur auf eine lange und erfolgreiche Laufbahn als Tennislehrer und -trainer zurückblicken, sondern auch auf zehn Deutsche Mannschaftsmeistertitel, die er als Teamchef mit dem TC Blau-Weiss Neuss an die Jahnstraße holte.

Dort hat auch Sohn Heiko gespielt. Durchaus erfolgreich, denn mit 14 Jahren wurde er Niederrheinmeister in seiner Altersklasse. „Aber dann hat er sich relativ früh von den Familienfesseln gelöst,“ sagt Günther Thoms. Nach dem Abitur am Albert-Einstein-Gymnasium, einem Jurastudium, das er zusätzlich mit Islamwissenschaften und Arabistik garnierte, und einem Stipendium des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes, das ihm ein Jahr in Kairo, Tunis und Damaskus ermöglichte, trat der damals 31-Jährige 1999 in den Auswärtigen Dienst ein.

Günther Thoms mit Sohn Heiko und Enkel Raphael Foto: Thoms

Günther Thoms hatte sich da längst aufs Golfspielen verlegt. Auf der zehnten und gleichzeitig letzten blau-weissen Meisterfeier am 18. September 1994 erklärte er zu vorgerückter Stunde seinen Rücktritt. „Tags darauf“ – der mit ihm eng befreundete Mäzen Ernst-Ludwig „Elu“ Hansmann verkündete gerade den Rückzug des Rekordmeisters aus der Bundesliga – „habe ich mit Golfspielen angefangen,“ erinnert sich Günther Thoms. Fortan führte er zusammen mit Ehefrau Ingrid ein Pendlerleben zwischen seiner (inzwischen aufgelösten) Tennisschule in Daun in der Eifel, seinem bevorzugten Golfplatz in Polle im Weserbergland, wo er in der historischen Burg eine Wohnung bezog, und seinem Hauptwohnsitz in Kaarst. Sicherlich einige Kilometer, doch verglichen mit den Entfernungen, die im Leben seines Sohnes eine Rolle spielen, eher ein Katzensprung. „Brasilia ist natürlich der Hammer, das sind von hier 15 bis 17 Stunden Flug,“ sagt Günther Thoms mit Blick auf die neue Aufgabe seines Sohnes. Der 52-Jährige vertauscht im Juli seine Stelle bei der Nato in Brüssel, wo er Deutschland seit 2017 im Deputy Permanent Representatives Committee (DPRC) vertritt und in Abwesenheit von Botschafter Hans-Dieter Lucas die Ständige Vertretung bei der Nato leitet, mit der des deutschen Botschafters in Brasilien.

Günther Thoms mit Meisterpokal Foto: red

Was im Hause Thoms für zwiespältige Gefühle sorgt, nicht nur bei den (Groß-)Eltern, sondern auch bei den Enkelkindern Raphael (8) und Ava (4). Brüssel, gerade mal zweieinhalb Autostunden von Kaarst entfernt, lag ausgesprochen günstig. Günstiger jedenfalls als Heiko Thoms’ vorheriger Einsatzort als stellvertretender Ständiger Vertreter Deutschlands bei den Vereinten Nationen in New York, wo er von 2013 bis 2017 residierte. Zuvor war er Leiter des Ministerbüros beim Auswärtigen Amt in Berlin.

Günther Thoms hat sich mit den ständig wechselnden Bedingungen, die Familie seines Sohnes zu sehen, zu der noch die als Rechtsanwältin tätige Schwiegertochter Anahita gehört, längst abgefunden: „Das ist halt der Preis, den man für ein Diplomatenleben zu zahlen hat.“ Das um so mehr, als Heiko Thoms den Beruf des Diplomaten „nicht als irgendeinen Job“ empfindet, „er ist eine Lebensaufgabe.“

Außerdem hätte er als Tennisprofi auf der ATP-Tour ständig aus gerade gepackten Koffern leben müssen. Günther Thoms weiß das genau. 16 Jahre führte er den TC Blau-Weiss Neuss als Teamchef. Im Aufstiegsjahr 1978 und in der ersten Bundesliga-Saison, in der die Neusser auf Anhieb das Finale erreichten, das sie mit 2:7 gegen den „ewigen Rivalen“ TC Amberg am Schanzl verloren, war er selbst noch als Spieler dabei. Später formte er Teams mit internationalen und nationalen Top-Stars wie Anders Jarryd, Magnus Gustafsson und Martin Jaite, Uli Pinner, Andreas Maurer, Wolfgang Popp, Michael Westphal und Eric Jelen – zeitweise stand das komplette deutsche Daviscup-Team an der Jahnstraße unter Vertrag.

„Es war eine schöne Zeit,“ sagt Thoms rückblickend. Kontakte zu ehemaligen Spielern hat er kaum noch, nur mit dem in die USA ausgewanderten Andreas Koth aus der 78er-Aufstiegsmannschaft telefoniert er regelmäßig. Wenn er nicht gerade Golf spielt. Was inzwischen seltener der Fall ist, „weil mit 80 die Bewegungsabläufe nicht mehr so geschmeidig sind. Das war ja auch der Grund, warum ich mit Tennis aufgehört habe.“ Trotzdem ein Tipp: Auch in Brasiliens Hauptstadt gibt es einen 18-Loch-Platz, auf dem laut Homepage Gäste willkommen sind.