Lokalsport: Der HTC will nur irgendwie drin bleiben

Lokalsport: Der HTC will nur irgendwie drin bleiben

Mit dem Match beim Meister RW Köln beginnt für Hallenhockey-Bundesligist SW Neuss der Kampf um den Ligaverbleib.

Seit 2009 ist der HTC SW Neuss fünfmal auf- und sechsmal abgestiegen. Und dennoch - nach dem Wiederaufstieg zu Beginn des Jahres kennt Trainer Matthias Gräber für die Hallen-Saison abermals nur ein Ziel: "Wir wollen nur irgendwie die Klasse halten." Immerhin: Während auf dem Feld bei vier Anläufen am Ende stets der frustrierende Abstieg stand, blieben die wackeren Neusser, die in der Halle immerhin von 2001 bis 2013 der deutschen Eliteklasse angehört hatten, nach dem Aufstieg 2014 im Jahr darauf mal drin.

Am Samstag macht sich der ungekrönte Fahrstuhlkönig mit der Partie bei Rot-Weiß Köln ans Werk. Für Gräber eigentlich die Verlängerung der Vorbereitung. "Da spielt der Aufsteiger beim Deutschen Meister, mehr musst du gar nicht sagen. Die Kölner sind auf einem anderen Stern unterwegs." Derweil ging er mit seinen Schützlingen die heikle Mission konservativ an: "Um reinzukommen, haben wir erstmal gegen Klubs aus den unteren Ligen gespielt." Das gab die nötige Sicherheit fürs eigene Vorbereitungsturnier, das der HTC mit Siegen über Erstliga-Absteiger SW Köln (7:6) sowie die Zweitligisten Gladbacher HTC (7:2) und DSD Düsseldorf (4:3) ohne Verlustpunkt gewann. Dass im Abschluss das Duell mit Uhlenhorst Mülheim - der einzige Test gegen einen Erstligisten - klar verloren ging, bestätigte Gräber nur in einer Einschätzung: "Vor allem das Tempo im Oberhaus ist deutlich höher als in der 2. Bundesliga."

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Für ihn steht darum fest: Auch wenn ihnen in der Halle wegen verpflichtender Abstellungen an die Nationalmannschaft hin und wieder hochkarätiges Personal fehlen wird, weder RW Köln noch Uhlenhorst Mülheim, der Crefelder HTC und auch nicht der Düsseldorfer HC, "für mich nach dem Verlust zweier Topspieler so etwas wie eine Wundertüte", dürften für Neuss zu gefährden sein. Für ihn läuft damit alles auf zwei Endspiele gegen den Kahlenberger HTC hinaus. "Für die gilt im Grunde das gleiche wie für uns: Vielleicht zu gut für die 2. Liga, aber um in der 1. Liga mithalten zu können, muss alles schon optimal laufen. Du musst immer am absoluten Limit spielen, um vielleicht mal einen dreckigen Sieg einzufahren."

Hoffnung macht das gute Abschneiden auf dem Feld, wo der HTC in der 2. Bundesliga Nord nach der Hinrunde nur einen Punkt hinter Spitzenreiter Hamburger Polo Club den starken zweiten Rang belegt. "Diesen Flow möchten wir gerne mit in die Halle nehmen", wünscht sich Gräber. Wohl keine Sorgen muss sich der Coach im Tor machen: Marcin Pobuta ist trotz seiner 42 Jahre immer noch ein herausragender Goalie, hatte im Vorjahr mit prächtigen Leistungen großen Abteil am Aufstieg. Aber nach einer erstklassigen Feldsaison ist auch der gereifte Jonas Radeke (25) jetzt fit für die Halle. Er ist die Zukunft von Schwarz-Weiß, wenngleich Gräber klarstellt: "Ich gucke nicht darauf, was in drei Jahren ist. Für mich zählt nur der Klassenerhalt, und darum steht der beste Mann im Tor." Wen er zum Auftakt in den Kasten stellt, hat er noch nicht entschieden. (Leider) ziemlich klar ist dagegen die Situation in der Abwehr: Wirklich Erstligaformat besitzen lediglich der auch bei Ecken unverzichtbare Ivo Otto (28) und der aus Gladbach gekommene Tomasz Górny (31). Da der alte Haudegen Christoph Martial (35) eine Pause einlegt, stehen im Notfall nur Carsten Merge (25) und Oliver Stümpel (31) zur Verfügung. Viel besser sieht es weiter vorne aus: Philipp Weide (35), der ebenso wie Tomasz Górny auf die Teilnahme mit Polen an der Hallen-Weltmeisterschaft vom 7. bis 11. Februar in Berlin hofft, genügt ebenso immer noch höheren Ansprüchen wie der Ex-Weltmeister Sebastian Draguhn, Steven Dühr (je 33) und Mario Stümpel (27). Der flinke Cedric Heimbach (20), mit seinen Toren einer der Aufstiegsgaranten in der Halle, Jan Mausberg und Julian Dettmer (beide 19) sind die Vertreter der jungen Fraktion. Auch der auf dem Feld so überzeugend aufspielende Max Hubert wäre ganz sicher ein Kandidat für den Einsatz in der Beletage gewesen, fällt aber wegen seiner Verpflichtungen im Studium aus. Dass nicht mehr eigene Talente den Sprung in den Kader geschafft haben, findet der Coach betrüblich, sieht den HTC mit diesem Problem aber in guter Gesellschaft: "Auch Krefeld greift auf die Butt-Brüder zurück, der UHC Hamburg hat sogar den schon 36 Jahre alten Patrick Breitenstein reaktiviert."

(NGZ)