Kanu: Der "Holzheimer Jung" kehrt nach Hause zurück

Kanu : Der "Holzheimer Jung" kehrt nach Hause zurück

Der ehemalige Kajak-Weltmeister Robert Gleinert (25) hat Berlin den Rücken gekehrt. Sein Ziel aber bleiben die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro.

Holzheim Kein Blick zurück im Zorn. "2010 nach Berlin zu gehen, war die beste Entscheidung", betont Robert Gleinert. Hier ist er gemeinsam mit Norman Bröckl. Max Hoff und Paul Mittelstedt 2011 Weltmeister im Vierer-Kajak über 1000 Meter geworden. Bis heute die Sternstunde seiner Karriere als Leistungssportler. Doch die Spree hat für den mittlerweile 25-Jährigen ihren Reiz verloren. Der "Holzheimer Jung" ist nach Hause zurückgekehrt. Und das sei gut so, findet der Modellathlet: "In Berlin habe ich viele und tolle Erfahrungen gesammelt. Aber jetzt freue ich mich natürlich mehr darüber, wieder da zu sein, wo die Erft den Rhein begrüßt ... bei der Familie und meinen Freunden."

Auch sportlich steht der Polizeimeisteranwärter vor einem Neuanfang. "Als Gesamtzehnter der Einerkajak-Qualifikation im Mai hatte ich mich zwar offiziell in den erweiterten Kreis der Nationalmannschaft gefahren, aber noch vor dem ersten Weltcup wurde ich ohne Begründung ausgebootet." Während der Deutsche Kanu-Verband (DKV) die schlechteste Saison seit dem Fall der Mauer hinlegte - mit dem Vierer-Kajak schaffte es das deutsche Paradeboot noch nicht mal ins WM-Finale -, nahm Robert Gleinert den internationalen Rennkalender von der Wand und machte sich "gründlich Gedanken, wie ich auf dem Weg nach Rio 2016 mehr oder weniger in Eigenregie wieder in die richtige Spur finden könnte".

Kurzerhand schnallte er sich sein Rennkajak aufs Autodach und fuhr dahin, wo die Wettkämpfe sind, startete unter anderem vor der malerischen Alpenkulisse von Südtirol. "So hielt ich mich bei guter Laune; zwei Siege in Italien gaben mir auch das nötige Selbstvertrauen zurück." Die Auszeit nach vier Jahren in der Nationalmannschaft habe ihm gutgetan, sagt er. "Im Herbst bin ich mit neuer Energie ins vorolympische Jahr gestartet." Starke Trainingspartner fand der Holzheimer bei der KG Essen, "mittlerweile so etwas wie der FC Bayern München des Kanurennsports". In dessen gelbem Trikot nimmt er im Februar an einem knapp einmonatigen Trainingscamp in Florida teil. Im Anschluss folgt - unter anderem in Rom - die heiße Vorbereitungsphase auf die Qualifikationsfahrten. "Dann spitzt sich die Intensität zu", weiß Gleinert: "Man lebt förmlich aus dem Koffer. Und mit jeder Hürde in Richtung Rio nimmt auch der zeitliche Aufwand immer mehr zu." Doch sein Kopf ist klar genau wie seine Prioritäten: "Ich habe es mir fest als Ziel vorgenommen, meine Stärken im Herren-Vierer wieder unter Beweis zu stellen und bis zu den Olympischen Spielen mit Herzblut bei der Sache zu bleiben."

Die Ausgangssituation sei nun gänzlich anders als vor gut einem Jahr, ist er überzeugt, "da alle Karten neu gemischt werden und die Chefetage im DKV inzwischen aussortiert wurde. Letztlich liegt es jedoch an mir. Ich muss mit starken Leistung überzeugen, denn die Konkurrenz schläft nicht."

(NGZ)
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