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Fußball: Der "Fußball-Papa" im Team des SC Kapellen

Fußball : Der "Fußball-Papa" im Team des SC Kapellen

Mit 27 Jahren ist Lars Faßbender schon der zweitälteste Spieler des Oberligisten. Am Samstag tritt er mit dem SCK bei seinem alten Klub an.

Mit 27 Jahren ist Lars Faßbender im besten Fußballalter, genau in der Phase einer Sportkarriere, in der sich die körperliche Leistungsfähigkeit und der Erfahrungsschatz auf höchstem Niveau ergänzen. Und trotzdem: Im Bubi-Team des Oberligisten SC Kapellen nennen ihn alle nur Papa, weil er nach Dalibor Cvetkovic (29) schon der zweitälteste Akteur im Kader von Trainer Chiquinho ist. Eine ganz neue Erfahrung für Faßbender, "als ich noch beim TuS Grevenbroich gespielt habe, war ich nämlich immer einer der Jüngsten".

Neu ist der ungemein schussstarke Kicker auch beim SCK — und damit trifft er am Samstag (16 Uhr, Anlage am Norfer Weg) im Derby auf seinen alten Verein SV Uedesheim. Dort hatte der als Kapitän des TuS Grevenbroich in den Neusser Süden gewechselte Lockenkopf nur eine Saison verbracht. "Ich hatte kein Angebot aus Uedesheim, und als die Anfrage aus Kapellen kam, habe ich sofort zugesagt, schließlich habe ich es ja aus Wevelinghoven nicht weit bis ins Erftstadion", begründet er seinen Wechsel.

Dass ihn Trainer Ingmar Putz beim SVÜ offenbar nicht mehr haben wollte, nimmt er als zusätzlichen Anreiz mit ins Duell. "Ich will jetzt keine schmutzige Wäsche waschen", betont er, zumal er sich in Uedesheim ansonsten sehr wohl gefühlt habe, fügt aber selbstbewusst hinzu: "Ich hoffe, dass mich Chiquinho am Samstag aufstellt. Ich bin wirklich topmotiviert!" Allerdings ist sein Einsatz ungewiss, denn seinen Posten auf der rechten Außenbahn könnte nach überstandener Verletzung wieder Sükrü Ak beanspruchen.

"Wenn er fit ist, wird er wohl spielen, er ist ja gelernter Rechtsverteidiger." Weil die Rolle im defensiven Mittelfeld — dort lief er zuletzt auch in Uedesheim auf — mit Frederik Leufgen besetzt ist ("Er ist halt ein typischer Sechser."), ist er gespannt, mit welcher Aufgabe ihn der Coach nunmehr betraut.

"Ich kann auch links spielen", versichert er schmunzelnd. Bedarf besteht am ehesten im Sturm. Erst vier Tore stehen für den SCK nach vier Partien zu Buche. Dabei, sagt Faßbender, weise die Buchführung von Co-Trainer Mo Elmimouni jr. mittlerweile mehr als 30 hundertprozentige Chancen aus. "So etwas habe ich noch nie erlebt." Ein Missverhältnis, das natürlich auch innerhalb der jungen Mannschaft ein heißes Thema ist, wenngleich Faßbender empfiehlt, die Sache nicht so hoch zu hängen. "Irgendwann platzt der Knoten schon. Das ist ja kein Unvermögen. Ede Ungefug zum Beispiel hat in der letzten Saison 18 Tore erzielt. Er weiß also, wie es geht."

Das Potenzial von Fußballern einzuschätzen, ist sein Job. In den vergangenen beiden Jahren durchforstete er für den 1. FC Köln als Talentscout zunächst die Niederlande, dann Österreich und die Schweiz. Eine Arbeit, die sich vorwiegend am PC abspielte — und die er nur allzu gerne in hauptamtlicher Funktion weitergeführt hätte. Doch seit dem Abstieg der Geißböcke aus der Eliteliga sitzt das Geld in der Domstadt nicht mehr ganz so locker, und der angebotene Jahresvertrag war Faßbender einfach zu dürftig dotiert.

Darum schraubte er sein Engagement deutlich zurück, sichtet für den FC samstags nur noch in Grevenbroich. Seinen Lebensunterhalt kann er davon natürlich nicht bestreiten, "aber ich will den Kontakt auch nicht ganz abreißen lassen. Wenn die Kölner aufsteigen, tun sich vielleicht wieder neue Möglichkeiten auf ..."

Untätig auf die Erfüllung eines Traums zu warten, ist seine Sache freilich nicht. Darum hat sich der diplomierte Sportökonom auch in anderen Wirtschaftszweigen umgesehen. Wichtig ist ihm dabei die Nähe zur Heimat an der Erft. "Hier lebt meine Familie, hier sind meine Freunde — und hier ist der Fußball." Am aktiven Umgang mit dem runden Leder hängt nach wie vor sein Herz. "Ich spiele, so lange mich meine Füße tragen", kündigt er lachend an. Enthusiasmus, der im Übrigen nicht von Einsätzen in der Oberliga abhängt. Schon jetzt ziemlich klar ist, dass er irgendwann zum inzwischen nur noch in der Bezirksliga spielenden TuS Grevenbroich zurückkehren wird.

Dort liegen seine Wurzeln als Kicker, dort ist sein Vater Wilfried Faßbender als 2. Vorsitzender tätig. Jetzt aber will er sich erst mal beim SCK durchsetzen. Dass bei Chiquinho Disziplin großgeschrieben wird, kommt ihm dabei zugute, "Und dass der Ton manchmal ein bisschen rauer ist, damit muss du eben klarkommen."

Sein Fahrplan für die Rückkehr nach Uedesheim ist ebenfalls klar: "Ich will gewinnen! Und als Mitglied der Viererkette wäre ein Zu-Null-Sieg natürlich super — von mir aus kann das Spiel auch 1:0 für uns ausgehen."

(NGZ)