Basketball: Der etwas andere Trainer

Basketball: Der etwas andere Trainer

Noch hat Hartmut Oehmen seinen Dienst beim Basketball-Regionalligisten NEW Energie Elephants nicht angetreten. Doch der 46 Jahre alte Marketing-Experte sprüht bereits vor Ideen. Sein Saison-Motto heißt: "Back to Emotion".

Von den ungarischen Basketball-Professoren István Kozocsa und Mátyás Ránky über den unermüdlichen Arbeiter Raphael Wilder bis zum ultra-coolen Heimo Förster — seit mehr als anderthalb Jahrzehnten kümmern sich bei den Elephants anerkannte Fachleute ums aktive Personal. Das muss sich mit der Verpflichtung von Hartmut Oehmen für die kommende Saison nicht zwangsläufig ändern. Doch eine flapsig hingeworfene Feststellung wie, "Training wird einfach überschätzt", wäre seinen Vorgängern ganz sicher niemals über die Lippen gekommen.

Nichtsdestotrotz ist man in Grevenbroich fast schon verzweifelt davon überzeugt, dass der 46 Jahre alte Krefelder, der als Inhaber eines Sportgeschäfts und Marketing-Experte über glänzende Kontakte in die Sportszene verfügt, genau der Richtige ist, um das zuletzt in gefährlicher Schieflage herumdümpelnde Elephants-Schiff wieder flott zu machen. Wie ernst die Lage ist, verdeutlichte Vorsitzender Dr. Friedrich W. Korsten am Donnerstag im Rahmen der Jahreshauptversammlung. Weil durch den unerwarteten Rückzug eines Sponsors im Etat plötzlich eine fünfstellige Summe fehlte, sei sogar die Insolvenz ein Thema gewesen.

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Inzwischen habe sich die bis zum Saisonende errechnete Liquiditätslücke zwar von anfänglich 25 000 auf 5000 Euro verkleinert, doch Aussagen über die nächste Saison hinaus vermöge er nicht zu treffen, sagte Korsten. Unabhängig davon wollen die Elephants am "Projekt 2013" und damit am Aufstieg in die Zweite Bundesliga (Pro B) festhalten. Diesem Druck fühlt sich Oehmen, der in der Schlossstadt auch als Manager tätig werden soll, gewachsen. Obgleich er mehr über den Fußball komme, "ich bin Ausrüster des KFC Uerdingen und habe ab 1985 15 Jahre die Stadionzeitung von Bayer Uerdingen gestaltet", betrachtet er Basketball als Herzensangelegenheit. Fast im Alleingang hat der 2,04 Meter große Lebemann die Krefeld Panthers bis in die Zweite Bundesliga geführt und auch die Willich Wildcats stiegen unter seiner Regie innerhalb von vier Jahren von der Landesliga bis in die Regionalliga auf.

Er sieht sich nicht so sehr als Basketball-Lehrer. "Ich bin nicht wie Heimo Förster, ich komme von der Emotion. Bei mir stimmt die Chemie im Team — das ist mein Erfolgsrezept." Zwar bringt er aus Willich in Martin Esters (23) einen am College in den USA ausgebildeten Co-Trainer mit, doch weiß er selber genau, welche Spieler er in seiner Mannschaft haben will. "Ich brauche echte Typen. Hast du die, hast du auch die Zuschauer." Im aktuellen Kader der Elephants — am Donnerstag führte er Einzelgespräche mit allen Akteuren — hat er in Patrick Schiele seinen absoluten Lieblingsspieler ausgemacht. "Das ist ein Malocher. Und Wille ist für mich wichtiger als Talent."

(NGZ)
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