Jüchen : Der Eisvogel ist zurück

Der "fliegende Edelstein" nimmt vermehrt wieder Kurs auf Jüchen: Er landet an den Steilwänden, die der "Nabu" angelegt hat. Was die Naturschützer um Rudolf Kuhn nun mit Spannung erwarten: die ersten Jungvögel, ausgebrütet in Jüchen. Doch der Brut des Eisvogels droht Gefahr.

Nachwuchs bei den Eisvögeln in Jüchen — das wäre die beste Nachricht für Rudolf Kuhn (44) und die 80 Mitglieder der Jüchener Ortsgruppe des "Naturschutzbundes Deutschland (Nabu)". "Wir freuen uns sehr, dass der Eisvogel mittlerweile unsere Steilwände angenommen hat", sagt der Chef der Jüchener Ortsgruppe. "Jetzt hoffen wir, dass er dort auch seine Bruthöhlen anlegen wird." Dabei ist die Aufzucht des Nachwuchses keine einfache Sache bei Familie Eisvogel: Die unterirdischen Bruthöhlen können leicht durch Menschen oder Fahrzeuge beschädigt werden. Deshalb gilt für jede Höhle: "Top secret". "Ihre Lage halten wir streng geheim. Wir wollen alles tun, damit Eisvögel dort brüten werden", sagt Rudolf Kuhn.

Der prächtige Eisvogel ist zurück nach Jüchen gekehrt. Um den Schutz des "fliegenden Edelsteins" kümmern sich die Nabu-Mitglieder um Rudolf Kuhn ( Foto: Lagies/Reuter/Nabu

Bruthöhlen droht Zerstörung

Foto: Reuter, Michael

Zweimal war der Eisvogel bereits "Vogel des Jahres", 1973 und 2009. Keine Überraschung bei seinem auffälligen Aussehen: Zwar ist sein Körper gedrungen, sind sein Schwanz und seine Flügel kurz. Doch sein Gefieder schillert metallisch in Blau und Smaragdgrün — daher auch der Beiname "Fliegender Edelstein"—, sein langer Schnabel ist geformt wie ein Dolch. Dieser ist das geeignete Instrument, um kleine Fische zu erbeuten. Ganz still lauert der Eisvogel am Wasser, um sie dann per Tauchstoß zu fangen.

Der scheue Vogel wählt intakte Gewässer mit vielfältigem Fischangebot aus — als in der Erft etwa Fischbestände schrumpften, suchte sich auch der Eisvogel andere Landeplätze. Erst seit etwa zehn Jahren ist der schillernde Kleinvogel wieder in der benachbarten Schlosstsadt heimisch — und nun auch in der Gemeinde Jüchen.

"Es hat einige Jahre gedauert, bis der Eisvogel eine Steilwand akzeptiert hat", erzählt Rudolf Kuhn. Diese hätten die Naturschützer "mit viel Schweiß und Mühe" am Jüchener Bach im Gemeindegebiet angelegt. Der Jüchener Bach sei zwar an einigen Stellen renaturiert worden, aber insgesamt würden noch Steilwände fehlen: "Deshalb haben wir eine solche Wandangelegt, damit der Eisvogel dort auch seine horizontalen Bruthöhlen graben kann", erläutert der Vorsitzender der Jüchener Nabu-Ortsgruppe.

Jetzt heißt es erst mal — ähnlich wie bei William und Catherine — abwarten: Die Brutzeit des Eisvogels liegt zwischen April und August. Meist gibt es zwei, manchmal drei Mal Nachwuchs pro Jahr. Ob der Eisvogel in Jüchen brütet, weiß bisher noch niemand.

Der Eisvogel ist zudem nicht das einzige gefiederte Tier, um das sich der Nabu sorgt: "Wir wollen uns auch um den Steinkauz kümmern. Er hat die mehr als 40 Bruthöhlen nicht angenommen und wir wollen untersuchen, woran das liegt."

(NGZ/rl)