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Designer-Schuhe für Fussballer: Der DJK-Fußballschuh

Designer-Schuhe für Fussballer : Der DJK-Fußballschuh

Jürgen Fells aus Erfttal ist für verrückte Ideen stets zu haben. Nun will der 49-Jährige den Mitgliedern der DJK Gnadental einen speziell designten Nockenschuh schmackhaft machen. Im Blick hat er freilich auch andere Klubs.

Jürgen Fells lacht gerne. Eine Fröhlichkeit, die ansteckt, weil sie spontan ist und von Herzen kommt. Mit fast schon südländischer Gestik kann er Menschen mit- und auch vom Hocker reißen. "Immer locker bleiben, nicht verkrampfen", lautet sein sympathisches Lebensmotto. Jürgen Fells ist Optimismus pur.

Und das ist gut so, denn mitunter ist das Leben an sich nur ganz schwer zu ertragen. Als dem 49-Jährigen der Radiologe seines Vertrauen mitteilte, dass er eigentlich längst im Rollstuhl sitzen müsse, "da stand mir das Wasser schon in den Schuhen", gibt er zu und tippt mit dem Finger auf seine malträtierte Halswirbelsäule. Den Grund für das höchst beunruhigende Kribbeln von den Zehen bis hinauf zu den Fingerspitzen kennt er bis heute nicht. "Aber ich weiß jetzt unglaublich viel darüber, was ich nicht habe." Galgenhumor.

Wie war das gleich noch? Was uns nicht umbringt … Jürgen Fells lebt danach. Nach einer vor allem emotional extrem belastenden Scheidung hat er sich mit seinen beiden Söhnen Max (14), der mit den C-Junioren des TSV Norf in der Niederrheinliga Fußball spielt, und Alexander (13), auf dessen Dienste die Tischtennis-Abteilung der Turngemeinde Neuss baut, zusammengerauft. "Wir sind eine Männer-WG." Die funktioniert jetzt seit fast drei Jahren — ganz einfach weil sie muss.

Der seit 25 Jahren selbstständige Berufsoptimist — er beliefert den Möbelhandel mit Accessoires und modernen Leuchten — erzählt das mit einem Lächeln auf den Lippen. Nur ganz leise räumt er ein: "Es kommt schon vor, dass der Akku mal leer ist, dann würde ich am liebsten aus dem Fenster springen." So weit würde er natürlich niemals gehen. Er nimmt den oft stressigen Alltag als Sport. Noch als 42-Jähriger kickte er mit der DJK Gnadental unter Trainer Ralf Frohs in der Bezirksliga, markierte in seinem letzten Spiel einen Treffer und bereitete einen weiteren vor. "Trotzdem haben wir damals gegen Fortuna Mönchengladbach verloren." Dem Fußball ist er stets treu geblieben — genau wie seinen alten Teamkollegen. Gemeinsam mit den Otto-Brüdern Ralf, Olaf und Gunter, mit Rainer Hiller, Michael Jäger, Christoph Döhlings und Stephan Klutzny belegte er vor zwei Jahren bei der ersten Deutschen Meisterschaft für Ü40-Oldies Platz fünf.

Der Donnerstag ist stets für das Training mit den alten Kumpels geblockt, komme, was da wolle. "Ich glaube, das gibt irgendwann ein Gemeinschaftsgrab", vermutet er. Ein Spaßvogel. So ein Mensch muss einfach auf die Bühne. Seit zehn Jahren gehört er zum festen Ensemble der "Kleinen Bühne", ein 1980 gegründeter Theaterkreis der Pfarrgemeinde St. Cornelius in Erfttal. "Die Vorstellungen, deren Einnahmen stets einem guten Zweck dienen, sind immer schon Wochen vorher ausverkauft", sagt er stolz. "Männer sind auch nur Menschen" hieß die letzte Komödie. Natürlich ein Erfolg. Dabei hätte sich Jürgen Fells niemals vorstellen können, dass aus ihm mal ein Schauspieler werden könnte. "Ich kann ein Lokal unterhalten, aber auf die Bühne kriegen mich keine zehn Pferde, dachte ich."

Dass er sich überwand, hat sein Leben bereichert — genau wie das seiner Mitmenschen. "Das hält mich frisch", verrät er und fügt lachend an: "Eigentlich habe ich gar keine Zeit zu altern, leider merke ich's aber in den Knochen."

(RP)