Reitsport : Der CHIO als Generalprobe

Die Voltigierer des RSV Neuss-Grimlinghausen treffen sieben Wochen vor den Welt-Titelkämpfen ab morgen in der Aachener Soers auf die Weltelite. Natürlich kommt es wieder zum Duell mit dem Erzrivalen VV Ingelsberg.

Die Stars der Szene sind sich einig: Kein Voltigierturnier auf der Welt übt einen solchen Reiz auf die Akrobaten zu Pferde aus wie der CHIO. "Aachen ist Perfektion. Aachen ist das Maß aller Dinge. Aachen ist einfach geil", sagt auch Jessica Schmitz, Trainerin des RSV Neuss-Grimlinghausen.

Die Mannschaft vom Nixhof löste vor zwei Wochen in Krumke das WM-Ticket nach Le Mans (15. bis 19. August). Nun steht die Generalprobe vor der Haustür an. Beim "Weltfest des Pferdesports" treten die Rheinländerinnen ab morgen gegen die besten Teams der Welt an. Sieben Wochen vor den Welttitelkämpfen gilt es, in der legendären Aachener Soers das nötige Selbstvertrauen zu tanken. Das CHIO-Gelände und insbesondere die Albert-Vahle-Halle sind dafür der perfekte Ort. Nirgendwo sonst haben die jungen Damen bislang so dominiert. In Aachen feierte der RSV seine größten Erfolge, gewann 2006 die Weltreiterspiele, war im Anschluss Seriensieger des CHIO.

"Aachen ist ein gutes Pflaster für uns", sagt Trainerin Schmitz, die in dieser Woche ihren 31. Geburtstag feierte. Ihre Mannschaft möchte am Sonntag das perfekte Geschenk nachreichen: Den erneuten Sieg im Nationenpreis am Sonntag. Bei diesem geht es seit jeher nicht nur um für den Voltigiersport exorbitante Summen (Gesamtdotierung 10 000 Euro), sondern auch um die berüchtigte Sache an sich. Das Prinzip des Cups ist weltweit einzigartig: Für jedes Land gehen jeweils zwei Einzelvoltigierer sowie eine Mannschaft mit ihren Küren an den Start. Geturnt wird unmittelbar nacheinander, die Mannschaft zuletzt. Die drei Noten werden addiert, die Sieger jubeln. Simpel. Clever. Publikumswirksam.

Wenn alles nach Plan läuft, setzten die Schmitz-Schützlinge am Sonntag auf Arkansas (der nach einer Verletzung auf dem Weg nach Krumke wieder vollständig genesen ist) ein entscheidendes Signal auf internationaler Ebene in Hinblick auf die WM. Die Konkurrenz der Nixhofer ist dabei absolut championatswürdig: Allen voran kommt es erneut zum Duell mit dem dreifachen Weltmeister vom VV Ingelsberg. Das Team um Voltigiermeister Alexander Hartl hat die verpasste WM-Nominierung vor zwei Wochen verdaut. "Klar sind wir enttäuscht. Aber unser Blick ist nach vorn gerichtet. Wir sind heiß auf Aachen", sagt der 46-Jährige, der mit seinem Team einmal mehr deftige Voltigierkost verspricht. Die bayrischen Zutaten: Unerreichte Dynamik zu rockigen Klängen von Meat Loaf, auf dem Pferd gelebte Hingabe und eine oft prämierte Risikobereitschaft. Das Neusser Konzept auf ihrem Westfalen-Wallach besticht durch Eleganz, Exaktheit und meisterliche musikalische Feinabstimmung auf die Bewegungen.

(df)