Der Klassiker der TG Neuss feiert seinen 40. Das ist der Neusser Sommernachtslauf

Neuss · Die Löschzüge der Feuerwehr laufen die Staffel in voller Montur, eine verlorenen Wette macht einen Vater zum T-Rex und kleine Hockey-Mädchen trumpfen groß auf – das Laufspektakel der TG Neuss schreibt wieder mal Geschichte(n).

Wie ihre Väter für den HTC Schwarz-Weiß Neuss im Einsatz (v.l.): Marisa, Sophia, Ella und Philippa Draguhn.

Wie ihre Väter für den HTC Schwarz-Weiß Neuss im Einsatz (v.l.): Marisa, Sophia, Ella und Philippa Draguhn.

Foto: Andreas Woitschützke

Augen auf bei der Kostümwahl! Peter Zander erreichte beim 40. Neusser Sommernachtslauf am Samstag als zum Glück gar nicht gefährlicher T-Rex das Ziel. Eine ziemlich schweißtreibende Angelegenheit. Nach fünf Kilometern, für die er auf Rang 509 trotz der wenig aerodynamischen Verkleidung nur 36:45 Minuten benötigte, verriet er schmunzelnd: „Das war anstrengend. Gott sei Dank gab es keinen Wind.“ In diese verzwickte Lage hatte ihn eine Wette mit seinem Sohn Tamino gebracht. „Ich laufe selbst viel und wollte ihn auf diese Weise zum Mitlaufen animieren.“ Der ließ sich diese Gelegenheit, den Vater in die Bredouille zu bringen, natürlich nicht entgehen, schnürte die Laufschuhe und rannte in 36:36 Minuten auf Platz 503. Danach kündigte er, mit dem unausgesprochenen Hinweis auf das Ende der Dinosaurier vor etwa 65 Millionen Jahren, mit einem frechen Grinsen an: „Nächstes Jahr laufe ich als Meteorit.“

Wenn der auf der Erde einschlägt, werden die Mitglieder des Löschzugs 11 der Feuerwehr Neuss ganz sicher zur Stelle sein. Wie fix sie auf den Beinen sind, stellten sie in den Team-Staffeln über 4x1,1-Kilometer unter Beweis. In voller Montur, auf dem Rücken mit rund zehn Kilogramm schweren Atemluftflaschen und Stiefeln, die nach wenigen Metern wie Betonklötze an den Füßen hängen, stellten sie sich klaglos der wesentlich luftiger gekleideten Konkurrenz. Am besten taten das Meike Oltmer, Patrick-Tom Kreß, Lennart Rath und Jan Ackermann, die unter 52 Staffeln in 20:20 Minuten auf den 33. Rang spurteten. Respekt.

 Auch ohne Pferd sportlich: Die Voltigiergruppen des RSV Neuss-Grimlinghausen waren mit elf Staffeln beim Sommernachtslauf am Start.

Auch ohne Pferd sportlich: Die Voltigiergruppen des RSV Neuss-Grimlinghausen waren mit elf Staffeln beim Sommernachtslauf am Start.

Foto: Agnes Werhahn

Den hatte sich auch der Nachwuchs des Hockey- und Tennis-Clubs HTC SW Neuss verdient. Die Jungs und Mädels von der Jahnstraße rief der seit Jahren für die Siegerehrungen zuständige Thomas Gindra mit großer Regelmäßigkeit auf die Bühne am Rande der Strecke. Das erfüllte Abteilungsleiter Thomas Draguhn mit Stolz, zumal in Sophia und Ella seine beiden Töchter eifrig am erfolgreichen Auftritt mitstrickten. Bruder Sebastian Draguhn, mit Deutschland Weltmeister 2006 (Feld) und 2007 (Halle), feuerte seine Mädchen Philippa und Marisa an. Beim Bundesliga-Comeback des ehemaligen Nationalspielers in der Halle war es genau andersherum gewesen. Mit Titel kennen sich auch die Voltigiererinnen des RSV Neuss-Grimlinghausen aus. Deren Vorsitzender Clemens Hüsgen freute, dass der kleine Verein vom Selikumer Nixhof gleich elf Staffeln an den Start brachte. „Schließlich haben wir nur rund 200 Mitglieder.“

Schützenkönig Christoph Heusgen gab gesundheitlich angeschlagen auf.

Schützenkönig Christoph Heusgen gab gesundheitlich angeschlagen auf.

Foto: Andreas Woitschützke

Den Wettkampf über zehn Kilometer nahm auch Christoph Heusgen auf, doch allzu viel bekam das Publikum vom Neusser Schützenkönig nicht zu sehen. Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz hatte schon vor dem Startschuss im Gespräch mit Klaus Ehren, Geschäftsführer der veranstaltenden TG Neuss, über Erkältungssymptome geklagt. Die behinderten ihn während des Laufs ganz offensichtlich so stark, dass er bereits in der zweiten Runde ausstieg. Vielleicht ist er im nächsten Jahr wieder dabei, könnten sich Ehren und Martin Flecken, Präsident des Bürger-Schützen-Vereins Neuss, doch gut eine Neuauflage des Schützenlaufs im Rahmen der Veranstaltung vorstellen. Im vergangenen Jahr hatten sich Teile des Regiments in Uniform auf die 700-Meter-Strecke begeben, um damit auf Initiative von Schützenkönig Marc I. (Hillen) den Spendentopf des Vereins „Schützen gegen Krebs“ zu füllen.

 Peter Zander lief über fünf Kilometer als braver Tyrannosaurus rex ins Ziel.

Peter Zander lief über fünf Kilometer als braver Tyrannosaurus rex ins Ziel.

Foto: Andreas Woitschützke

In erster Linie um Aufmerksamkeit bemüht war Bert Römgens, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf-Neuss, der mit Mitgliedern der Freundschaftsgesellschaft „Chaverut“ im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Neuss und Herzliya beim Lauf präsent war. Mit ihren T-Shirts „Run for Their Lives“ und Fotos der in den Gazastreifen verschleppten Geiseln erinnerten sie an den am 7. Oktober von der Hamas verübten Terrorangriff auf Israel. Die Verbindung zur Turngemeinde war über den im März zu deren Ehrenvorsitzenden gewählten Mario Meyen entstanden. Der 66-Jährige ist ebenfalls Mitglied der Gesellschaft „Chaverut“.

„Run for their Lives“: Bert Römgens (M.) erinnerte in Neuss mit seiner Gruppe an das Schicksal der von der Terrororganisation Hamas entführten Geiseln.

„Run for their Lives“: Bert Römgens (M.) erinnerte in Neuss mit seiner Gruppe an das Schicksal der von der Terrororganisation Hamas entführten Geiseln.

Foto: Andreas Woitschützke

Für den musikalischen Spaß war die „Joekskapel Göt Net“ aus dem niederländischen Venray zuständig, für die Infos von der Strecke das wie immer gut aufgelegte Moderatorenteam. Dem gehörte diesmal auch Jens Rustemeier von NEWS 89.4 an. Der Tischtennisspieler der DJK Holzbüttgen vertrat zunächst Eiko Pate, der kam direkt von seinem Mikrofoneinsatz in Oberhausen, wo sich Rhein Fire, amtierender Champion der European League of Football (ELF) mit Sitz in Düsseldorf, erstmals seit über einem Jahr den Madrid Bravos geschlagen geben musste, in die Neusser City. Er rückte an die Seite von André Scheidt, der als Stadionsprecher von Fortuna Düsseldorf noch am Scheitern des Fußball-Zweitligisten in den Relegationsspielen gegen den VfL Bochum zu knabbern hatte.

Ungetrübt war indes der Tag von Klaus Ehren: Weder in der Nacht nach dem Sommernachtslauf, der für die entspannten Polizeibeamten vor Ort gegen 0 Uhr mit der Freigabe der für den Autoverkehr gesperrten Straßen tatsächlich beendet war, noch bei der obligatorischen Kontrollfahrt am Morgen habe es etwas zu mäkeln gegeben. „Sogar die von den Helfern am Straßenrand abgestellten Gitter standen noch da, wo sie hingehören. Das ist, soweit ich mich erinnern kann, noch nie vorgekommen.“

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