Korschenbroich : Denkmalschutz umstritten

Die Denkmalliste der Stadt ist lang: Der komplette Ortskern von Alt-Liedberg steht ebenso unter Schutz wie weitere 200 Objekte. Ob das alte Pfarrhaus künftig auch auf dieser Liste erscheint? Eine Frage, die viele Bürger beschäftigt.

Alte Mauern mit einem Bagger einzureißen und platt zu machen, das ist schnell getan. Doch davor steht in der Regel noch der Denkmalschutz. Die Untere Denkmalbehörde ist bei der Stadt, die Obere Denkmalbehörde beim Rhein-Kreis Neuss angesiedelt.

Für die fachliche Beurteilung steht der Landschaftsverband Rheinland (LVR) mit seinen Experten bereit, die in der Abtei Brauweiler zu finden sind. Und auch die Korschenbroicher Politik setzt sich mittlerweile zunehmend mehr für den Erhalt historischer Gebäude ein.

"Unsere Aufgabe muss es sein, historische Gebäude für künftige Generationen zu erhalten", bezieht Paul Jahny für die Ratsfraktion der SPD Stellung. Er wirbt dafür, auch als Stadt aktiver zu werden. Als positives Beispiel für Bürger-Engagement im Korschenbroicher Ortskern führt Jahny die Aktivitäten von Günter Thoren an.

"Mit ihm haben wir in der Stadt einen Investor gefunden, der mit dem ,Anker' und dem Nachbarhaus zwei ganz alte Schätzchen restauriert." Und mit Blick auf den benachbarten Kirchplatz, hofft Jahny, dass auch dort die gesamte Kulisse — mit altem Pfarrhaus — für alle als "stimmiges Ensemble" erhalten bleibt.

Über 200 Objekte hat Georg Onkelbach als zuständiger Fachbereichsleiter im Blick. Dass die Liste der zu schützenden und erhaltenswerten Gebäude immer länger wird, davon ist der städtische Bedienstete überzeugt. "Jeder kann aktiv werden", weiß Onkelbach, denn Gebäude können nicht nur von Amts wegen und auf Antrag des Eigentümers zum Denkmal erklärt werden: "Auch Bürger können uns anrufen, uns zur Prüfung auffordern." Wird ein Objekt unter Schutz gestellt, ist es — laut Erhaltungsgebot — instand zu halten, instand zu setzen, sachgemäß zu behandeln und vor Gefahren zu schützen.

Ob das für das alte Pfarrhaus am Kirchplatz zutrifft, vermag Hanne Wolf-Kluthausen (FDP) nicht zu beurteilen. Während sie beim Hommelshof immer noch auf einen Investor mit Vorliebe für die alte Fassade hofft, zieht sie sich beim Thema Pfarrhaus auf das "schwebende Verfahren" zurück.

Deutlicher wird hier Wolfgang Houben (Grüne): "Ich habe den Eindruck, hier geht's der Kirche beziehungsweise dem Bistum nur ums Geld." Aus Houbens Sicht darf die Optik am Kirchplatz — dort stehen bereits mehrere Bauten unter Denkmalschutz — nicht verändert werden.

Er plädiert für eine "geschlossene Fassade". Und Hans-Willi Türks (CDU) will das Thema am Donnerstag im Fachausschuss unter dem Punkt "Fragen an die Verwaltung" ansprechen. "Der Charakter des Platzes sollte erhalten bleiben", so Türks. "Ich bin gespannt, wie die Experten aus Brauweiler das Haus bewerten." Dort nämlich liegt der aktuelle Abrissantrag der Kirche zur Begutachtung.

(NGZ/rl)