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Tour de Neuss: Dem Radsport geht es wieder besser

Tour de Neuss : Dem Radsport geht es wieder besser

Der Radsport in Deutschland hat die schlimmsten Zeiten hinter sich – das sagen zumindest die Profi-Fahrer, die die Hoffnung auf bessere Zeiten hegen. Selbst die Rückkehr eines deutschen Rennstalls in den erlesenen Kreis der Pro-Tour-Teams erscheint nicht mehr ausgeschlossen

Der Radsport in Deutschland hat die schlimmsten Zeiten hinter sich — das sagen zumindest die Profi-Fahrer, die die Hoffnung auf bessere Zeiten hegen. Selbst die Rückkehr eines deutschen Rennstalls in den erlesenen Kreis der Pro-Tour-Teams erscheint nicht mehr ausgeschlossen

Markus Fothen war bedient. Selbst der Friedhelm-Hamacher-Gedächtnispreis, eine wertvolle Uhr, die der Vorster zum zweiten Mal in Folge als Auszeichnung für den kämpferischsten Fahrer im 64-köpfigen Feld der 10. Tour de Neuss erhielt, konnte die Laune des 29-Jährigen kaum aufbessern.

Zu bitter war die Erkenntnis, dass ihm in der entscheidenden Phase seines "Heimrennens", das er 2006 gewonnen hatte, die "Körner" fehlten, um ganz vorne mitzufahren. Vor fünf Jahren hatte das ganz anders ausgesehen: Gerade als 14. und zweitbester Jungprofi aus seiner ersten Tour de France gekommen, hatte er mit den Gegnern auf dem Neusser Rundkurs geradezu gespielt. Diesmal kämpfte er mehr als zehn Runden im Alleingang verzweifelt um den Anschluss an die zu diesem Zeitpunkt siebenköpfige Spitzengruppe — doch als der hergestellt war, war der Akku leer.

Gewundert hat sich Markus Fothen darüber nicht. "Meine Muskulatur ist diese Belastungen nicht mehr gewohnt", sagt der Vorster. Nach dem "Aus" für das Team Milram hatte er lange nach einem neuen Arbeitgeber gesucht, ihn erst im Februar im neu gegründeten Team NSP gefunden. Doch das fährt nur in der "Dritten Liga" des Radsports. Und da sind die Rennen weder so schnell noch so hart wie in der Beletage, auf der Pro-Tour. "Und das, was dir in den Rennen fehlt, kannst du im Training nicht 'reinholen", weiß Fothen. Ein Zustand, den er so nicht länger hinnehmen will: "Ein Jahr Dritte Liga ist genug."

Dass NSP nur eine Zwischenstation sein soll, sei ihm und dem Team-Management bei Vertragsunterzeichnung klar gewesen. Den Traum von der Rückkehr in den "großen Radsport" hat er noch nicht aufgegeben, sieht auch gute Chancen, wieder in einem Pro-Tour-Team unterzukommen. Vielleicht sogar in einem deutschen.

Denn in der Branche halten sich hartnäckig Gerüchte, das "Aus" für T-Mobile, Gerolsteiner und Milram sei nicht gleichbedeutend mit dem "Aus" für den deutschen Profi-Radsport, die Gründung eines Top-Teams mit deutschen Sponsoren und ebensolchen Fahrern stünde kurz bevor. "Die Talsohle ist durchschritten", glaubt Danilo Hondo, der im Team Lampre untergekommen ist. Auch Fabian Wegmann, für zwei Jahre an die Luxemburger Equipe Leopard Trek (mit den Schleck-Brüdern) gebunden, sieht Licht am Ende des Tunnels: "Dem deutschen Radsport geht es wieder besser, vor allem haben wir einige hochtalentierte junge Fahrer." Wichtig sei, dass der Radsport ein Thema bleibe, "deshalb brauchen wir solche Rennen wie die Tour de Neuss", sagt André Greipel — und das nicht nur wegen seines Sieges.Markus Fothen hätte ihm den gerne vermiest, am Ende reichte es nur zu Rang sieben.

Und zu der Erkenntnis, dass noch ein weiter Weg vor ihm liegt, bis er wieder dort angekommen ist, was vor fünf Jahren als Ausgangspunkt einer glanzvollen Karriere erschien. "Im Moment bin ich bei Null", sagt er. Ähnlich wie der deutsche Radsport — bei beiden kann es eigentlich nur noch nach oben gehen.

(NGZ)