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Radsport: Dem Radsport gehen die Talente aus

Radsport : Dem Radsport gehen die Talente aus

Nur noch drei von 33 Vereinen im Radsportbezirk Düsseldorf haben eine Jugendabteilung. Die größte besitzt der VfR Büttgen, doch auch hier gestaltet sich die Nachwuchsarbeit immer schwieriger. Trotzdem wachsen immer wieder Talente wie Max Stahr oder Nils Schomber heran

Hans-Peter Nilges als Leiter einer Behinderteneinrichtung und Ralf Deblon als Polizeibeamter sind im Schichtdienst tätig. Was viele als Belastung empfinden, ist für die Radsportabteilung des VfR Büttgen ein Segen: "Dadurch können wir nämlich individuelle Trainingszeiten anbieten", sagt Deblon, der sich um die allgemeine Athletik des Büttgener Nachwuchses kümmert.

Geregeltes Training zu festgelegten Zeiten, das ist heute kaum noch machbar, meint Deblon, dessen Kinder Lukas (U 13) und Lena (U 17) beide im gelb-schwarzen Renndress des VfR in die Pedale treten: "Die Kinder sitzen heute doch viel länger als früher in der Schule, und wenn sie nach Hause kommen, sind sie kaputt. Da ist ein intensives Training am Nachmittag oder Abend unmöglich."

Probleme, mit denen inzwischen viele Sportarten zu kämpfen haben. Doch den Radsport trifft es besonders hart. Da sind die Imageprobleme, die ihm die Talente ohnehin nicht in Scharen in die Arme treiben. Und da ist der im Vergleich zu anderen Disziplinen hohe zeitliche Aufwand für Training und Wettkämpfe. "Radsport ist ein sehr zeitintensives Hobby, vor dem sich viele Eltern scheuen", sagt Ralf Deblon. Während der Jugendfußballer seine Begegnungen meist auf Kreis- oder Bezirksebene austrägt, stehen für einen Radsportler oft Anreisen über Hunderte von Kilometern auf dem Programm, ehe er überhaupt an der Startlinie Aufstellung nehmen kann – Belastungen, die nur noch wenige auf sich nehmen.

Die Folgen sind gravierend: Von 33 Vereinen im Radsportbezirk Düsseldorf haben nur noch drei eine Jugendabteilung. "Zwei Drittel aller Jugendlichen im Bezirk trainieren beim VfR Büttgen", weiß Deblon, der auch Bezirks-Jugendwart ist. Entsprechend sind inzwischen die Teilnehmerzahlen bei Rennen: "Zu unseren Zeiten waren 200 und mehr am Start, heute sind die Veranstalter froh, wenn in den Schüler- und Jugendklassen 30 oder 40 starten", sagt Hans-Peter Nilges (58).

Dass die Zahl der Rennveranstaltungen in Deutschland in den vergangenen Jahren um rund ein Drittel zurückgegangen ist, macht die Sache nicht einfacher: "Wir stehen deshalb in einer gewissen Verpflichtung", sagt Friedhelm Kirchhartz. Darum bietet der VfR an den beiden von ihm organisierten Radsporttagen am 30. April und 1. Mai sowohl auf der Bahn als auch auf der Straße neben den Hauptrennen auch ein umfangreiches Programm für Schüler und Jugendliche an.

Lohn der Bemühungen: Beim VfR wachsen immer wieder herausragende Talente heran. So wie Max Stahr (21), 2009 Deutscher Juniorenmeister auf der Straße und im Punktefahren auf der Bahn, der trotz bevorstehendem Abitur zu den Mitfavoriten beim "Spurt in den Mai" zählt. Oder Nils Schomber (18), der gerade den deutschen Juniorenrekord in der 3000-Meter-Einerverfolgung pulverisierte (die NGZ berichtete). Dass sie ihre sportlichen Meriten später meist nicht mehr in den gelb-schwarzen VfR-Farben sondern im Dress irgendeines Profi- oder semiprofessionellen Teams ernten – Stahr fährt im dritten Jahr für das Team Nutrixxion – ficht Kirchhartz nicht an: "Wir waren und sind eine Ausbildungsstätte – und werden es hoffentlich noch lange bleiben."

(NGZ)