Fechten : Das Ticket nach London lösen

Mit fünf Aktiven, darunter der Vorjahreszweite Nicolas Limbach, ist der TSV Bayer Dormagen bei den am Samstag im sizilianischen Catania beginnenden Fecht-Weltmeisterschaften am Start. Im Mittelpunkt: das Säbelteam der Herren

Freitag, der 14. Oktober, könnte als der bisher bedeutsamste Tag in die Fechtgeschichte des TSV Bayer Dormagen eingehen. An diesem Tag wird nämlich bei den am Samstag im Palaghiaccio Catania im sizilianischen Catania beginnenden Weltmeisterschaften der Mannschaftstitel im Herrensäbel vergeben.

Und mit einem Streich, nämlich einer Platzierung unter den besten Drei, hätte sich die mit drei Dormagenern bestückte Equipe des Deutschen Fechterbundes für die Olympischen Spiele 2012 in London qualifiziert. "Eine Medaille und damit die direkte Olympiaqualifikation, ist unser erklärtes Ziel", sagt deshalb Vilmos Szabo, Bundestrainer der Säbelfechter und zusammen mit Dan Costache auch Heimtrainer der Dormagener.

Ein Ziel, das nicht unrealistisch scheint. Schließlich wurden seine Schützlinge Nicolas Limbach, Max Hartung, Benedikt Wagner und der Tauberbischofsheimer Björn Hübner vor knapp drei Monaten in Sheffield Vize-Europameister, mussten sich erst im Finale Italien mit 38:45 geschlagen geben, nachdem sie zuvor Weißrussland und den noch amtierenden Weltmeister Russland ausgeschaltet hatten.

Aus diesem Quartett rekrutieren sich auch in Catania die Medaillenanwärter, die Italiener sind nicht zuletzt aufgrund ihrer Gastgeberrolle favorisiert. Hinzu kommen die starken Südkoreaner. Szabo vertraut den Vize-Europameistern auch bei der WM, wobei Hübner und Limbach mit 25 Jahren bereits die "Routiniers" sind — Hartung (22), in Sheffield überraschend EM-Dritter im Einzel, und Wagner (21) sind gerade erst dem Juniorenalter entwachsen.

Gelingt ihnen am nächsten Freitag nicht der Sprung aufs Treppchen, ist deshalb in Sachen Olympia jedoch nicht aller Tage Abend: Als Dritter der Welt- und Zweiter der Qualifikationsrangliste müssten die Deutschen bis April von zwei europäischen Nationen überflügelt werden, um die Olympiateilnahme noch zu verspielen — wobei nach der WM nur noch zwei Weltcupturniere mit Mannschaftswertung auf dem Programm stehen.

"Doch es geht auch darum, sich mit einer guten WM-Platzierung einen Vorteil auf der Setzliste für London zu verschaffen", weiß Olaf Kawald, Fechtkoordinator beim TSV Bayer. Schließlich sind bei Olympia nur acht Nationen am Start — wer da gleich in Runde eins auf Russland oder Italien trifft, hat schlechte Karten.

Unter diesen Vorzeichen verblasst beinahe etwas der Einzelwettbewerb am Dienstag. Natürlich nicht für Nicolas Limbach, denn der möchte nach Bronze 2007 in St. Petersburg, Gold 2008 in Antalya und Silber vor einem Jahr in Paris bei seiner vierten WM-Teilnahme die vierte Medaille gewinnen.

Gegner sind die "üblichen Verdächtigen" mit dem Weltranglistenersten und Europameister Alexej Yakimenko (Russland) und dem italienischen "Altmeister" Aldo Montano, 2004 in Athen Olympiasieger, an der Spitze. Während Limbach davon befreit ist, müssen Hartung und Wagner am Sonntag erst einmal die Qualifikation überstehen.

(NGZ/rl)