Handball : Das Handball-Fest beginnt

Von Freitag bis Sonntag schlägt das Herz des Nachwuchs-Handballs im Rhein-Kreis. Bis zur Finalrunde in der Humboldthalle an der Bergheimer Straße absolvieren rund 3000 Talente aus ganz Europa mehr als 500 Spiele.

Gestern war die Nacht für Wolfgang Spangenberger schon um 6 Uhr zu Ende. Ans Tor zur Realschule in Holzheim, wo der Chef-Organisator des Quirinus-Cups als Schulleiter tätig ist, klopfte nämlich der Nachwuchs von Riviera Chisinau. Eigentlich hätten die Handballerinnen aus Moldawien erst gegen Mittag in Neuss eintreffen sollen. "Aber weil die Abfertigung an den Grenzen mittlerweile ruckzuck geht, kommen die Mannschaften jetzt viel früher an", klagt Spangenberger in gespielter Verzweiflung.

Bereit zur großen Party: So feierte die D-Jugend des Neusser HV im Vorjahr ihren Endspielsieg über die Cronenberger TG. Foto: A. Woitschützke

Aus der Ruhe bringen ihn und seine Kollegen beim Neusser Handball-Verein derlei Problemchen natürlich nicht. Menschen, die an drei Tagen von rund 3000 Sportlern, aufgeteilt in 178 Mannschaften, 508 Turnierspiele — 420 in der Vor-, 79 in der Zwischen- und noch mal neun in der Finalrunde am Sonntag ab 13 Uhr in der Humboldthalle — austragen lassen, sind in fast jeder Beziehung schmerzfrei. Dabei geht Klasse vor Masse. Der nicht alltägliche Vergleich mit hochkarätiger Konkurrenz aus dem europäischen Ausland zieht. Dass die fürs Final Four um die Deutsche Meisterschaft qualifizierten B-Junioren des TSV Bayer Dormagen zu ihrer Zusage stehen, ist für Chef-Koordinator Björn Barthel darum keine Frage: "Wir spielen auf jeden Fall."

Die Meldeliste liest sich wie das "Who's Who" des europäischen Handballs: In der A-Jugend könnten sich der SC Magdeburg und der ungarische Meister MKB Veszprem ein heißes Duell um den Turniersieg liefern. In der B-Jugend bekommt es Dormagen unter anderem mit Dauergast Dukla Prag, RK Pivovarna Lasko Celje aus Slowenien und der ukrainischen Sportschule Brovary (dort erhielten die Box-Weltmeister Vitali und Wladimir Klitschko ihr Rüstzeug) zu tun.

Bärenstark ist auch das Teilnehmerfeld bei den C-Junioren, angeführt von Bayer Dormagen, Celje und Honved Budapest. Unter den 35 Teams aus dem ehemaligen Ostblock ist auch Russland prominent vertreten: Ihr Debüt gibt die Sportschule St. Petersburg, dazu kommen SK Junost Kinisep und selbstverständlich die Sportschule Pskow (Partnerstadt von Neuss).

Die Glücklichen, die es schließlich am Sonntag in eines der nach Altersklassen gestaffelten neun Finalspiele schaffen, laufen zum ersten Mal in der neuen Sporthalle an der Bergheimer Straße in Neuss auf. Die ist zwar genauso wie ihre Vorgänger im Stadion und im Hammfeld kapazitätsmäßig höchst unzureichend, liegt aber immerhin in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schulzentrum, wo wieder an die 1500 Sportler untergebracht sind.

Die müssen verpflegt werden, was mitunter zu Problemen führt. Die bereits am Mittwoch früher als erwartet angereisten Spezialisten von Olimpus Chisinau zum Beispiel hatten einen derartig großen Appetit, dass für die eine Stunde später eingetroffenen Ukrainer kein Frühstücksbrötchen mehr da war. "Aber wir haben alle satt bekommen", beruhigt Spangenberger lachend.

(NGZ)