Reitsport : Das Duell ums WM-Ticket

Am Wochenende steht die abschließende nationale Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Le Mans bevor. In Krumke trifft der RSV Neuss-Grimlinghausen dabei auf seinen ärgsten Rivalen VV Ingelsberg aus Bayern. Trainerin Jessica Schmitz: "Wir nehmen die Herausforderung an."

"Fronkreisch, Fronkreisch" — der Gassenhauer der Bläck Fööss aus dem Jahr 1985 soll nach Wunsch der Voltigierer vom RSV Neuss-Grimlinghausen auch 2012 erklingen. Im vergangenen Jahr trug der Motivations-Song des deutschen Teams die Pferdeakrobatinnen vom Nixhof zum EM-Titel in Le Mans. Am selben Ort wollen die Schützlinge um Trainerin Jessica Schmitz vom 15. bis 19. August nun sogar nach der WM-Krone greifen.

VV Ingelsberg (l.) gegen den RSV Neuss-Grimlinghausen: Bei der Sichtung in Berlin hatten "Flugschülerin" Janika Derks und Pauline Riedl mit Neuss knapp vor den Bayern gelegen. Foto: D. Kaiser

Das Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Erzrivalen VV Ingelsberg geht in die entscheidende letzte Runde. Bundestrainerin Ulla Ramge machte nach den Debatten der vergangenen Wochen um die unzureichende Hallenhöhe — 4,80 Meter misst die Krumker Arena an ihrer niedrigsten Stelle, der Weltverband FEI fordert mindestens fünf Meter — unmissverständlich klar: "Wir brauchen ein Team mit Nerven wie Drahtseile". Die 49-Jährige fordert von einem deutschen WM-Teilnehmer, "sich auch mit Widrigkeiten arrangieren zu können".

Nach ausgiebigen Gesprächen zwischen der Nationaltrainerin und Schmitz ist nun klar: Auf dem Nixhof wird nicht mehr gemeckert und gezetert, sondern so intensiv an der Ausführung gefeilt wie eh und je. "Wir nehmen die Herausforderung an", sagt Schmitz, ohne ihre Verantwortung gegenüber ihren Athletinnen außer Acht zu lassen. Die Neusser machen auf dem Rücken ihres Pferdes Arkansas geringe Abstriche im Kürprogramm. "Unser höchstes Element haben wir aus dem Programm genommen. Das war mir einfach zu heikel", erklärt die Erfolgstrainerin. Entscheidende Auswirkungen auf die Endnote sollte der Umbau nicht haben.

"Wir sind trotzdem noch spektakulär." Obwohl die Erwartungshaltung innerhalb des Teams hoch ist, nimmt Schmitz jeglichen Druck von den Schultern ihrer Sportlerinnen. "Das hat noch nie etwas gebracht", weiß die Trainerin aus Erfahrung. Die Ausgangslage verspricht dennoch Zuversicht: "Wir sind gut vorbereitet. Alle sind fit. Im Training haben schon alle Teile der Kür funktioniert, allerdings noch nie an einem Stück. Wir wollen nun einfach einen tollen Wettkampf zeigen."

Bei der ersten öffentlichen Sichtung Anfang Mai in Berlin landeten die Rheinländerinnen 22 Tausendstel Punkte vor dem Dauerrivalen aus Ingelsberg. Auch in Krumke werden sich die beiden Top-Teams der Republik aller Voraussicht nach wieder ein enges Duell liefern. Eine Nominierungs-Chronologie lässt sich im Übrigen nicht ableiten. Nachdem sich Neuss 2006 für die Weltreiterspiele in Aachen qualifiziert hatte (Gold), machte Ingelsberg zwischen 2007 und 2010 bei den Championaten in Ungarn (Gold), Tschechien (Gold), Schweden (Bronze) und Kentucky (Silber) das nationale Rennen. Erst 2011 setzten sich die RSV-Akrobatinnen für Le Mans (Gold) wieder durch.

(NGZ/rl)